Kämpferisch, bestimmt und überzeugend. Drei Adjektive, die Thomas Jenny beschreiben. Seit 1993 kämpft der Basler. Für ein Radio, das anders sein soll. Für ein Radio, das vom Staat und von zahlreichen Sponsoren finanziert wird. Diese überzeugt Jenny vom Programm von Radio X samt seinen zahlreichen Kampagnen. Jedes Jahr bekommt er das Geld zusammen, um den Radiosender über Wasser zu halten. Beinahe die Hälfte der Einnahmen finanziert der Bund. 600'000 Franken. «Heute sind wir finanziell ausbalanciert. Das war aber ein langer Kampf».
Bereits 1993 tun sich junge Leute zusammen, darunter Thomas Jenny und Journalist Patrick Tschudin, die später als Gründerväter in die Geschichte von Radio X eingehen werden.

Die Stimmung in der Gruppe ist kämpferisch, die Freigeister wollen etwas Neues schaffen. Sie wollen etwas bieten, das auch die junge Generation anzieht. Jenny erinnert sich: «Wir waren Pioniere. Es herrschte eine grosse Euphorie.» Eine Zeitung ist teuer. Also steuerten die jungen Leute in Richtung Radio. Das X sollte alles symbolisieren, was die Hörer sich vorstellen und sich von einem neuen Radiosender wünschen.

Regierung gegen neues Radio

Gegen das neue Radioprojekt wehren sich die bestehenden Lokalradios Raurach und Basilisk. Auch die Regierungen Basel-Stadts und Basellands sind dagegen. Dennoch bewirbt sich Radio X um eine der zwei ausgeschriebenen Konzessionen für die Nordwestschweiz. Von da beginnt der grosse Kampf. «Die ersten eineinhalb Jahre waren sehr hart.» Hätte dies Jenny vorher schon gewusst, er sei nicht sicher, ob er wirklich weiter gekämpft hätte. Doch er tut es, wie er es immer tun wird. «Natürlich war ich manchmal nahe am Ende. Ich wollte aber, dass dieses Projekt durchkommt.» 1993 Radio X erhält keine der zwei Konzessionen. Doch 1996 schreibt der Bundesrat nach einem Prozess für Basel eine dritte Frequenz aus. Am 19. April 1998 geht Radio X «on air».

Jennys Kampf ist damit aber noch lange nicht zu Ende. In den nächsten Jahren wird der Jurist Leute entlassen müssen, das moderierte Tagesprogramm einstellen und wieder aufnehmen und zahlreiche Prozesse führen. «Radio X ist mein Lebenswerk», sagt der grosse Mann, der in seinem Büro in den neuen Studios auf dem Campus der Künste sitzt. Überall stapelt sich Papier. Alle paar Minuten klopft jemand an die Tür. «Du Tom…», klingt es. Die Kommunikation ist freundschaftlich. Jenny scheint ein bestimmter Chef zu sein, wirkt aber auch wie der Onkel.

Er ist da, wenn man ihn braucht, und der sich um die Anliegen kümmert, die anfallen. Derzeit vor allem um Anliegen, die den 20. Geburtstag des Senders betreffen. Das Jubiläum wird gross gefeiert. Die ganze vergangene Woche mit Spezialsendungen. Morgen Samstag sind Konzert, Geburtstagsessen und Studioführungen angesetzt. Bei den Vorbereitungen ist Jenny voll eingespannt. «Obwohl ich der Chef bin, bin ich mir auch nicht zu schade, mal ein Zelt aufzustellen oder zu putzen.»

2010 zieht Radio X aufs Dreispitzareal. Für 900'000 Franken, die mit Sponsoren-Beiträgen zusammenkommen. Die Studios sind gross. Hinter dem Eingang steht man direkt in einem Raum, der an ein grosses Wohnzimmer erinnert, das von kreativen Menschen bewohnt wird. Von dem Raum gelangt man in mehrere Büros, alle voller junger Menschen. Bei Radio X gibt es nur sieben Vollzeitstellen. Dazu kommen 200 Freiwillige und Praktikanten. Die Arbeit mit Unerfahrenen war für Jenny nie schwer oder anstrengend. «Ich komme ja auch nicht aus dem Journalismus und kann mich deshalb gut in sie hereinversetzen.»

Die Ausbildung junger Journalisten und Journalistinnen ist ein Grundpfeiler von Radio X. Obwohl Jenny selbst nicht dafür zuständig ist, möchte er den Jugendlichen auch sonst etwas mit auf den Weg geben: 1. Man muss kämpfen, um zu seinem Recht zu kommen. 2. Respekt vor den Medien und ihrer Reichweite. 3. Charakter ist entscheidender als der Jahrgang.

Aus dem Daig

«Der Umzug in die neuen Studios war ein Meilenstein für uns», so Jenny emotional. Vor allem zu sehen, wie die alten «Greise», die früher gegen das Radio waren, zurückkamen und es nun unterstützen. Von dieser Unterstützung lebt das Radio, Jenny zählt darauf. Er ist als Sohn von Alt-Regierungsrat Kurt Jenny zur Welt gekommen. Seine Herkunft aus der Welt des Basler Daigs zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben und durch die Geschichte von Radio X: Das Geld ist da, man muss es nur finden und in Gutes investieren.

Auf dem Programm von Radio X stehen zahlreiche fremdsprachige Sendungen. ArabX, Xtanbul und Tamil Radio X sind nur drei der insgesamt elf Sendungen in Fremdsprachen. «Wir reagieren auf Migrationsbewegungen.»

Zum Schluss bringt Jenny das Wort «Work-Life-Balance» ins Spiel. Das Radio habe immer zum Alltag seiner drei Kinder gehört. Auch wenn Jenny jeder Zeit erreichbar sein will, habe ihn seine Familie unterstützt. «Natürlich sind manchmal Leute zu mir gekommen und haben mich gefragt, warum ich das durchziehe.» Jedes Mal antwortete er: «Wenn Du mir fünf Gründe gibst, mit dem Radio aufzuhören, dann tue ich es.» Das konnte bisher keiner.

Jubiläumssause Samstag, 14–24 Uhr, Infos unter www.radiox.ch