Statistik

Seit 2008 in beiden Basel 30 Prozent mehr Tumore diagnostiziert

Am Tumorboard wird jeder Krebsfall im Team besprochen und dann der Behandlungsplan im Detail festgelegt.

Seit 2008 sind in beiden Basel 30 Prozent mehr Tumore diagnostiziert worden. (Symbolbild)

Am Tumorboard wird jeder Krebsfall im Team besprochen und dann der Behandlungsplan im Detail festgelegt.

Seit 2008 gibt es 30 Prozent mehr Tumorbehandlungen. Die Zahlen der Diagnosen sind in den beiden Basel von 7730 auf 10'741 in die Höhe geschnellt. Dies liegt zu einem grossen Teil, aber nicht nur an einer Änderung der Erhebungsmethode.

Der Baselbieter Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr ist selten um eine Erklärung verlegen. Doch diese Zahlen machen ihn ratlos: Seit 2007 sind Diagnosen von Tumorerkrankungen in den beiden Basel von 7730 auf 10'741, also um 30 Prozent gestiegen. «Das versteh ich nicht», sagt Kirchmayr. Der sprunghafte Anstieg der Tumorbehandlungen ist auf den ersten Blick tatsächlich erschreckend.

Die Zahl lügt aber zumindest teilweise und kann durch eine methodische Änderung erklärt werden, welche das Statistische Amt Baselland 2009 einführte.

Vorher wurde bei Spitalaufenthalten die Chemo/Radiotherapie in der Hauptdiagnose aufgeführt und die Tumorerkrankung als Nebendiagnose codiert. Seither gilt die Tumorerkrankung als Hauptdiagnose und fällt so in die Rubrik «Neubildungen».

Nach der Methodenänderung zogen vier Jahre ins Land, ehe die Subkommission der Geschäftsprüfungskommission stutzig wurde und wissen wollte, wie die drastische Zunahme der Neubildungen von Tumoren erklärt werden könne.

Mehr Aufenthalte pro Fall

Mit Verweis auf die Methodenänderung empfahl die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) in einem Schreiben, das der bz vorliegt, deshalb lediglich die Entwicklung der Jahre 2009 bis 2012 zu betrachten. Zwar ist die Entwicklung in diesem Zeitraum nicht annähernd so alarmierend, aber erfreulich sind auch diese Zahlen nicht.

So hat hier eine Zunahme um knapp 1000 Fälle stattgefunden, also fast um 10 Prozent. Im Kanton Baselland stieg in diesem Zeitraum die Zahl sämtlicher Spitalaustritte nach Tumorbehandlungen von 3909 auf 4258, in der Stadt von 5955 auf 6483.

Das bringt die VGD zu folgendem Fazit: «Beim Vergleich der Entwicklungen kann nun festgestellt werden, dass die Zunahme bei den Neubildungen (Tumore) zwischen 2008 und 2012 bei der Wohnbevölkerung BL mit ca. 24,7 Prozent geringer ausfällt, als dies aus der Anzahl Gesamtfälle der Spitäler BS und BL zu erwarten wäre (39,0 Prozent).»

Im Baselbiet werden also prozentual deutlich weniger Tumorbehandlungen durchgeführt als in Basel-Stadt. Dies lässt sich zum einen durch die Patientenströme in Richtung Stadt erklären, die durch die neue Spitalfinanzierung verstärkt werden dürften.

Während die Zahlen in beiden Basel um 10 Prozent gestiegen sind, verzeichnete alleine das Unispital zwischen 2009 und 2012 einen Zuwachs von rund 20 Prozent.

Dass der bevölkerungsstärkere Landkanton bedeutend weniger Fälle hat als Basel, dürfte zweitens auch mit der stärkeren Überalterung in der Stadt zu tun haben.

Und drittens nennt die Pressesprecherin des Kantonsspitals Baselland, Christine Frey, die Behandlungsdauer: «In der Statistik sind nur Austritte angegeben, nicht die Fälle.» Weil heute die Tumorbehandlungen in mehrere Schritte aufgeteilt werden und der Patient seltener über längere Zeit stationär in Behandlung ist, verzeichnen die Spitäler pro Patienten mehr Aufenthalte als früher.

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