Gerichtsfall
Serienvergewaltiger soll nie mehr auf freien Fuss kommen

Im Prozess gegen einen verwahrten Sexualstraftäter am Basler Strafgericht hat die Staatsanwältin neben einer sechsjährigen Freiheitsstrafe die lebenslängliche Verwahrung gefordert. Die Anklage geht von einer dauerhaften Untherapierbarkeit aus.

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Dem Serienvergewaltiger wird in Basel der Prozess gemacht.

Dem Serienvergewaltiger wird in Basel der Prozess gemacht.

Keystone

Der Fall hat aufgrund seiner Umstände landesweit für ein enormes Medienecho gesorgt. Die Staatsanwältin betitelte ihr dreistündiges Plädoyer frei nach Gabriel García Marquez mit «Chronik angekündigter Verbrechen». «Diese Verbrechen hätten nicht passieren müssen, nicht passieren dürfen», sagte sie. Man habe die auf Dunkelrot stehenden Warnlampen ignoriert und es dem Beschuldigten ermöglicht, neue Sexualdelikte zu begehen.

Das Verwaltungsgericht Luzern hatte angeordnet, dass dem seit 1999 verwahrten Mann Vollzugslockerungen zu gewähren seien. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 56-Jährigen vor, drei Frauen mit einem starken Schlafmittel betäubt und sexuell missbraucht zu haben. Der Beschuldigte bestreitet dies.

Delikte stehen nicht im Zentrum

Die Anklage verlangte in ihrem Plädoyer eine sechsjährige Freiheitsstrafe wegen sexueller Nötigung, eventualiter auch wegen Vergewaltigung sowie wegen einfacher Körperverletzung. Im Zentrum stehe aber nicht die angemessene Strafe für die neuen Delikte, sondern die Frage, wie man die Gesellschaft auf Dauer vor dem Angeschuldigten schütze.

Verwahrung als einzige Lösung

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gibt es nur noch eine Lösung: die lebenslängliche Verwahrung. Nach Überzeugung der Staatsanwältin sind dafür aufgrund von zwei psychiatrischen Gutachten sämtliche Voraussetzungen erfüllt, weshalb das Gericht diese Sanktion aussprechen müsse.

Nicht therapierbar

Die beiden Gutachter gehen von einer sehr hohen Rückfallgefahr und einer aktuellen Untherapierbarkeit aus. Es bestehe Einigkeit darüber, dass jegliche weitere Therapieversuche aussichtslos wären und nicht zu einer Verbesserung der Prognose führen könnten, formulierte es die Staatsanwältin.

Bei der pessimistischen Einschätzung durch die Gutachten spielt insbesondere die Länge der Vorgeschichte in Verbindung mit erfolglosen Therapieversuchen eine wesentliche Rolle. Der Angeklagte hatte offenbar in den letzten mehr als zehn Jahren nie Zeichen einer Besserung gezeigt.

Keine Zeitangaben

Bezüglich Dauer der Untherapierbarkeit legten sich die Gutachter erwartungsgemäss nicht in Jahren fest. Weil der Beschuldigte sich einer persönlichen Befragung verweigert hatte, mussten die beiden Experten ihre Gutachten aufgrund der Akten verfassen. Dies sei aber wegen der umfangreichen Unterlagen kein Problem gewesen, hielten die beiden Gutachter vor Gericht fest.

Die Verteidigung beantragte in ihrem Plädoyer einen Freispruch und machte ausserdem geltend, die Voraussetzungen für eine lebenslängliche Verwahrung seien nicht erfüllt. Das Urteil wird am Freitagnachmittag verkündet.

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