Mit Fussfesseln ins Gerichtsgebäude, ohne Fussfesseln wieder raus: Der 27-jährige Verurteilte durfte am Dienstagnachmittag nach über zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft wieder einmal frische Luft schnuppern. Inhaltlich freute er sich allerdings weniger über das Urteil, es blieb bei den Schuldsprüchen wegen mehrerer Raubüberfälle.

So bestätigte gestern das Basler Appellationsgericht die Verurteilung wegen eines Überfalls auf die Tankstelle an der Brüglingerstrasse im Juli 2013, ebenso wie für zwei misslungene Raubversuche auf die Coop-Filiale in der Breite im August 2013. Die Vorinstanz hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verhängt, das Appellationsgericht reduzierte das Strafmass auf vier Jahre. Damit hat der Mann inzwischen beinahe zwei Drittel der Strafe in Untersuchungshaft abgesessen, das Gericht hob diese daher auf. Der Mann hatte die Überfälle stets bestritten, er kann gegen das Urteil noch Beschwerde beim Bundesgericht einlegen.

Brutal oder gar skrupellos?

Beim Tankstellenraub ging der 27-Jährige laut Gericht äusserst brutal vor, die erste Instanz ging deshalb von einem sogenannten qualifizierten Raub mit einer Mindeststrafe von zwei Jahren aus.

Gerichtspräsident Christian Hoenen meinte dazu am Dienstag, das Gericht könne hier keine vom Gesetz verlangte besonders skrupellose Vorgehensweise erkennen. Deshalb wurde das Strafmass leicht reduziert. Beim Mitführen einer geladenen Waffe beträgt das Mindeststrafmass ein Jahr: Der Mann hatte bei sämtlichen Überfällen mit einer Pistole gedroht, doch konnte man ihm nicht nachweisen, dass sie geladen war. Hoenen betonte, die Verurteilung sei aufgrund einer ganzen Fülle von Indizien erfolgt. So sei beispielsweise auf dem Überwachungsvideo der Tankstelle ein Pullover des Täters zu erkennen, beim 27-jährigen Verurteilten fand man ein solches Kleidungsstück.

Informationen von innen

Die beiden Raubversuche auf die Coop-Filiale in der Breite waren ein typischer Insider-Job: Ein Angestellter lieferte Informationen zu Tresorschlüsseln und Geldmengen, die Ex-Freundin des 27-Jährigen steuerte Ideen zum Vollsprayen von Überwachungskameras bei. Beide erhielten wegen Gehilfenschaft bedingte Freiheitsstrafen, ein weiterer Mittäter eine teilbedingte Strafe von 27 Monaten. Diese Urteile sind rechtskräftig. Es blieb hier allerdings bei Raubversuchen: Zweimal drangen die Täter über den Personaleingang in die Filiale ein, zweimal fehlte der Mitarbeiter mit den Tresorschlüsseln, zweimal zogen sie ohne Bargeld wieder ab. Beim zweiten Mal verwendeten sie Handschuhe und Masken, diese fand man später teilweise im Abfallkübel des 27-Jährigen. Auch eine Tatortskizze tauchte auf: Der Verurteilte beteuerte stets, er habe damit nichts zu tun gehabt. Laut Gericht hingegen zwang der Mann den Filialleiter, seine Mitarbeiter zu fesseln.

Beim 27-Jährigen kamen Verurteilungen wegen Verkehrsdelikten, Hehlerei und Kreditbetruges dazu. Insgesamt muss er rund 50'000 Franken an Gerichtsgebühren und Schadenersatzforderungen begleichen. Die vier Täter planten die Überfälle, weil sie in Geldnöten steckten. Insbesondere der damalige Angestellte der Coop-Filiale zeigte sich besonders kooperativ, nachdem er aufgeflogen war, und belastete die anderen Mittäter stark.