Bern will den Cupfinal nicht mehr. Seit den jüngsten Ausschreitungen vom Montag hat die Bundesstadt offenbar endgültig die Nase voll von randalierenden Fans und Sachschaden in der Höhe von Tausenden von Franken. Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät sagte gegenüber dem Regionaljournal vom SRF: «Wir sind nicht mehr bereit, jeden Ostermontag Berns Image als friedliche Stadt aufs Spiel zu setzen.»

Die «Berner Zeitung» zitiert ihn gar mit den Worten: «Vor diesem Hintergrund gibt es für eine Stadt zum Schluss nur eines: sich gar nicht mehr um eine Austragung des Cupfinals zu bemühen.»

Eine Aussage, die die Stadt Basel auf den Plan ruft. Am Dienstagabend twitterte der Vorsteher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, Baschi Dürr: «Falls wir gefragt werden, lassen wir mit uns reden.»

Bereits im Vorfeld des diesjährigen Cupfinals (Bern zog eine Absage des Cupfinals in Erwägung; bz berichtete) hat der Fussballverband in Basel eine informelle Anfrage deponiert, wie Dürr bestätigt: «Ja, wie bereits bekannt, haben wir gewisse Gespräche geführt.»

Wenn sich zwei streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. Basel scheint von den Ereignissen vom Montag nicht abgeschreckt worden zu sein. Auf Nachfrage der bz konkretisiert Dürr: «Sollte eine Anfrage eintreffen, würden wir diese offen prüfen.» Er betont jedoch, dass momentan keine Anfrage vorliegt.

«Cupfinal wäre sehr zu begrüssen»

Konkreter sind die Aussagen der Leiterin vom Standortmarketing Basel, Sabine Horvath, die gegenüber dem Cupfinal in Basel positiv gestimmt ist: «Aus Standortmarketing-Sicht wäre ein Cupfinal in Basel sehr zu begrüssen.»

Entscheidend seien jedoch das Interesse seitens der Verantwortlichen des St. Jakob-Parks, der politische Wille sowie die dafür nötige Bewilligung der zuständigen Behörden. Die Argumente pro Basel liefert Horvath gleich selber: «Es gibt drei Punkte, die für Basel als Austragungsort des Cupfinals sprechen: Basel hat eine geeignete Infrastruktur, sehr viel Know-how sowie eine grosse Fussballbegeisterung.»

Neben den von Horvath erwähnten Punkten spricht vor allem etwas für eine Austragung in Basel: die geringe Gefahr eines eskalierenden Fanmarschs quer durch die ganze Altstadt. Während in Bern der Weg vom Bahnhof unumgänglich durch die Altstadt führt, ist ein Gang in die Basler Innenstadt nicht zwingend, oder besser: gar nicht nötig.

Im Gegensatz zum Berner Stade de Suisse liegt der St. Jakob-Park an der Peripherie der Stadt in direkter Verlängerung zum Bahnhof SBB. Sollten die anreisenden Fans eine Direktfahrt zum Stadion verweigern, wie dies in Bern der Fall war, könnten sie dennoch von einem Gang in die Innenstadt abgehalten werden.

Durch eine polizeiliche Absperrung auf Höhe des Hotels Hilton kann die Fanmasse auf die Nauenstrasse gelenkt werden. Die Innenstadt bliebe dadurch verschont. Denn: Sind die Fussballfans erst einmal auf der Nauenstrasse, gibt es nur einen Weg, und das ist der direkte Weg zum Joggeli. Einziges Problem: Der Verkehr in die und raus aus der Stadt wäre durch die Belegung der Hauptverkehrsachse für einige Stunden lahmgelegt. Eine viel schlimmere Behinderung als die jetzige Grossbaustelle wäre das aber gewiss nicht.

Dass Basel sich für die Ausrichtung des Traditionsanlasses interessiert, verwundert angesichts der positiven Erinnerungen an vergangene Austragungen nicht. «Der Cupfinal wurde bereits in früheren Jahren erfolgreich in Basel durchgeführt, womit sich Basel als Austragungsort empfohlen hat. Mit der Euro 2008 und vielen anderen internationalen Fussball-Partien hat Basel bewiesen, dass solche Grossevents erfolgreich durchgeführt werden können. Diese Erfahrungen sollten auch für weitere Finalspiele oder internationale Partien genutzt werden.»

Sollte sich der SFV dennoch nicht auf den Standort Basel festlegen wollen – insbesondere weil der FC Basel in den letzten Jahren Stammgast im Cupfinal war und somit der Austragungsort nicht mehr neutral wäre –, wäre der Weg, den der spanische Fussballverband begeht, durchaus denkbar. Das Endspiel der Copa del Rey wird jedes Jahr in einem kurz vor dem Endspiel erwählten Stadion ausgetragen – wenn die Finalisten bereits bekannt sind. So wird die Neutralität gewährleistet.

Nun liegt es am SFV, die Frage zu beantworten: Quo vadis, Cupfinal?