Die Universität Basel geht über die Bücher. Sie will ihr «Reglement über den Schutz vor sexueller Belästigung» überabreiten. Das bestätigt Uni-Sprecher Matthias Geering gegenüber der bz. Wie der «Tages-Anzeiger» und das «SRF-Regionaljournal» berichteten, wirft eine Doktorandin ihrem ehemaligen Doktorvater vor, sie sexuell belästigt zu haben. Die beiden hätten über längere Zeit hinweg ein Verhältnis gehabt, so der Professor. Die genauen Hintergründe sind allerdings diffus.

Dem «Tages-Anzeiger» berichtete die Doktorandin, der Professor habe ihr «immer wieder Avancen gemacht» und sie habe «einige Male» mit ihm geschlafen. Sie habe den Professor bewundert. Allerdings seien die Annäherungsversuche immer von ihm ausgegangen.

Der Professor trat infolge der Vorwürfe von seinen Leitungsfunktionen zurück, blieb aber weiter an der Universität tätig. Gegenüber dem «Regionaljournal» bestätigte er bereits im Dezember, er habe Fehler gemacht. Die Doktorandin, die ihre Dissertation noch nicht abgeschlossen hat, wird nun von einer anderen Person betreut.

«Betroffene alleine gelassen»

Damit ist die Sache allerdings nicht erledigt. Denn die Doktorandin erfuhr letzten Herbst zwar, dass die Uni Basel das Verfahren gegen den Professor abgeschlossen hatte, das genaue Ergebnis ihrer Beschwerde wurde ihr indes nicht mitgeteilt. Sie wandte sich erneut an die Uni - und erhielt wiederum keine präzisen Antworten.

Die Universität schaltete zeitgleich den eigenen Rechtsdienst ein und engagierte eine externe Untersuchungsperson, um den Verlauf des Verfahrens zu überprüfen. Die Beteiligten entschieden sich dazu, eine Kommission anzusetzen. Am Donnerstag tagte sie zum ersten Mal. Und kam zum Schluss, dass die Uni über die Bücher muss.

Wie Uni-Sprecher Geering bestätigt, müsse das Reglement überarbeitet werden, «weil das Verfahren verschiedene Mängel aufgezeigt hat». So sei für die betroffene Studentin lange nicht klar gewesen, an wen sie sich im Verfahren wenden müsse. «Wir haben gemerkt, dass wir die betroffene Person etwas alleine gelassen haben», so Geering.

Änderungen ab Herbstsemester

Künftig wolle die Uni klar kommunizieren, wer in solchen Fällen die Ansprechperson sei. Zweiter Problempunkt sei die Verfahrensdauer. Im aktuellen Fall dauerte das Verfahren sechs Monate. «Das ist zu lange», räumt Geering ein. «Wir wollen Verfahren künftig schneller abwickeln.»

Die Uni-Leitung ziehe im Zuge der aktuellen Debatte auch weitere Änderungen in Betracht, so zum Beispiel, dass das ganze Reglement über den Schutz vor sexueller Belästigung um die Themen Mobbing und Rassismus erweitert wird. Bis spätestens zu Beginn dieses Herbstsemesters sollen die Änderungen verabschiedet werden.

Die Doktorandin ist über das Vorgehen der Univerantwortlichen erleichtert. Sie wurde im Anschluss an die gestrige Sitzung zu einem Gespräch mit der Universitätsleitung eingeladen. Über den Entscheid der Kommission, ihr Reglement anzupassen, sei sie «sehr froh». Der Kommissionsentscheid sei «ein grosser Schritt zu mehr Transparenz».

Noch hat die Studentin nicht erfahren, welche Massnahmen in ihrem Fall vom Rektorat konkret getroffen wurden. Doch wie aus der E-Mail der Studentin hervorgeht, steht am kommenden Montag ein Gespräch mit der Rektorin Andrea Schenker-Wicki an.

Matthias Geering bestätigt das angesetzte Treffen gegenüber der bz. Die Rektorin bedauere den Verlauf des Verfahrens. Sie wolle dies nun im persönlichen Gespräch mit der Doktorandin zum Ausdruck bringen.