«Catwalk in Public Space»

Sehen und gesehen werde – Haut(nah)e-Couture am Catwalk in Public Space

2008 hat «Riviera» den Catwalk in Public Space ins Leben gerufen. Seither laufen jedes Jahr während der Art Woche die Fashionistas über den öffentlichen Catwalk in Basel.

Während der Art ist Basel anders. Vielleicht wegen der vielen exzentrischen Kunstliebhaber, die für die Messe in die Stadt strömen und ihr ein internationales Flair verleihen. Vielleicht aber auch, weil sich die Stadt selbst während dieser Tage besonders herausputzt und sich von ihrer besten Seite präsentiert. Manchmal elegant, manchmal cool und manchmal einfach abgefahren: Während in den Messelokalitäten die Kunst im Scheinwerferlicht steht, scheinen die Basler Strassen zu Laufstegen zu werden.

An jeweils einem Abend ist das auch ganz offiziell der Fall: Der «Catwalk in Public Space» feierte gestern sein zehnjähriges Bestehen und ist noch immer einer der beliebtesten Events, die rund um die Kunstmesse stattfinden. Amateurmodels bahnen sich ihren Weg durch Massen von Modebegeisterten und präsentieren die neusten Kollektionen verschiedener Kleinbasler Modelabels. Dabei ist manchmal schwer zu erkennen, wer Mannequin und wer Zuschauer ist.

Sehen und gesehen werden

Bereits bevor die Modeschau überhaupt beginnt, tummeln sich rund um den Erasmusplatz auffällig gut gekleidete Menschen. Es sind die Edel-Hipster, die Experimentierfreudigen, die Paradiesvögel und diejenigen, deren Charme man gar nicht recht in Worte fassen kann.

Wer auf der Suche ist nach den neusten Trends, muss gar nicht erst auf die Models warten. Gewagte Farbkombinationen, abenteuerlich hohe Schuhe und Sonnenbrillen, die auch im Schatten unentbehrlich sind. Aus den Boutiquen entlang der Strasse ertönt bereits laute Musik, die zwar nicht zum Tanzen, aber zumindest zum zügigen Stolzieren animiert. Nicht alle sind gekommen, um zu sehen, sondern viele auch, um gesehen zu werden. Statt ungeduldig auf den eigentlichen Beginn der Veranstaltung zu warten, werfen sich diese Besucher selbst in Pose.

Doch plötzlich müssen sie weichen. Nicht professionellen Models, sondern anderen Laien, die kurz nach sieben Uhr beginnen, sich durch das gespannte Publikum zu schlängeln. Die Kameras werden gezückt und einzeln ertönen Jubelschreie. Im Publikum befinden sich richtiggehende Fans. Zum Beispiel die der Boutique «La Fauna», deren Models in floralen Kimonos, Federhaarschmuck und farbenprächtiger Gesichtsbemalung aus dem Laufsteg eine Partymeile machen. Oder sie sind hier für die kuriosen Gestalten, die für «Janja und Muff» in «Lucha libre»-Masken und wallenden Röcken als besonderer Blickfang unterwegs sind.

Alltag, doch nicht alle Tage

An der Art kann man tun und lassen, was das Herz oder zumindest der Sinn für Ästhetik begehrt. Auch, wenn die Modeentscheidungen während des restlichen Jahres als Fauxpas gelten würden. Das haben beispielsweise die Models von «Peter Müller» demonstriert, die auch in Sandalen und Kniesocken eine gute Figur machten. Während man sich viele der Kreationen nur schwer im Alltag vorstellen konnte, gingen andere Kreationen in der Menge schaulustiger Fashionistas fast unter.

Doch auch das gehört zum Konzept des Catwalks: Die Hemmschwelle der Haute Couture wird überwunden, sowohl mit Amateurmodels als auch mit Mode für Herr und Frau Basler. Während die Kunst an der Art für viele unerreichbar weit entfernt scheint, ist hier das, was es zu bestaunen gibt, wortwörtlich zum Greifen nah.

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