Nach der Pause parodieren sie Shakespeare, das Theaterspielen, das sozialistische Regime – und sich selber. Letzteres zwar unfreiwillig. Die aus Laien und Profis zusammengesetzte Truppe von «Upstart Entertainment» bieten derzeit im Innenhof des Englischen Seminars drei Shakespeare-Stücke an einem Sommerabend. «Romeo und Julia», «Macbeth» und «Hamlet». Auf Englisch.

3 für 1, eine Aktion, wie sie im Denner gern gekauft wird. Aber funktioniert sie auch im Theater? Kommt drauf an. Shakespeare, der ohnehin fast immer auf eine dem Publikum zumutbare Länge gekürzt wird, muss sehr drastisch zusammengestaucht werden, wenn drei Stücke in zwei Stunden gespielt werden sollen. Ab einer gewissen Raffung stellt sich auch bei der tragischsten Tragödie Komik ein.

Genau diesen Effekt vermag der englische Dramatiker Tom Stoppard hervorragend auszunutzen. Wie er «Hamlet» erst auf eine rund 20-minütige Version und danach nochmal auf einen Zweiminüter runterkürzt, ist so brillant wie lustig. Für den vollen Genuss hilft es, das Original gut zu kennen. Kaum setzt Hamlet zum Sinnieren über Leben oder Freitod an, unterbricht ihn hier Ophelia und er schickt sie ins Kloster: «Get thee to a nunnery». Drei Szenen in drei Zeilen. Die Ballung von weltbekannten Zitaten wirkt wieder und wieder höchst komisch. Und die Truppe spielt jetzt mit Genuss und dem nötigen Ernst, den es für Komik braucht.

Auch Tom Stoppards «Macbeth»-Version, in der Schauspieler mitten in ihrer Darbietung überraschend von einem Polizisten unterbrochen werden, kommt in ihrer Tragikomik rüber. Verzweifelt versuchen Macbeth (David Cox) und Lady Macbeth (Zuzana Cox) vor dem Inspektor zu bestehen – doch nun wirkt alles, was sie tun und sagen, komisch.

Stoppard widmete das 1979 uraufgeführte Stück dem Autoren Pavel Kohout, der in der sozialistischen Tschechoslowakei von den Zensurbehörden drangsaliert worden ist. Auch ohne diesen politischen Hintergrund zu kennen: «Cahoot’s Macbeth» ist ein herrliches Stück absurden Theaters, und im Innenhof gibt Flavio de Rosa einen hervorragenden Inspektor.

Was hingegen weit weniger gut funktioniert, ist die von Schauspieler und Regisseur Patrick Deslarzes selbst gekürzte Version von «Romeo und Julia», die im ersten Teil des Abends gezeigt wird. Es bleibt, bis auf den Schlussmonolog, bei einer ganz konventionellen Version und Spielweise – daran ändert auch der Einsatz von Handys wenig. Doch um die Gefühle glaubhaft zu entwickeln, haben die Schauspieler zu wenig Zeit. Der Zeitraffer wirkt wie bei Stoppard etwas komisch, aber diesmal eher unfreiwillig. Shakespeares Zeilen sind für stoppardsche Pointen zu wenig geschickt gesetzt. Das Spiel der Darsteller – die meisten haben in allen drei Stücken eine Rolle – erscheint bei fast allen viel laienhafter als im zweiten Teil des Abends.

Da kann auch Julias natürliche Schönheit und Talent nicht allzu viel dagegen ausrichten. Obschon man sich vorstellen kann, dass sie unter einer professionellen Regie mit einem stärkeren Romeo begeistern könnte. Die Gruppe sammelt Geld für Schauspielerin Yüksel Lee Esen, deren Bewerbung an der East 15 Acting School in London angenommen worden ist. Wenn die junge Baslerin sie finanzieren kann, wird sie die Ausbildung im Herbst beginnen.

Der Barde im Original

Wozu die hunderttausendste Aufführung von «Romeo und Julia», wenn sie keine neue Deutung hergibt? Warum nicht sich ganz auf Stoppard konzentrieren? Vielleicht ist die Kritikerin zu streng. Hier spielen Laien an einem schönen Ort. Sie strengen sich an. Und das Publikum findet offenbar auch am ersten Teil des Abends Vergnügen.

Nicht zuletzt bietet dieses «Shakespeare in the Courtyard» eine der wenigen Möglichkeiten, im deutschsprachigen Basel die Sätze des wohl bekanntesten Dramatiker der Menschheit im Original zu hören. Auch in der Pause wird überall Englisch gesprochen. Neben Anglizistik-Studenten nutzen viele Expats, Ex-Studenten und andere Anglophile diese Gelegenheit. The rest ist silence.

Weitere Spieldaten: 28.8. sowie am 1. (ausverkauft), 2. und 3. September um 20.30 Uhr im Innenhof am Nadelberg 6. www.shakespeare-basel.ch