Kantonsspital Baselland

Showdown ums Spital Laufen: Verwaltungsrat des Kantonsspitals beantragt Schliessung

Das Spital-Schild hängt dran, doch ist auch ein funktionstüchtiges Spital drin? Das KSBL will Laufen schliessen.

Verwaltungsrat beantragt Schliessung Laufens. Am Schluss entscheiden wohl die Gerichte.

Das Spital Laufen steht vor dem Aus: Nach der gescheiterten Fusion des Kantonsspitals Baselland (KSBL) mit dem Universitätsspital Basel (USB) brütet eine spitalinterne Task-Force derzeit über Szenarien, wie es mit dem finanziell angeschlagenen KSBL weitergehen soll. Am 28. Juni wird der KSBL-Verwaltungsrat der Baselbieter Regierung seinen Vorschlag zur Zukunft des Spitals unterbreiten. Gemäss dieser Empfehlung soll das Spital Laufen geschlossen werden. Dies berichten spitalnahe Quellen, die den Strategieprozess am KSBL kennen. Das Defizit, das am kleinsten der drei KSBL-Standorte erwirtschaftet werde, sei im Verhältnis zu seiner Grösse überproportional hoch, heisst es. Das KSBL publiziert selber keine Zahlen zu den einzelnen Spitalstandorten.

Zelte nicht ganz abbrechen

Völlig überraschend kommt das nicht: Nur in einer der vier Varianten, die laut «Regionaljournal Basel» seit dem Volksnein zur Fusion vom 10. Februar diskutiert werden, spielt Laufen künftig noch eine Rolle. Am wahrscheinlichsten ist jene Variante, wonach in Liestal die Grundversorgung ausgebaut, auf dem Bruderholz das stationäre Angebot massiv reduziert und Laufen als Spital im herkömmlichen Sinn geschlossen wird. Seine Zelte ganz abbrechen würde das KSBL im Hauptort des jüngsten Baselbieter Bezirks indes nicht: Laut Vorschlag des Verwaltungsrats ist eine Notfallstation möglich, die als medizinisches Eingangstor zum KSBL fungieren und leichte Verletzungen wie Schnittwunden behandeln könnte. «Die Laufentaler Bevölkerung soll nicht im Stich gelassen werden», sagt eine spitalnahe Quelle.

Im Laufental stösst das drohende Aus des 1872 gegründeten Feningerspitals dennoch auf Unverständnis. Im September 2018 hat der Landrat einer Spezial-Vorlage zugestimmt, wonach von 2020 bis 2022 insgesamt 4,5 Millionen Franken ans Spital Laufen fliessen. Die gemeinwirtschaftlichen Leistungen des Kantons garantieren, dass das Spital zumindest für die kommenden Jahre neben stationärer Rehabilitation und Schmerzklinik auch einen 24-Stunden-Notfall sowie Leistungen der Inneren Medizin wie die Behandlung von Lungenentzündungen anbieten kann. Der Landratsbeschluss war zwar explizit an das Zustandekommen der Spitalgruppe gebunden. Laufentaler Politiker finden aber, dass die Spezialvorlage auch ohne Spitalfusion Sinn mache: Diese Lösung gewährleiste im Laufental zu einem vertretbaren Preis eine gute Gesundheitsversorgung, sagt der Laufner Stadtpräsident Alexander Imhof. «Das KSBL hat genügend Baustellen. Ich verstehe nicht, weshalb man ausgerechnet diese nochmals aufreissen will», sagt er.

Notfall ist «pièce de résistance»

Der Laufner FDP-Landrat Rolf Richterich erinnert daran, dass der zustände Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) den Spezial-Deal für Laufen mit der Spitalfusion verknüpft habe. «Er wollte wohl verhindern, dass sich im Abstimmungskampf im Laufental eine Nein-Flanke öffnet.» Dass nun wegen der (Basler) Ablehnung zur Fusion auch der Spezial-Deal zu Laufen obsolet sein soll, kann Richterich nicht nachvollziehen: «Dieser macht, wenn das KSBL alleine in die Zukunft geht, erst recht Sinn.» Auch ist Richterich weiterhin überzeugt, dass Laufen als kleines Regionalspital zukunftsfähig ist.

Derselben Meinung ist der Laufner CVP-Landrat Marc Scherrer. Ein Teil der 1,5 Millionen Franken pro Jahr im Spezial-Deal seien gar nicht Betriebssubventionen im eigentlichen Sinne, sondern Abschreibungen. Zentral aus Sicht der Bevölkerung im Laufental und Schwarzbubenland sei, dass eine Notfallstation gewährleistet sei – und zwar rund um die Uhr: «Der Notfall am Basler Unispital ist bekanntlich hoffnungslos überlastet. Sollte Laufen geschlossen und das Angebot am Bruderholz abgebaut werden, so stellt sich die Frage: Wo sollen die Laufentalerinnen und Laufentaler hin?» Die Spezialvorlage sei moderat und ein weitreichender Kompromiss, findet Scherrer. Gemäss Artikel 45 im Laufentalvertrag bleibt der Bestand des Spitals «mit Grundversorgung für Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Geburtshilfe und mit Notfallstation dauernd gewährleistet». Die Bereiche Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe sind allerdings in den vergangenen Jahren bereits abgebaut worden.

Unglückliche Formulierung

Seit Jahren wird darüber gestritten, wie die unglückliche Formulierung «dauernd gewährleistet» im Vertrag zum Kantonswechsel von 1983 zu übersetzen sei. Im Kampf um das eigene Spital soll dessen Gültigkeit notfalls von den Gerichten geklärt werden, betonen die Landräte Richterich und Scherrer. Diesen Schritt begrüssen auch Politiker, die den Strukturerhalt im Laufental kritisch sehen, wie der Landratsdebatte um die Spezialvorlage zu entnehmen war. Ein Showdown zur Zukunft des Spitals Laufens vor Gericht ist sehr wahrscheinlich. Beide Seiten sind überzeugt, den Fall gewinnen zu können.

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