Für ein Primarschulkind ist der Weg von der Erlenmatt ins Vogelsangschulhaus weit und gefährlich: Es geht der Schwarzwaldallee entlang, überquert die Schönaustrasse, dann die Maulbeerstrasse. Anschliessend folgt täglich eine Prüfung, die finster enden könnte: die Kreuzung Rosentalstrasse/Schwarzwaldallee. Von den Tram- und Buslinien 1, 2, 6, 17 und 30; von Velos und Autos befahren, hat es weder Fussgängerstreifen noch Ampel. «Das ist nicht zumutbar», sagt Veronika Selig, Mutter einer Fünftklässlerin.

Selig ist Mitglied des Elternrates und engagiert sich seit ihre Tochter im Vogelsangschulhaus eingeschult wurde dafür, dass der Schulweg aus dem Neubaugebiet Erlenmatt sicherer wird. 2011 gab es eine Begehung mit Vertretern der Polizei und des Bau- und Verkehrsdepartementes. Ein im Anschluss verfasster Bericht kommt zum Schluss, dass die Kreuzung Rosentalstrasse/Schwarzwaldalle für Kinder gefährlich ist. Im Bericht steht, es seien «Vorschläge für Sofortmassnahmen in Abklärung».

Auch wird eine unmittelbare Lösung aufgezeigt: Die Kinder sollen entlang der Mattenstrasse zur Schule gehen - was ihren bereits langen Schulweg noch verlängern würde. Die Eltern hatten eine andere Idee: «Wir wollten Kadetten morgens und am Mittag, haben aber die Antwort erhalten, das sei zu gefährlich», sagt Selig.

Die Nebenwirkung des Nein

Seither werden die Eltern hingehalten: «Wir werden auf Massnahmen vertröstet, die zu lange dauern.» Vertröstet auf das Erlenmattschulhaus in unmittelbarer Nähe, das 2017 fertig sein soll. Vertröstet auf die Neugestaltung der Verkehrsdrehscheibe Badischer Bahnhof - die als Nebenwirkung des Neins zum Erlenmatttram letzten Sonntag so nicht kommen wird. «Wir wissen nicht, ob es einen Plan B gibt», sagt Selig. Das bestätigt das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD): «Wie es dort weiter geht, ist noch offen», sagt André Frauchiger, Mediensprecher des BVD.

Weil die gefährliche Situation seit Jahren bekannt ist und noch immer nichts geschehen ist, verschaffen sich die Eltern nun mit einer Petition direkt Gehör beim Regierungsrat. Gestern haben sie die Petition für einen sicheren Schulweg über die Rosentalstrasse eingereicht. 300 Personen haben unterschrieben. Sie fordern sofortige Massnahmen, damit sich die Sicherheit für die Kinder verbessert. Es sei klar, dass es nicht möglich sei, die Situation mit üblichen Massnahmen wie einer Fussgängerampel zu entschärfen, sagt Selig. «Sonst würde das Tram je nachdem mitten auf der Kreuzung stehen und den Verkehr blockieren.»

Dennoch gebe es Möglichkeiten, die Kinder besser zu schützen, sind die Petitionäre überzeugt. Zum Beispiel mit geschulten Personen, die den Verkehr regeln. Oder mit einfachen Hindernisse zwischen Trottoir und Tramfahrbahn. «Wir haben beim Unterschriftensammeln gemerkt, dass es schon vor uns Eltern gab, die sich eingesetzt haben», sagt Selig.

Komplexe Sachlage verzögert

Die Schulwegsicherheit ist bei der Erziehungsdirektion ein Thema oben auf der Liste. Das hat die Debatte um den Schulweg über den Riehenring ins Provisorium des Bläsi-Schulhauses vor einem Jahr gezeigt. Warum beim Vogelsangschulhaus bisher nicht gehandelt wurde, erklärt Pierre Felder, Leiter der Volksschulen Basel-Stadt unter anderem mit der komplexen Situation: «Es sind viele Partner involviert und es braucht ein Bewilligungsverfahren, das bis nach Bern geht.» Beim Riehenring habe der Kanton selber handeln können.

Er räumt ein, dass sich alle beteiligten Basler Behörden nach einer - erneuten - Begehung diesen Februar einig seien bei der Einschätzung der Lage: Die Situation ist gefährlich und es braucht Massnahmen. Und Felder verspricht: «Wir bemühen uns, das voranzutreiben.»