Die Beweggründe, sich an der Sharing Economy zu beteiligen, sind unterschiedlich: Der Protest gegen die Wegwerfgesellschaft kann ebenso Motivation sein wie ein kleiner Zuverdienst durch das Vermieten des eigenen Parkplatzes oder Gästezimmers. «Bei Sharing Economy geht es primär darum, vorhandene Ressourcen gemeinsam am effektivsten zu nutzen», sagt René Lisi vom Verein Shareconomy Schweiz. Ob das aus sozialem Anreiz oder als gewinnorientiertes Business-Modell geschehe, sei zweitrangig.

Das Konzept dabei: Alles, was nicht dauerhaft genutzt wird, kann vermietet werden. Über eine Onlineplattform wird der Kontakt zwischen Anbieter und Nachfrager hergestellt. «So führt etwa Airbnb Personen, die eine Unterkunft suchen, mit solchen zusammen, die bereit sind, ihre eigene zu vermieten», erklärt Lisi.

Weltweit sind so im Jahr 2013 gemäss Schätzungen 26 Milliarden Dollar umgesetzt worden. Diese Zahl dürfte in Kürze die 100-Milliarden-Grenze überschreiten, wie eine Harward-Studie naheleget. Für die Schweiz liegen keine exakten Zahlen vor. Eine Studie besagt lediglich, dass 55 Prozent der Schweizer innert Jahresfrist Güter und Dienstleistungen via Sharing Economy Plattformen mieten oder vermieten.

«Die Schweiz ist nicht mit grösseren Märkten wie Deutschland oder den USA vergleichbar. Das hat einerseits mit dem bestehenden Angebot, etwa beim öffentlichen Verkehr, zu tun. Andererseits ist auch der wirtschaftliche Druck, mittels Teilen Geld zu sparen oder einzunehmen, kleiner», sagt Lisi. Er stelle aber einen Paradigmenwechsel fest, die junge Generation sei bereits viel weniger auf Besitz fokussiert als ihre Eltern. Zudem glaube er, dass auch andere Faktoren der Sharing Economy Aufwind verleihen werden.

Zwei Punkte für weiteres Wachstum entscheidend

«Angebote wie Mitfahrgelegenheit.de funktionieren etwa in Deutschland besser, weil die Distanzen grösser und die Budgets der Anbieter und Nutzer kleiner sind. Allerdings lassen sich auch ganz andere Probleme mit dem Mitnehmen von Fahrgästen lösen, etwa die Verringerung von Staus. Davon profitiert dann auch der Manager, auch wenn dieser nicht auf einen Zustupf ans Benzin angewiesen ist.»

Damit die Sharing Economy weiter wachsen kann, seien zwei Punkte entscheidend. Einerseits ein universal gültiges Vertrauens-System, denn das Vertrauen zwischen Anbieter und Konsument sei unabdingbar. «Es gibt heute am Markt bereits Plattformen wie traity.com, welche sich darauf spezialisiert wie haben. Diese Möglichkeit, sich über die Vertrauenswürdigkeit einer Person zu informieren, wird an Bedeutung zunehmen».

Der zweite wichtige Punkt sei die staatliche Regulierung. «Es muss eine Diskussion darüber stattfinden, welche der geltenden Regulierungen einer Anpassung für die Sharing Economy bedürfen.» Hier klaffe bereits eine grosse Lücke zwischen Gesetzen und Realität. «Es ist beispielsweise nicht erlaubt, seine Wohnung auf airbnb anzubieten, ohne das Einverständnis seines Vermieters – obwohl das wahrscheinlich täglich gemacht wird.»


Am 29. Oktober ab 17 Uhr findet im Gundelidngerfeld die Sharing Economy Night 2015 statt. www.sharenight.ch