Sexunterricht
Sexunterricht verunsichert Basler Eltern: Antworten auf die drängendsten Fragen

Von Sexualkunde kann man sich nicht dispensieren lassen – das Fach gibt es überhaupt nicht. Das Bundesgericht entschied, eine Dispensation sei nicht möglich, da keine Dringlichkeit bestehe.

Andreas Maurer
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Der Inhalt der umstrittenen Basler Sex-Box: Holzpenisse und Geschlechtsteile aus Stoff. Diese kommen jedoch nur an der Oberstufe zum Einsatz. Untere Stufen erhalten ein anderes Set.

Der Inhalt der umstrittenen Basler Sex-Box: Holzpenisse und Geschlechtsteile aus Stoff. Diese kommen jedoch nur an der Oberstufe zum Einsatz. Untere Stufen erhalten ein anderes Set.

Georgios Kefalas

Drei Elternpaare des Basler Komitees «Stopp der Sexualisierung von Kindergarten und Primarschule» kämpfen dafür, dass ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht dispensiert werden. Eine erste Niederlage beschert ihnen das Bundesgericht am 29. Februar. Eine vorsorgliche Dispensation sei nicht möglich, da keine Dringlichkeit bestehe. Gemäss Komitee wird die Basler Regierung in den nächsten Wochen über ähnliche Dispensationsgesuche der drei Eltern entscheiden.

Das Elternkomitee hat eine Hotline lanciert, «bei der alle Personen Feststellungen von Sexualkundeunterricht im Kindergarten oder in der Primarschule melden können». Ein Blick auf die Forderungen zeigt, dass diese Mütter und Väter schlecht informiert sind. Die Forderungen sind überflüssig. Sie sind schon erfüllt. Verlangt wird, dass es im Kindergarten keinen «aktiven» Sexunterricht gibt. Dieser existiert nicht. Darauf wurde mehrfach hingewiesen. Trotzdem hält sich die Verunsicherung hartnäckig. Die bz beantwortet die sechs drängendsten Fragen:

1. Hilfe, mein Kind kommt in den Kindergarten oder in die Primarschule. Was kann ich tun, damit es nicht in den Sexualkundeunterricht muss?

Gar nichts. Denn Sexualkundeunterricht gibt es nicht als eigenes Fach. Es findet weder systematischer Sexualkundeunterricht noch Aufklärung statt. Deshalb gibt es nichts, von dem man sich dispensieren lassen könnte.

2. Aber ich habe gehört, dass es in unteren Stufen neu Sexunterricht gibt.

Geändert hat sich in der Praxis wenig. Vor einem Jahr hat das Basler Erziehungsdepartement einen Leitfaden veröffentlicht, der inhaltlich keine Neuigkeiten enthält. Neu sind die Unterrichtsmaterialien, welche die Schulen im letzten Jahr erhalten haben.

3. diese Unterrichtsmaterialien sind aber skandalös: vor allem diese Geschlechtsteile aus Holz und Plüsch.

Diese stehen nur für Oberstufen zur Verfügung. Die Lehrer entscheiden selber, ob sie diese Utensilien einsetzen. Im Kindergarten bestehen die Unterrichtsmaterialien aus Büchern, Puzzles und Puppen. Der Inhalt wird vom Kanton derzeit überprüft.

4. Sollten die Kinder nicht von ihren Eltern aufgeklärt werden?

Doch. Die Hauptverantwortung liegt wie bisher bei den Eltern. Die Schulen sehen ihre Aufgabe darin, die Eltern zu unterstützen. Das Thema dürfe nicht nur Internet, Medien, unanständigen Witzen oder Prahlereien auf dem Pausenplatz überlassen werden.

5. Was lernen Kindergärtler und Primarschüler im Unterricht konkret über Sex?

Wie erwähnt, findet kein systematischer Sexunterricht statt. Themen aus diesem Bereich können von den Lehrpersonen bei speziellen Ereignissen aufgegriffen werden. Die Regierung nennt folgende Beispiele: Ein Kind erhält ein Geschwisterchen, die Kindergärtnerin wird schwanger oder auf dem Spielplatz wird ein gebrauchtes Präservativ entdeckt. Damit die Lehrpersonen auf entsprechende Fragen eingehen können, haben sie die Möglichkeit, die erwähnten Unterrichtsmaterialien einzusetzen. Das Ziel ist, dass die Kinder eine gesunde Einstellung zu ihrem Körper entwickeln. Deshalb wird das Körper- und Selbstbewusstsein gefördert. Die eigentliche Aufklärung findet wie bisher erst auf der Sekundarstufe statt.

6. Wieso ist um den Sexunterricht so ein Wirbel entstanden, obwohl sich gar nichts gross geändert hat?

Das ist in der Tat erstaunlich. Als die Regierung den neuen Leitfaden, in dem auch die Unterrichtsmaterialien erwähnt sind, vor einem Jahr veröffentlicht hat, wurde dies von den Medien kaum thematisiert. Den Wirbel hat der «Sonntagsblick» im Mai 2011 entfacht. Ein Artikel suggerierte, dass sich Basler Schüler gegenseitig massieren würden und dass Sexunterricht als Fach eingeführt würde. Das ist falsch. An den Lehrplänen wurde nichts verändert. Da die Bilder der Holzpenisse und Plüschvaginas polarisieren, wird das Thema trotzdem medial intensiv weiterbearbeitet. Dabei werden die Imitate nur in der Oberstufe eingesetzt und nur, wenn es der Lehrer als sinnvoll erachtet.