Unter dem Baum
Sich unter Bierbrauern und Pharma-Forschern verköstigen lassen

Rote Backsteinmauern und blühende Oleander: Im Garten der «Brauerei» auf dem Warteck-Areal kann man sich im internationalen Ambiente kulinarisch verwöhnen lassen.

Eva Wieser
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Unter Kastanien und Oleander im Restaurant Brauerei: Bojan Fischer, Lisa Apelt, Alexander Queckert, Christian Nussbaumer (von links)

Unter Kastanien und Oleander im Restaurant Brauerei: Bojan Fischer, Lisa Apelt, Alexander Queckert, Christian Nussbaumer (von links)

Juri Junkov

130 Jahre alt und unter Denkmalschutz: Das Restaurant Brauerei ist geschichtsträchtig. Früher war es die Kantine der Braumeister. Wer auf dem Warteck-Areal arbeitete, ging mittags ins Eckhaus essen. Noch heute verköstigt das Team der Brauerei die Berufstätigen aus dem Quartier. Doch diese kommen aus einer ganz anderen Branche, aus der Chemie. «Bei uns essen immer mehr Geschäftsleute», sagt Restaurantbetreiber Christian Nussbaumer. Tischgespräche werden oft in Englisch geführt, das Ambiente ist international.

Die Brauerei ist keine herkömmliche Beiz. Bierhumpen stehen keine auf dem Tisch, dafür weisse Rosen auf weissen Tischtüchern. Es gibt keine speziellen Biersorten, dafür hat die Brauerei ihren eigenen Weinladen. Das Konzept hat wenig mit dem Namen zu tun, scheint aber aufzugehen. Nussbaumer hat ein Luxusproblem: «Wir haben fast zu viele Gäste.» Das Team denkt darum über Ausbaumöglichkeiten nach: «Wenn der Rocheturm fertig ist, werden zusätzlich 2500 Leute ins Quartier kommen. Wir rechnen mit einem Ansturm.»

Notübungen wegen Platzregen

Stürmische Zeiten hat das Brauerei-Team nicht nur vor, sondern gerade hinter sich. «Furchtbar», kommentiert der Geschäftsinhaber den vergangen Monat. Weggeblasene Weingläser, durchnässte Tischtücher: Mehr als einmal musste der Garten nach einem Wolkenbruch aufgeräumt werden. Den Regenradar hat Nussbaumer ständig im Blick. Trotz zuverlässiger Wetterwarnung per Smartphone gäbe es immer wieder Notübungen. Wenn dann die Gäste mit ihrem Teller ins Trockene flüchten, werde es kurz ungemütlich. Für den Notfall gibt es einen Plan: «Bei wechselhaftem Wetter decken wir doppelt auf, jeder Gast hat zwei Tischnummern – eine draussen und eine drinnen.»

Immer weniger Basler Gäste

Bahnt sich über Basel gerade kein Unwetter an, ist es im Garten friedlich. Als Nussbaumer vor 16 Jahren das Restaurant übernahm, waren die Kastanienbäume noch klein. «Wir konnten die Beleuchtung anfangs gar nicht an den Bäumen anbringen», erinnert er sich. Heute hangen kugelförmige Lampen an den Ästen und ein Blätterdach sorgt für Schatten. Normalerweise würden die Oleander kräftig blühen, sagt Nussbaumer, doch irgendwie fehle es ihnen diesen Sommer an Sonnenstunden.

So muss die Küche noch etwas nachhelfen, um für mediterrane Gefühle zu sorgen. Etwa mit dem Hausrezept Spaghetti Brauerei, eine Kreation mit Fisch, Meeresfrüchten und Spinat. Noch bekannter für die Brauerei ist das Wienerschnitzel mit Pommes und Gemüse. Ein Stück Tradition auf dem Teller – welches sich nicht alle leisten können. «Ein Familienessen für rund 200 Franken ist für viele zu teuer», sagt Nussbaumer.

Es erstaunt ihn nicht, dass immer mehr Basler nach Deutschland fahren. «Ein Gast erkennt sofort, dass das gleiche Stück Fleisch bei uns viel teurer ist als auf der anderen Seite der Grenze.» Das Problem liegt für Nussbaumer auf der Hand: Die Qualität werde oft über den Preis definiert. Dies sei jedoch nicht möglich, da ein Restaurantbetrieb im Deutschen ganz andere Voraussetzungen habe. «Beispielsweise sind die Löhne fürs Servicepersonal in Deutschland viel tiefer und die regionalen Produkte um einiges günstiger.»

Gefüllter Magen als Sonderwunsch

Doch nicht alle Gäste schauen aufs Geld. Bei den Expats beobachtet der Restaurantbesitzer das Gegenteil. «Der Preis ist für diese Leute irgendwie nicht entscheidend.» Und reklamieren würden sie auch nicht wirklich, die seien einfach zufrieden und happy.

Nussbaumer schätzt den Kontakt zu seinen Gästen: «Man kennt sich, bereits seit vielen Jahren.» Ein beliebter Treffpunkt mit seit langer Zeit sei auch der Stammtisch – rudimentär, aus Holz, ohne Tischtuch. Es ist der einzige Ort im Lokal, welcher an eine echte Brauerei erinnert. «Es kann sein, dass sich hier der Rochedirektor und die Quartierbevölkerung auf ein Bier treffen», erzählt Nussbaumer. Diese Durchmischung sorge für eine ungezwungenen Atmosphäre.

Damit sich die Gäste wohlfühlen erfüllt das Team hie und da Sonderwünsche. Das speziellste Menü, welches je serviert wurde? Da muss Nussbaumer nicht lange nachdenken: Haggis, eine schottische Spezialität. «Plötzlich mussten wir für einen Anlass des schottischen Clubs Schafsmagen füllen.» Und zwar mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl, wie es das Rezept vorschreibt. Denn auch hier gilt: Was Tradition hat, kommt auf den Teller.