Das Städte-Ranking der «Bilanz» ist kaputt. Das ist die erste und offensichtliche Reaktion, wenn man sich die neuste Ausgabe der Wirtschaftszeitung ansieht: Da steht wie immer Zürich an der Spitze der lebenswertesten Städte der Schweiz, gefolgt von Zug. Nach rund 200 Jahren Minderwertigkeitsgefühlen hat der Basler gelernt, damit zu leben.

Doch der Schocker kommt weiter unten: Aarau ist neu auf Platz sechs und hat damit Basel auf Platz sieben verdrängt. Wie konnte das passieren?! Wozu haben wir ein eigentlich ein Standortmarketing?!

Elf Kriterien geben bei der mit Wüest und Partner erarbeiteten Studie den Ausschlag, wie sich die 162 Städte der Schweiz (also Orte mit über 10 000 Einwohnern) auf der Liste platzieren. Und die Aarauer haben mächtig aufgeholt, seit sie vor einem Jahr noch auf Platz 11 anzutreffen waren. Deutlich vor Basel liegt die einstige Kurzzeithauptstadt der Schweiz bei den Steuern, den Erholungsmöglichkeiten und der «Einkaufsinfrastruktur».

Das kann man nun sehen, wie man will, aber offenbar reicht der Bau einer Buvette nach der anderen noch nicht aus, um Basel in ein Wellnessparadies zu verwandeln. Da ist Luft nach oben.

Was an den Einkaufsmöglichkeiten in unserer Region schlecht sein soll, ist nicht ganz klar, schliesslich fährt die halbe Schweiz Samstag für Samstag durch unsere schöne Stadt, um in Deutschland ihr Geld auszugeben.

Bleiben also die Steuern. Die hat die rot-grüne Regierung in den letzten Jahren immer wieder gesenkt, aber das reicht offensichtlich auch noch nicht aus, um wirklich mitzuhalten. Vor allen Dingen nicht, weil die Krankenkassen so hoch sind, dass immer noch eine Verschlechterung in der Bewertungskategorie Punkt «Steuern/Kaufkraft/Krankenkassenprämien resultiert.

Die Basler Schuldigen

Auf eine schlüssige Erklärung dafür, dass Aarau Basel überholt hat, stösst man erst im Text zur Studie. Da steht doch tatsächlich, Aarau profiliere sich, insbesondere was die Architektur angeht: «Den Anfang machten Herzog & de Meuron mit dem Aargauer Kunsthaus, es folgten Miller und Maranta mit der Markthalle und zuletzt Diener & Diener mit der Erweiterung des Stadtmuseums.»

Da lichtet sich doch der Nebel: Drei Basler Architekturbüros haben also Aarau dermassen aufgehübscht, dass es vor Basel gelandet ist.

Nun bleibt abzuwarten, ob Christ/Gantenbein mit ihrem Kunstmuseums-Erweiterungsbau ausreichen, um das bis zur nächsten Ausgabe zu drehen. Sonst weiss die Regierung jetzt, was sie zu tun hat: das Rosentalareal, das Lysbüchel und den Hafen mit möglichst viel Stararchitektur zu bestücken. Das dürfte der einzige Ausweg aus der Misere sein.

Denn sieht man sich an, wie Tiefsteuergemeinden aus der Region abschneiden, ist der finanzielle Aspekt wohl nicht ausschlaggebend: Riehen ist auf Rang 129 anzutreffen, die Baselbieter Steuerparadiese Binningen (94) und Arlesheim (75) stehen auch nicht eben gut da. Doch der herbste Schlag für das Baselbieter Ehrgefühl ist wiederum im Text der «Bilanz» zu finden: Zug, das Rang zwei belegt, wird besonders gelobt für seine beiden Besonderheiten: Alte Häuser und – jetzt kommts knüppeldick: «Chriesi».