Basel im Gespräch

Selbstdarsteller lähmten das Chefredaktoren-Podium

Christian Degen, David Sieber und Markus Somm (v.l.) im Gespräch.

Christian Degen, David Sieber und Markus Somm (v.l.) im Gespräch.

Christian Degen, David Sieber und Markus Somm hätten gestern in der Elisabethenkirche über Wahrheit und Lüge im Journalismus diskutiert – wenn sie nicht immer unterbrochen worden wären.

Die Chefredaktoren von «Basler Zeitung», «Tageswoche» und bz Basel versammelt in einem Raum, dazu ein freies Mikrofon, sogar ein freier Stuhl in der Gesprächsrunde, auf den sich jeder setzen durfte: Das war gestern Abend etwas zu viel Offenheit beim Podium in der Elisabethen-Kirche.

So waren es mehrheitlich Selbstdarsteller, Verschwörungstheoretiker und angebliche Medienopfer, die die Diskussion immer wieder in die von ihnen gewünschten Bahnen zerrten, hörbar zum Unmut des mit rund 200 Personen für die Elisabethen-Talks zahlreich erschienen Publikums. Es hätte einen Spitzenmoderator in Bestform gebraucht, damit Markus Somm, Christian Degen und David Sieber eine geordnete Diskussion über die Medienzukunft in Basel und das Überthema Wahrheit und Lüge im Journalismus hätten führen können.

Fakten aus Youtube-Studien

So aber wurden grosse Teile der Redezeit von teilweise politisch motivierten Äusserungen zur Händeschüttel-Berichterstattung sowie Zuschauern mit Eigeninteressen in Anspruch genommen, etwa einem angeblichen Medienopfer, das die Gunst der Stunde nutzen wollte, um den Chefredaktoren seine Lebensgeschichte zu erzählen. Oder von einem jungen Mann, der auf Youtube von einer Studie gehört haben will, die besagt, dass die «NZZ» hauptsächlich Pro-Nato berichte und damit unwahr berichte.

«Jetzt will ich Sie aber mal etwas fragen, woher wollen Sie wissen, ob nicht die Studie gefälscht und der Youtube-Kanal von Putin-Sympathisanten betrieben wird», übernahm bz-Chefredaktor David Sieber bei einer erneuten Wortmeldung des Herrn den Posten des Diskussionsleiters und zeigte damit ein tatsächliches Problem auf, das der Journalismus hat: Dass eben gerade nicht immer alles geschrieben werden kann, das den Redaktionen zugetragen wird, sondern dass es in jedem Fall eine Verifizierung der Fakten brauche.

Objektivität als Ziel

Womit die Diskussion beim Thema Objektivität angelangt war – und für einmal alle drei Podiumsteilnehmer zur Sprache kamen. Animiert von einer Wortmeldung aus dem Publikum, wonach sich nur eine Meinung bilden könne, wer mindestens vier Tageszeitungen gelesen hat, sagte Tageswoche-Chefredaktor Christian Degen: «Objektivität hat auch immer etwas mit Haltung zu tun, und Haltung ist per se subjektiv.»

Auch Sieber gestand zu, dass objektiv zu sein «immer höchstens ein Versuch ist», weil Objektivität nie ganz zu erreichen sei. «BaZ»-Chefredaktor Somm schliesslich sagte, dass er vor allem etwas gegen «Pseudo-Objektivität» habe und dass es ihm wichtig sei, dass, wer eine Meinung habe, auch zu dieser stehe und sie vor allem gut mit Fakten begründe.

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