Da sitzt er in einer typisch baslerischen Beiz, freut sich auf die Fasnacht 2017 und schaut auf sage und schreibe 40 Jahre Schnitzelbanksingen zurück: der Bankchef der Gasladärne – mit wachem Geist und dem Schalk im Gesicht. Ja, man kann den Basler Humor in seinem Gesichtsausdruck beinahe ablesen und fast fühlen, ohne dass er ein Wort sagt.

Er war in der Jugend aus familiären Gründen nach Pfyn in den Thurgau gezogen. Nach einigen Jahren kam er aber nach Basel zurück, denn er hatte richtig Heimweh und hat vor allem die Basler Fasnacht vermisst. Es ist das Jahr 1977 – und er wollte singen. Für Basel und Europa war es ein denkwürdiges Jahr. Da war das Eidgenössische Schwingfest im alten St. Jakob-Stadion. In der BRD (es gab ja noch die DDR) wüteten die Terroristen der RAF. Und Elvis Presley verliess die Bühne endgültig.

In der Basler Schnitzelbankszene waren 1977 die prägenden Namen solche, die bis heute nachklingen: Zyttigsanni, Standpauke, Stachelbeeri.

Name und Melodie gesucht

Der angehende Schnitzelbänkler sass also mit Freunden zusammen. Gemeinsam suchten sie nach einem Namen. Gutzibüchse, Zuckerzange und so weiter. Vorschläge gab es einige. Er erinnert sich: «Doch unser Bankchef hatte nostalgische Gedanken. Er fand, ein Schnitzelbank müsse die Vision haben, Licht ins Dunkel zu tragen. Und so einigte man sich einstimmig auf den Namen Gasladärne.»

Die Gasladärne bei einem Auftritt im Restaurant Aeschenplatz 2012.

Die Gasladärne bei einem Auftritt im Restaurant Aeschenplatz 2012.

Und woher kam die Melodie? «Die ist eine abgewandelte Version des Polizeistund-Gassenhauers des Trio Eugster. Denen ist da ohne Zweifel ein Ohrwurm gelungen.» Das Örgeli war das passende Instrument, das die Melodie witzig und belebend untermalt. «Nein, unser Gasladärne-Chef kann keine Noten lesen und kaum ein anderes Stück spielen.»

Elvis Presley und Louis Armstrong hätten auch keine Noten lesen können, betont er. Gesungen wird seit dreissig Jahren immer dreistimmig. Davor waren es zwei Stimmen. Die Besetzung besteht aktuell aus vier Sängern und einem Helgenträger. Da ist viel Übung nötig, denn an der Fasnacht muss es sitzen. Das Fasnachtspublikum ist nicht immer ein gnädiges.

D Gasladärn an der Basler Fasnacht 2009

D Gasladärn an der Basler Fasnacht 2009

Der Traditions-Schnitzelbank des Comités feiert 2017 einen runden Geburtstag. Er schaut auf sage und schreibe 40 Jahre Schnitzelbanksingen zurück.

Auf der Suche nach dem Witz

Die Basis der Verse-Themen entsteht beim Zeitunglesen, durch die Teilnahme am lokalen Leben und durch das Weltgeschehen. Unter dem Jahr sammeln die Bänkler fleissig Artikel aus den Printmedien und machen sich erste Notizen.

«Wir sitzen dann ab Herbst zusammen, denken, brüten und dichten. Denn Ideen sind das Eine, aber diese in vier Zeilen umsetzen und auf die Melodie zu schmieden, das ist das Andere.» Und einig ist man sich nicht immer, auch nicht innerhalb des Banks: «Ob ein Vers auf den Zeedel und auf die Bühne kommt, ist ein gemeinsames Werk – bei ambivalenten Situationen ist der Stichentscheid Bankchefsache», sagt derselbe.

Die Gasladärne singen seit 1977 bewusst und ganz traditionell Vierzeiler, sie haben nie die Melodie gewechselt, keine der zeitweise populären Zweizeiler an die Verse angehängt. Es gibt keinen Animationstext, um das Publikum einzustimmen. Es gibt nur das klassische Repertoire des Schnitzelbank: hinstehen – singen – und «sali mitenand». In den vergangenen
40 Jahren haben insgesamt 16 Aktive mitgesungen und neun verschiedene Helgenmaler haben die Gasladärne begleitet. Ein Bank ohne gute Helgen ist eben auch nicht das Wahre.

Dankbarkeit und Stolz

Der Bankchef der Gasladärne meint: «Es ist schon ein besonderes Ereignis, so viele Jahre ununterbrochen auf diesem Niveau an der Fasnacht mitwirken zu dürfen. Es ist Aufgabe und Geschenk zugleich. Auch dem Schnitzelbank-Comité sind wir zu Dank verpflichtet.» Denn das Comité leiste für die Bänkler und die Fasnacht grosse Arbeit. Und doch gibt es da einen Kritikpunkt: «Das Kleinbasel wird auf der Route am Montag und Mittwoch leider nicht mehr besungen. Aber diese Lücke schliessen wir am Dienstag in den Cliquenkellern im Kleinbasel.»

In den vierzig Jahren habe sich auch das Publikum ein Stück weit verändert. Die fasnächtliche Konsummentalität führe nicht nur dazu, dass man am Cortège die Taschen mit allem fülle, was von den Wagen herunterzufliegen kommt. Und ja, das Bänkesingen sei auch anstrengend. Aber: «Der ganze Spagat zwischen Auftritten in den Cliquenkellern, in den Beizen und vor allem im grossartigen Stadttheater mit 1500 Sitzplätzen, ist einfach nur schön und bereichernd.»

Jeder Fasnachtstag ist anders

Es sei keiner der Fasnachtstage wie der andere: Der Montag mit dem frühen Ende um 23 Uhr, der Mittwoch, der dagegen fast kein Ende nehme für die Bänkler. «Und dazwischen der haimeligi Zyschtig, mit den Auftritten in den Cliquenkellern.» Und jetzt, nach vierzig Jahren als Mitglied der Gasladärne, denkt man da ans Aufhören? «Jetzt freue ich mich erst mal ganz fest zusammen mit den Freunden auf die Fasnacht 2017.»