Basel, Theater Fauteuil: Im Rahmen der Vorfasnachts-Veranstaltung Pfyfferli steht Buddy Elias in einer von Charles Lewinsky verfassten Nummer auf der Bühne. Er spielt den Angestellten in einem Kleiderladen, der als eine Art menschliche Klagemauer herhalten muss. Und sich, je nach Art der jeweiligen Reklamation, jeweils sklavisch dem Kunden oder der Kundin anzupassen hat. Das Publikum brüllt vor Lachen.

Szenenwechsel, Basel, Strafgericht: Vor den Schranken der Justiz steht ein Mitglied der rechtsextremen Partei Pnos. Er hat mehrfach geschrieben, die Geschichte der von den Nazis ermordeten Anne Frank, die durch ihr Tagebuch weltberühmt wurde, sei frei erfunden. Im Publikum sitzt, als Beobachter zusammen mit seiner Frau Gerti, Buddy Elias. Nach dem Prozess äussert er sich als Präsident des Anne-Frank-Fonds gegenüber den Medien und bekennt, wie erschüttert er darüber sei, was Verblendung auch bei jungen Menschen auslösen könne. 

Beide Ereignisse liegen einige Jahre zurück, zeigen aber eindrücklich die Bandbreite von Buddy Elias auf. «Ich habe einen Beruf und eine Berufung», so pflegte er selbst die zwei Dinge auf den Punkt zu bringen. Der Beruf des Schauspielers einerseits, den er, der eigentlich Bernhard hiess, den aber alle Welt nur Buddy nannte, gegen den Willen seines gutbürgerlichen Vaters durchsetzte.

Schauspieler, das war er auch mit Leib und Seele; er spielte heitere, aber auch ernste Rollen, grosse und kleine, er war im «Tatort» oder der «Schwarzwaldklinik», um nur gerade einige wenige zu nennen, zu sehen, aber auch sonst im Fernsehen und teilweise auch im Kino. Er spielte als festes Ensemble-Mitglied jahrelang in deutschen Städten wie Tübingen, Bremen, aber auch in Berlin und Hamburg.

Paraderolle Arturo Ui

Seine nach eigenen Aussagen vielleicht wichtigste Rolle, die spielte er 1967 in seiner Heimatstadt Basel, in der unvergesslichen «Komödie». Nämlich den Arturo Ui im fast gleichnamigen Stück von Bert Brecht. Ui, die brechtsche amerikanische Version Hitlers, die war Buddy fast auf die Brust geschneidert. «Ich hatte ihn noch immer im Ohr, aus dem Radio in den Dreissiger Jahren, diese gepresste, widerliche Stimme», sollte er später dazu sagen, als Erklärung dafür, warum er gerade in dieser Rolle so brillierte.

Den Schauspieler-Beruf unterbrach Buddy Elias nur, um einige Jahre als Eisclown, vor allem mit der weltbekannten Revue «Holiday on Ice», quer über den Globus zu tingeln. Einige Jahre davon tat er dies zusammen mit seinem Jugendfreund (und späteren FC-Basel-Speaker) Otti Rehorek. Kennen gelernt hatten sich die beiden auf der Basler «Kunschti», wo sie bald ihre Spässe auf dem Eis trieben und so herausfanden, was beim Publikum ankam. Diese Eis- Jahre brachten Buddy viele Erfolge, unvergessliche Erinnerungen und auch ein wenig bescheidenen Reichtum. Aber dann wurde der Drang, in den Schauspielberuf zurück zu wechseln, zu gross.

Gerti an seiner Seite

Seinem Beruf hatte er auch seine Ehe zu verdanken, seine aus Österreich stammende Frau Gerti war ebenfalls Schauspielerin. Kennen- und lieben gelernt hatten sie sich in Tübingen. Zusammen haben sie zwei Söhne, die ebenso Schauspieler wurden.

Und Gerti unterstützte ihn auch bei eben seiner Berufung, der ernsten Seite seines Daseins. Der Cousin von Anne Frank, mit der er vor dem Krieg bei ihren wenigen Besuchen in der Schweiz so innig gespielt hatte, hielt als Präsident des Anne-Frank-Fonds die Erinnerung und das «humanistische Erbe», wie er es nannte, der Ermordeten hoch. Bis fast zuletzt reiste das Ehepaar vor allem in Europa umher, um aus dem von Mirjam Pressler verfassten Buch «Grüsse und Küsse an alle – die Geschichte der Familie von Anne Frank» zu lesen und vor allem mit jungen Leuten über das Unfassbare zu diskutieren. Buddy tat es mit dem gleichen Engagement, mit dem er Schauspieler war.

Und trotz aller Reisen war und blieb der 1925 in Frankfurt/Main Geborene, der im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern in die Schweiz zog, ein Ur-Basler, deutlich hörbar an seinem Dialekt. «Basel ist meine Heimatstadt», sagte er dazu kurz und knapp.

Dass er sich vor einigen Jahren entschieden hat, gewisse Gegenstände in Zusammenhang mit Anne Frank ans Jüdische Museum Frankfurt zu übergeben, das sei keine Entscheidung gegen Basel gewesen, so sagte er, sondern eine für die Stadt, in der seine Familie bis fast 1933 über viele Jahrzehnte glücklich gelebt hatte. «Dort habe ich halt meine «Würzeli» sagte er einmal dazu und lachte sein verschmitztes Buddy-Lächeln. Dieses Lächeln wird uns, wie der ganze Mensch, von jetzt an schmerzhaft fehlen.

* Peter Bollag ist Redaktor beim Regionaljournal Basel von Schweizer Radio SRF. 2014 verfasste er das Buch «Zwei Eisclowns erobern die Welt» (Merian-Verlag).