Jubiläum

Seit hundert Jahren bietet die Volkshochschule Kurse zu allem – für alle

«Hundert Jahre neugierig»: Auch an der Jubiläumsfeier in der Kaserne wurde dem Wissensdurst gehuldigt.

«Hundert Jahre neugierig»: Auch an der Jubiläumsfeier in der Kaserne wurde dem Wissensdurst gehuldigt.

Die Volkshochschule bietet sie mehr als 600 Kurse zu den unterschiedlichsten Themen an. Bekannt ist sie in erster Linie für ihre Sprachkurse – 13 Sprachen werden unterrichtet.

Einmal aus Legosteinen das Basler Münster nachbauen: Das ist nicht etwa die Idee eines ambitionierten Familienvaters, sondern jene des Physikers Tibor Gyalog. Der Professor bietet an der Volkshochschule einen entsprechenden Kurs an. An drei Abenden lernen die Teilnehmer, wie sie das Bauwerk erfassen, vermessen und dann als Miniatur umsetzen können.

Das Angebot steht stellvertretend für die Innovation der Volkshochschule beider Basel. Seit hundert Jahren schon bietet die Institution Kurse für die breite Bevölkerung an. Nach dem Ersten Weltkrieg und den schweizweiten Generalstreiks gründeten einige Professoren der Universität Basel die Volkshochschule. Um die Bevölkerung mit Bildung zu einen, hat sich die Schule in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewandelt. Heute bietet sie mehr als 600 Kurse zu den unterschiedlichsten Themen an.

Vor allem Sprache – aber nicht nur

Bekannt ist die Volkshochschule Basel in erster Linie für ihre Sprachkurse – 13 Sprachen werden unterrichtet –, aber mittlerweile können Interessierte auch unzählige andere theoretische und handwerkliche Kurse besuchen: Wer wissen will, wie er sein eigenes Bier brauen kann, wird hier genauso fündig wie jemand, der die politische Situation in China verstehen möchte. Dokumente aus den Zwanzigerjahren zeigen, dass die Angebotspalette schon damals erstaunlich gross war: Nebst Rechts- und Geschichtsfragen wurden auch medizinische und hygienetechnische Themen besprochen.

 Es ist diese Fülle an Angeboten, welche die Volkshochschule auch heute noch auszeichnet. Und ihre Ausrichtung, die ja eigentlich gerade keine ist. Jede Person soll hier fündig werden: Egal ob Seniorin oder Schüler, egal ob studiert oder nicht. «Wer zu uns kommt, bringt Wissensdurst und Bildungshunger mit. Die Leute melden sich an, weil sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren», sagt Leiter Adrian Portmann. Seine Institution besteht heute aus drei Teilen: dem allgemeinen Kursangebot, der Seniorenuni und dem Förderprogramm für Grundkompetenzen.

Bildung als Integrationsfaktor

Auch heute verfolgt die Volkshochschule den sozialen Grundgedanken aus der Gründungszeit. Mit ihrem Förderprogramm wendet sie sich an jene Personen, die in Alltagssituationen Unterstützung brauchen. «Das kann sein, dass jemand einen Brief schreiben möchte und dafür Hilfe benötigt. Oder eine Grossmutter weiss nicht, wie sie mit ihrem Computer umgehen muss», so Portmann. Mit ihren Fragen können sich die Betroffenen ans Lernzentrum wenden – kostenlos, da das Angebot von den beiden Trägerkantonen subventioniert wird.
Gerade bei der Integration nimmt die Schule eine wichtige Funktion ein. «Bei gewissen Angeboten gibt es einen politischen Bedarf», formuliert es Portmann. Und meint damit die Deutschkurse für Fremdsprachige. Bereits auf einfachster Stufe bietet die Schule 13 verschiedene Kurse an, darunter auch der Kurs für Neuzuzüger, der vom Kanton subventioniert wird.

Der Schulleiter glaubt an den gesellschaftlichen Nutzen des Angebots: «Ich bin überzeugt, dass eine Gesellschaft von Mitgliedern profitiert, die Prozesse hinterfragen können.» Genau dieses vernetzte Denken werde mit dem Kursangebot gefördert. Seit der Jahrtausendwende bleibt die Zahl der Kursteilnehmer stabil bei rund 10 000 Personen jährlich. Damit das so bleibt, möchte Portmann die Institution konstant weiterentwickeln: «Wir müssen es schaffen, neue Formate zu entwickeln, die dem Zeitgeist entsprechen.»

Den Horizont erweitern

Bereits heute bietet die Volkshochschule weit mehr als bloss Frontalunterricht an. Mit Saisonabos können sich Personen ab 58 Jahren in der Seniorenuni weiterbilden. Mehr als eintausend Senioren und Seniorinnen besuchen in der Aula der Uni Basel regelmässig ihre Vorlesungen und kreuzen in den Gängen junge Studierende, die noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Jeder Anlass wird doppelt durchgeführt, so gross ist der Andrang jeweils. Und auch die Stadtgespräche im Ackermannshof erfreuen sich grosser Beliebtheit: «Die Welt verstehen», so der Titel der Veranstaltungen und wohl auch der Wunsch der Teilnehmenden. Auslandkorrespondenten sprechen an den Anlässen über die politische Lage in- und ausserhalb Europas. «Es geht darum, den Horizont zu erweitern», so Portmann.

Auch wenn die Volkshochschule heute vermehrt von gut ausgebildeten Personen besucht wird: Der humanitäre Geist soll wieder verstärkt ins Projekt einfliessen. Pünktlich zum Jubiläumsjahr hat Portmann mit anderen Stiftungsmitgliedern den Verein «Bildung für alle» gegründet. Dieser dient dazu, Spenden von privaten und öffentlichen Gönnern zu sammeln, damit auch jene Personen vom Bildungsangebot profitieren können, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen.

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