Das Bordell an der Hegenheimerstrasse 111 in Basel ist von aussen kaum als solches erkennbar. Trotz der roten Fensterläden und Fassade könnte es ein ganz normales Einfamilienhaus sein. Auf der Homepage preist die Bordellbetreiberin die diskrete Lage im Wohnquartier als Trumpf an.

Zudem weist sie auf den von einer Hecke geschützten Eingang hin: «Niemand sieht Dich! Die Türe wird sehr rasch geöffnet und Du wirst keinem anderen Mann begegnen.» Trotz der Quartierumgebung sind die Öffnungszeiten ausgedehnt: Das Bordell ist sonntags bis donnerstags bis ein Uhr nachts geöffnet, freitags und samstags sogar bis drei Uhr.

Sexgeräusche durch die Wand

Anwohner meldeten sich schon vor Jahren mit Lärmreklamationen bei der Polizei. Eine Nachbarin monierte, dass die Sexgeräusche im angrenzenden Kinderzimmer hörbar seien. Doch bis vor kurzem hatten Anwohner wenig Chancen, gegen Sexsalons in Wohnhäusern vorzugehen. Das zeigte sich beim Konflikt an der Amerbachstrasse im Kleinbasel.

Anwohner klagten 2010, dass zunehmend Sexsalons in Wohnhäusern eingerichtet werden würden. Die Regierung reagierte 2011 mit einer pauschalen Antwort: Gewerbe in einem Wohnhaus sei erlaubt, wenn die Gewerbetreibenden auch darin wohnen. Dies gelte auch für das Sexgewerbe.

Die Mieterin der Hegenheimerstrasse 111 gab dem Bauinspektorat bei ersten Kontrollen an, dass sie das Haus mit einer Cousine und einer weiteren Frau bewohne. Bauinspektorin Luzia Wigger erklärt das Problem: «Es ist für die Behörde schwierig zu beweisen, dass es sich bei einem Einfamilienhaus, das von drei Frauen auch bewohnt wird, um einen Rotlicht-Betrieb handelt.»

Schild verrät das Puff

Ein Bundesgerichtsurteil von 2012 aus dem Kanton Zürich habe nun bei der Einordnung geholfen, sagt Wigger. Das Bundesgericht präzisierte, dass es sich bei einem Wohnhaus um einen Sexbetrieb handelt, wenn mehr als eine Prostituierte darin arbeitet. Die Einrichtung eines derartigen Sexbetriebs in einem Wohnhaus stellt gemäss Bundesgericht eine bewilligungspflichtige Umnutzung dar. Die Bewilligung kann auch nachträglich eingefordert werden.

Diese neue Möglichkeit nutzte das Bauinspektorat an der Hegenheimerstrasse 111. Vor dem diskreten Haus macht nun ein indiskretes Schild darauf aufmerksam, dass das Einfamilienhaus in einen Sexbetrieb umgenutzt wurde. Anwohner können beim Bauinspektorat Einsprache erheben.

Normalerweise haben Nachbarn wenig Chancen, ein Baugesuch zu bekämpfen, das geltendem Recht entspricht. Gegen Sexbetriebe können neu jedoch auch ganz einfache Argumente eingebracht werden. Das Bundesgericht bestätigte, dass selbst «ideelle Immissionen» eines Sexbetriebs in Wohnquartieren als störend eingestuft werden können.

Damit ist gemeint, dass die blosse Anwesenheit eines Puffs das Quartierleben beeinträchtigen kann. Die Bewohner der Hegenheimerstrasse haben somit gute Chancen, eine Schliessung zu erwirken.

Schwierigerwird es, wenn der Bordellbetreiber wie im Fall einer FKK-Sauna an der Amerbachstrasse nicht kooperiert. Dann zieht sich das Verfahren in die Länge. Der Bordellbesitzer der Hegenheimerstrasse hat allerdings einen speziellen Vertreter: Eingereicht wurde die Baupublikation von einem Berufsbeistand des Basler Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Der Beistand erklärt: «Wir übernehmen bei Mandatsantritt jeweils eine gewisse ‹Lebenssituation› und müssen dann von dieser Situation aus die Interessen des Klienten wahrnehmen. Der vorliegende Fall ist sicher einzigartig und wird wahrscheinlich so auch nie mehr vorkommen.»