Tramchaos

Seit Jahrzehnten wird die Debatte um den Barfi geführt

Der Barfüsserplatz in den 1940er-Jahren mit den bis heute gleich verlaufenden Tramlinien.

Der Barfüsserplatz in den 1940er-Jahren mit den bis heute gleich verlaufenden Tramlinien.

Der Barfüsserplatz soll umgestaltet werden, das BVB-Kundenzentrum verschwinden, der Kiosk auch und die Tramhaltestellen an den Steinenberg verlegt werden. Das sind die Anregungen, die SVP-Grossrat Joël Thüring am Freitag in der bz präsentierte.

Damit reiht sich Thüring ein in die lange Reihe jener, die versucht haben, die Innerstadt und insbesondere den Barfüsserplatz von der «grünen Wand» zu befreien. Dieser Ausdruck beschreibt im Basler Politiker-Slang die dicht hintereinander verkehrenden Trams, die ein Überqueren der Strasse oft verunmöglichen. Auf dem Barfi ist diese Wand nicht nur grün, sondern auch gelb; denn diesen innerstädtischen Verkehrsknoten durchqueren insgesamt acht Linien von BVB und BLT.

Das letzte Mal wurde die Verkehrssituation auf dem Platz 2007 von der Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rates kritisiert, die sogar einen Vorstoss einreichte, den 10 ihrer 11 Mitglieder unterschrieben hatten.

Roland Lindner (SVP) war damals in der Kommission: «Wir wollten, dass die Regierung sich Gedanken um eine Neuordnung auf dem Platz macht, bevor sie ein neues Stadtcasino baut», erinnert sich der Architekt. «Das Thema ist nach wie vor aktuell», meint er zu den neusten Vorstössen seines Fraktionskollegen Thüring.

Der Vorstoss von 2008 verschwand in der Versenkung, nachdem das Basler Stimmvolk Nein gesagt hatte zum Neubau des Casinos der Architektin Zaha Hadid. Nun steht erneut ein Neubau an, zumindest ein Erweiterungsbau der damals noch unterlegenen Basler Architekten Herzog & de Meuron.

Tradition hätte es, dass der Barfi umgestaltet wird. Das letzte Mal wurde der Platz 1979 komplett umgestaltet. Damals verschwand die Stützmauer vor der Barfüsserkirche und wurde durch die heute existierende Freitreppe ersetzt.


Ein Platz im dauernden Wandel

Das war aber längst nicht die einzige Umgestaltung des Barfi, an dessen Ort seit rund 1000 Jahren Menschen wohnen. 1250 wurde an der Stelle der heutigen Kirche ein erstes Kloster gebaut, davor lag ein Friedhof bis zum noch offenen Birsig, der im 15. Jahrhundert überdeckt wurde. Das erste Stadtcasino entstand in den 1820er-Jahren nach einem Entwurf des damals noch jungen Melchior Berri.

Dieser Bau ragte gut zehn Meter weiter in den Platz hinein als der heutige Bau von Kehlstadt/Brodtbeck von 1941. Aber eine grosse Konstante gibt es in all diesen Jahren: die Verkehrswege, die nun erneut diskutiert werden. Seit Anbeginn der Aufzeichnungen führen diese über die Linie Steinenberg-Kohlenberg, wo einst die Stadtmauer stand. Und kreuzten sich auf der Talsohle mit dem Birsig und den ihm entlangführenden Wegen.

1895, als die erste Tramlinie Basels gebaut wurde, führte sie vom alten Badischen Bahnhof zum Bahnhof SBB. Und natürlich folgte sie der Linie über den Barfüsserplatz und den Steinenberg. Die topografischen Gegebenheiten und die Streckenlage zwischen unzähligen Baudenkmälern macht die Verlegung der Tramgleise, die einigen Politikern vorschwebt, sehr schwierig.

Eigentlich gibt es nur eine mögliche Ausweichrichtung: nach unten. Und dort soll ja dereinst die S-Bahn ihr Herzstück befahren.

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