Spenden
Seine Geschichte berührt die ganze Stadt: Leser wollen den Traum des «Legionärs» erfüllen

Die Geschichte von Fritz Rudin weckt in vielen Baslern Kindheitserinnerungen. Seine Sehnsucht, wieder mal lange Zug zu fahren, erweichte die Herzen vieler Leser. Die Redaktion erreichten dutzende Nachrichten von Leuten, die für die Erfüllung seines Traums etwas spenden wollen.

Olivia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Fritz Rudin erzählte seine Geschichte und setzt damit den Spekulationen über sein Schicksal ein Ende.

Fritz Rudin erzählte seine Geschichte und setzt damit den Spekulationen über sein Schicksal ein Ende.

Nicole Nars-Zimmer niz

Die Geschichte von Fritz Rudin, in Basel bekannt als der «Legionär», bewegt die Stadt. Spekulationen über seine Vergangenheit und wie er zu seiner Erscheinung kam, wurden wohl an diversen Stammtischen der Basler Beizen ausgetauscht.

   

  

Nicole Nars-Zimmer niz

Daraus hatte sich eine Geschichte entsponnen: Da Rudin immer uniformiert unterwegs war, erzählte man sich, er sei in der Fremdenlegion so zugerichtet worden. In einem Porträt über ihn, das am Mittwoch in der bz erschien, warf der 66-Jährige diese jedoch über den Haufen: «Ich wollte gut gekleidet sein», war seine einfache Antwort. Seither stapeln sich die Reaktionen auf den Bericht. Viele Leser erkennen den Legionär aus ihrer Kindheit wieder und sind berührt vom Schicksal des Mannes, der heute im Altersheim lebt. Zu hunderten kommentieren sie den Artikel in den sozialen Medien und tauschen sich über ihre Erinnerungen an das Stadtoriginal aus.

Viele sind froh, wieder mal von ihm zu hören und zu erfahren, dass er noch am Leben ist. «Der Legionär Fritz mit seiner Pfeife (und natürlich seiner Uniform) ist und bleibt unser Stadt-Idol. Ich kenne ihn, seit ich sechs Jahre alt bin. Manchmal hatte er schlechte Tage wie jeder von uns, aber er hat sich immer aufgerafft und war sehr hilfsbereit», teilt eine Leserin mit.

Auch eine andere freute sich: «Sagenhaft. Er war in dem Fall um die 40, als ich ihn immer in der Steinenvorstadt sah. Ich hatte nie Angst vor ihm. Er beleidigte mich nie und ich habe ihn friedlich in Erinnerung. Er gehört definitiv zu meiner Jugend!»

Angst als Kind

Doch nicht alle haben nur positive Erinnerungen an den heute ergrauten Mann. Oft sass er am Claraplatz, vor dem Casino oder in den Steinen und sprach Passanten an, mal freundlich und hilfsbereit, manchmal auch eher unfreundlich und ausfallend. Dies blieb vielen Baslern im Gedächtnis. «Ich freue mich, von ihm zu hören. Und dass es ihm gut geht. Auch ich hatte als Kind oft Angst vor ihm. Als ich älter wurde, habe ich gemerkt, dass er niemandem etwas tut. Er gehörte zur Stadt», schreibt eine Leserin.

Einer weiteren Leserin ging es ähnlich: «Das waren Zeiten, ich erinnere mich auch an Herrn Fritz Rudin. Auch ich fürchtete mich vor ihm, probierte ihn so wenig wie möglich anzusehen/anzustarren. Ich dachte mir aber schon, dass er ein schreckliches Schicksal hinter sich hatte.»

Leser wollen spenden

Die Sehnsucht von Fritz Rudin, wieder mal lange Zug zu fahren, zum Beispiel nach Zürich, erweichte die Herzen vieler Leser. Die Redaktion erreichten dutzende Nachrichten von Leuten, die für die Erfüllung seines Traums etwas spenden wollen. «Also sein Wunsch mit dem Zug nach Zürich zu fahren, ist doch machbar», «Ich würde ihm gerne ein Ticket nach Zürich und zurück kaufen», häufen sich die Kommentare. Einige möchten den «Legionär» sogar persönlich begleiten. «Ich erinnere mich gut an ihn. Aber seinen Namen wollte er nie sagen. Wenn er auf Zürich möchte, gehe ich mit ihm und übernehme alles hin und zurück.»

Die bz will diesem Wunsch natürlich nicht im Weg stehen. Fritz Rudin wohnt im Altersheim zum Lamm an der Rebgasse 16, 4058 Basel.