Extremismus

Selbstdarsteller in der Moschee: So laufen die Forderungen der Basler CVP ins Leere

Der Basler Imam Ardian Elezi hetzt gegen Schwule – und relativiert danach seine Aussagen. Die Basler CVP ist brüskiert. Doch ihre Forderungen laufen ins Leere.

Das Porträt über den Imam Ardian Elezi im «Tages-Anzeiger» hat Mitte Januar eine Lawine von Medienberichten losgetreten. Die CVP Basel-Stadt hatte sofort reagiert und fordert nun flächendeckende Massnahmen gegen islamistische Radikalisierung. Darunter würden vor allem jene Muslime leiden, die sich von Elezi nicht vertreten fühlen.

Der 27-jährige eingebürgerte Schweizer befindet sich jetzt im Fokus der Öffentlichkeit. Unter Beobachtung der Behörden stand seine Moschee Peace & Blessing schon vor der Publikation des Artikels, wie Stadtentwickler Lukas Ott gegenüber dem «Regionaljournal» von SRF sagte .

Die Aussagen von Elezi, der sich selbst als Integrationsfigur sieht, schockieren. So bezeichnete er in einer albanischsprachigen Videopredigt im Oktober Homosexualität als «Krebsgeschwür gegen die Moral», äusserte sich in einem Chatkanal antisemitisch und warnte seine Anhänger vor der teuflischen Versuchung, die Rheinschwimmerinnen darstellten. Im Sommer sollen gläubige Muslime, so Elezi, zu Hause bleiben.

Ego-Marketing mit SRF-Interview

Tatsächlich existiert im unteren Kleinbasel eine salafistische Szene. Elezi ist nur einer ihrer Exponenten. Elezi, dessen albanischsprachige Facebook-Seite 40'000 Follower vor allem aus Albanien, dem Kosovo und Mazedonien hat, versteht es, die ihm jetzt zugedachte Öffentlichkeit zu maximieren. Der Youtube-Kanal «Einladung zum Paradies» verbreitete das Interview mit dem «Regionaljournal» zum Selbstmarketing mit einem Zitat von Elezi weiter.

Hinter «Einladung zum Paradies» steht unter anderem der deutsche islamistische Prediger Pierre Vogel. Elezi fühlte sich von Pelda ungerecht behandelt – und gab bereits am Tag nach der Publikation des Porträts ein Interview. Darin sagte er, er wolle beim «Tages-Anzeiger» eine Gegendarstellung erwirken. Bis heute ist diese nicht erschienen.

Zweifel daran, ob Elezi tatsächlich ungerecht behandelt worden ist, erscheinen berechtigt, denn Kurt Peldas Porträt beginnt mit dem exakt gleichen Zitat von Ardian Elezi, mit dem jener das Interview am Folgetag beschliesst: «Ein frommer Mensch wird ein besserer Mensch. Und ein besserer Mensch wird ein besserer Staatsbürger.»

Elezi inszeniert sich als Missverstandener. Die antisemitische Aussage? Ein Koranzitat. Seine Homophobie? Beziehe sich auf die Tat, nicht auf die Menschen. Widerhall erlangt Elezi damit – zumindest in der Schweizer Öffentlichkeit – nur negativen.

Die Fraktionspräsidentin der CVP im Grossen Rat, Andrea Knellwolf, zeigte sich gegenüber der «Schweiz am Wochenende» geradezu aufgeschreckt, als sie sagte, unsere Gesellschaft werde sich damit abfinden müssen, persönliche Freiheiten für ihre Sicherheit aufzugeben. Die Forderungen der Basler CVP richten sich allerdings nur gegen die persönlichen Freiheiten der Basler Muslime – und nicht gegen jene der Gesamtbevölkerung: Untersuchungen über extremistische Tendenzen in allen 16 Basler Moscheen beträfen sämtliche Muslime.

Andere Forderungen der CVP, etwa die Einreisebeschränkungen für Hassprediger, sind bereits auf Bundesebene realisiert. Die Schweizer Behörden haben die Handhabe, um Ausländer, welche die öffentliche Sicherheit in der Schweiz oder im Ausland gefährden, an der Grenze abzuweisen. So geschehen beim islamistischen Prediger Pierre Vogel.

Elezi vertritt extreme, diskriminierende Positionen. Ähnlich den ebenfalls zum Jahresbeginn bekannt gewordenen Auszügen aus Predigten in der evangelisch-reformierten Gellertkirche. Extremistische Tendenzen gibt es in allen Religionen, sogar in den Landeskirchen. Genauso wie die Predigten in der Gellertkirche sind auch Elezis Aussagen nicht strafrechtlich relevant. Da sich seine Kleinbasler Moschee Peace & Blessing aber schon vor dem Artikel im «Tages-Anzeiger» auf dem behördlichen Radar befand, läuft der Alarm der CVP Basel-Stadt ins Leere.

Meistgesehen

Artboard 1