Marco Streller

Sein erstes FCB-Tor war ein Eigengoal - 324 Spiele später sagt er Tschüss

Marco Streller durfte oft mit dem FC Basel jubeln. Nun sagt er Tschüss.

Marco Streller durfte oft mit dem FC Basel jubeln. Nun sagt er Tschüss.

324-mal spielte er für den FC Basel und schoss dabei 144 Tore, 507 Einsätze absolvierte er insgesamt in seiner Karriere. Das sind die beeindruckenden Zahlen des FCB-Captains Marco Streller, der heute von ganz Basel gefeiert wird.

21 Jahre alt war Streller, als er am 11. Juli 2001 sein Profi-Debüt gab. Heute darf man getrost sagen, dass er ein Spätzünder war. In seiner Jugend spielte er er beim FC Aesch, später beim FC Arlesheim. Streller war Hobbyfussballer, Lebemann, Geniesser. Ganz abstellen konnte er das anfangs nicht, als er 2000 vom FCB unter Vertrag genommen wurde. Als er aber nach Abstechern zu Congeli, Thun, Stuttgart und Köln heim kehrte, war er gereift. Seit seiner Rückkehr wurde er immer besser, wurde zum besten Streller – der auf dem Zenit aufhört. Mit 33 Jahren darf er also endlich wieder Hobbyfussballer und Geniesser sein.

3,5 Jahre nach seinem Abgang kehrte der König von Basel aus dem Exil in der Deutschen Bundesliga in sein Reich zurück. Rückblickend sagt Marco Streller heute, dass er viel zu früh den Schritt ins Ausland zum VfB Stuttgart gewagt habe. Und dass der Tag, an dem er «seinen» FCB verlassen habe, der schlimmste Tag in seiner Karriere gewesen sei. Eine starke Aussage von einem Mann, der unzählige Rückschläge ertragen musste. Einer davon war jene schwere Verletzung, die ihn seinen Stammplatz beim VfB Stuttgart kostete und seine Karriere im Ausland ins Stocken geraten liess

324 Mal spielte Marco Streller für «seinen» FC Basel. Und wie bei jedem langjährigen Profi haben sich diverse spezielle Spiele angehäuft. Sei es das erste Profi-Spiel für den FCB, in dem er ins eigene Tor traf. Das 2:1 im Champions-League-Heimspiel gegen Manchester United, das Streller fortan an als sein Highlight-Spiel bezeichnen würde, oder die Halbfinal-Spiele in der Europa League gegen Chelsea, wovon er nie zu träumen wagte. Es waren viele magische Nächte und Spiele dabei, und sein Abschied vom Freitag ist mit Sicherheit auch ganz weit oben.

144 Tore. 144 Mal jubeln. 144 Mal pure Freude. Marco Streller hat viele Tore für den FCB erzielt. Die einen eher glücklich, andere reingestochert oder abgestaubt. Am Ende fragt niemand mehr, wie sie zustande gekommen sind. Ein paar Treffer werden aber unvergessen bleiben. Der Volley zum 1:0 gegen Manchester United, der Kopfball-Treffer zum 2:1 an der Stamford Bridge von Chelsea oder das 1:0 im Joggeli gegen den FC Liverpool, als er nur noch zu vollstrecken brauchte, nachdem der Liverpool-Keeper einen Frei-Kopfball nicht kontrollieren konnte.

2 Mal trat Streller aus der Nati zurück. Weil keiner so wie er für die letztjährigen FCB-Erfolge steht, wurde er in der Nati immer wieder ausgebuht – und trat deshalb 2008 zurück. Es war der erste von zwei Nati-Rücktritten. Von Ottmar Hitzfeld liess er sich umstimmen und spielte bis zu seinem endgültigen Rücktritt 2011 nochmals für die Nati. Zwei Momente sind auch speziell in Erinnerung geblieben: Sein erstes Nati-Tor, im Barrage-Spiel gegen die Türkei, welches die Teilnahme an der WM 2006 sicherte. Und der verschossene Penalty im WM-Achtelfinale gegen die Ukraine.

507 - so viele Einsätze absolvierte Streller im Verlauf seiner 15-jährigen Profi-Karriere. Dabei spielte der 33-Jährige für den FCB, den FC Concordia Basel, den FC Thun, den VfB Stuttgart, den 1. FC Köln, die Schweizer Nati (37 Spiele) und die U21-Nati. Wäre er nicht so oft verletzt gewesen, wären es viel mehr Spiele geworden. Alleine in den vergangen Jahren verpasste er wegen Rücken-, Oberschenkel-, Waden- und Adduktorenverletzungen über 20 Spiele. Die schlimmste Verletzung aber war der Schien- und Wadenbeinbruch, dadurch verpasste er die EM 2004.

200 Tore erzielte Marco Streller in seiner ganzen Karriere, das 200. in seinem letzten Einsatz in der Meisterschaft für den FC Basel. Vor der Partie sagte er noch: «199 ist auch eine lustige Zahl.» Er lege nicht viel Wert auf solche Zahlen, doch dass ihm ausgerechnet in seinem letzten Meisterschaftsspiel das 200. Tor gelingt, wird ihn sicherlich freuen. Auch wenns nicht geklappt hätte, wäre er mit seiner ganz eigenen Rechnung auf die 200 Tore gekommen: «Zählt man das Eigentor dazu, sind es 200.» Dieses Eigentor erzielte er bei seinem Profi-Debüt für den FCB.

Die 1 steht in Strellers Karriere für viel. Je einmal nahm er an einer WM (2006 in Deutschland) und einer EM (2008 im eigenen Land) teil. Einmal wurde er Deutscher Meister, 2007 mit dem VfB Stuttgart. Und nur einmal wurde er seit seiner Rückkehr zum FCB nicht Schweizer Meister. Das war 2009. Mit dem diesjährigen Titel kommt er auf acht Schweizer Meistertitel. Keiner hat mit dem FCB mehr Meistertitel gewonnen. Nicht Karl Odermatt, nicht Scott Chipperfield, nicht Beni Huggel. Marco Streller ist eben 1-malig.

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