Polizisten, die privilegiert behandelt werden und ein Sex-Skandal. Baschi Dürr erlebt strube Zeiten. Und ist trotzdem besonnen. Und ein wenig besorgt. Er sagt aber, dass er wieder gleich entscheiden würde.

Herr Dürr, wie geht es Ihnen?

Baschi Dürr: Es ging schon besser. Aber ich kann nachvollziehen, dass die Medien über diese Geschichten berichten. Wichtig ist, dass wir transparent machen können, was Sache ist, und wie wir mit diesen Vorfällen umgehen.

Der jüngste Vorfall, ein Sex-Skandal, betrifft Mitarbeiter der Verkehrspolizei. Was sagen Sie zu diesem Vorfall?

Ich bedaure sehr, was passiert ist. Es ist aber wichtig, niemanden vorzuverurteilen, bevor die Untersuchungen abgeschlossen sind.

Sie können nichts dafür, wenn ein Polizist eine Kollegin sexuell belästigt. Aber man kann sich fragen: Was für ein Klima herrscht bei der Polizei, dass so etwas möglich ist?

Bei mir arbeiten 2000 Leute, die Hälfte davon bei der Polizei. Es ist nie auszuschliessen, dass es zu Verfehlungen, allenfalls auch zu schlimmen, kommt. Ich möchte von dem einen Fall aber nicht auf die Gesamtorganisation schliessen.

Das Klischee des Machopolizisten hat demnach nichts Wahres?

Nein. Themen wie sexuelle Belästigung werden in der Ausbildung behandelt, wir haben Spezialisten und bieten Betroffenen in solchen Fällen immer professionelle Hilfe an.

So kurz vor den Wahlen müssen sie mit weiteren Negativschlagzeilen rechnen. Wie gehen Sie damit um?

Ich stehe in der Verantwortung für dieses Departement – egal, ob Wahlen sind oder nicht. Es ist meine Aufgabe und meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Laden funktioniert. Verfehlungen müssen sorgfältig abgeklärt und die notwendigen Schlüsse gezogen werden. Immer.

Auch bei den Dienstwagen haben Sie gehandelt, wenn auch etwas spät.

Wir sind das Thema von uns aus angegangen. Aber ja, ich muss selbstkritisch sagen, dass wir die Sache schneller hätten abschliessen können und müssen. Es war ein Fehler, das nicht schneller zu bereinigen. Zu diesem Fehler stehe ich.

Haben Sie bei Amtsantritt eine Ruine angetroffen? Müssen Sie jetzt auslöffeln, dass Ihre Vorgänger nicht sauber gearbeitet haben?

Ganz grundsätzlich äussere ich mich nicht zu meinen Vorgängern. In einem grossen Betrieb gibt es immer Baustellen. Es entwickeln sich ständig Dinge, die wir überprüfen und gegebenenfalls in Ordnung bringen müssen. Ich kann jedoch nicht jeden Mitarbeiter 24 Stunden am Tag beaufsichtigen. Und ich bin überzeugt, dass wir heute weniger Baustellen haben als vor vier Jahren. Alles haben wir aber noch nicht bereinigt, so etwa die neue Weisung für Dienstfahrzeuge, die wir jedoch, wie kommuniziert, bis Ende Jahr umsetzen werden.

Da geht es um Privilegien einer wichtigen Gruppe. Wie gross ist der Widerstand gegen die Reform?

Es gibt sicher Diskussionen. Bei Stellenantritt erhielten diese Leute ein Auto zugesichert, das sie immer auch für den Arbeitsweg nutzen dürfen. Nun wird das nicht mehr möglich sein. Ich verstehe, wenn einen das ärgert.

Sie haben in Ihrer Amtszeit viel angestossen und manches noch nicht beendet. Jetzt wollen Sie ins Präsidialdepartement wechseln. Warum?

Es geht mir nicht um einen Departementswechsel per se. Wenn ich nicht Präsident werde, möchte ich mein Departement behalten. Einen Wechsel in ein anderes Fachdepartement habe ich schon vor Längerem öffentlich ausgeschlossen.

FDP-Präsident Luca Urgese hat in der bz gesagt, er könne nicht ausschliessen, dass manche Wähler sich wegen all dieser Geschichten gegen Sie entscheiden. Was tun Sie dagegen?

Ich kann aufzeigen, was Sache ist. Aber am Ende entscheiden die Wählenden.

Sie haben nur bei der Geschichte um die Dienstfahrzeuge Fehler eingeräumt. Sonst lief alles korrekt?

Bei all den anderen Themen, die derzeit diskutiert werden, haben wir schnell die nötigen Massnahmen eingeleitet. Ich würde wieder gleich entscheiden.

Da gab es noch die Geschichte mit den Lohnausweisen der Feuerwehr.

Ich war sehr verärgert, als ich erfahren habe, dass bei der Milizfeuerwehr offenbar noch nie Lohnausweise ausgestellt worden sind. Und habe sofort veranlasst, dass künftig solche ausgestellt werden und die Situation mit der Ausgleichskasse und der Steuerverwaltung geregelt wird. Ausserdem habe ich abklären lassen, ob es anderswo ähnliche Situationen gibt, was nicht der Fall ist.

Haben Sie Angst, dass Sie wegen all dieser Storys in den zweiten Wahlgang gezwungen werden?

Ein zweiter Wahlgang ist nie auszuschliessen. Aber natürlich, solche Schlagzeilen nützen mir nicht. Im Vordergrund steht aber, dass wir die Probleme bereinigen und auch etwas daraus lernen.

Haben Sie eine Ahnung, wer ein Interesse haben könnte, Ihnen zu schaden? Anders gefragt: Suchen Sie nach einem Maulwurf im Departement?

Es ist müssig, darüber zu spekulieren, weshalb diese Geschichten ausgerechnet vor den Wahlen an die Öffentlichkeit kommen. Wir müssen transparent machen, wo Probleme vorhanden sind und darlegen, welche Massnahmen wir bereits ergriffen haben und welche folgen.

Es gibt keine interne Untersuchung?

Es gab früher, in anderen Fällen, bereits Untersuchungen um Amtgeheimnisverletzungen. Doch das hat kaum je zu einem Ergebnis geführt, soviel ich weiss.

Die aktuellen Fälle werden also nicht untersucht?

Ich habe keine Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung eingereicht.

Kommen die Wähler auf Sie zu und teilen Ihnen mit, was Sie denken?

Ja. Manche Wähler schreiben erboste Mails, andere stärken mir den Rücken.

Sie haben früher die meisten Leute angerufen, die Ihnen geschrieben haben. Tun Sie das jetzt auch noch?

Gerade gestern habe ich jemanden angerufen, ja. Die Leute schätzen den persönlichen Kontakt. Häufig geht es um die Polizei, entweder stören sich die Leute über zu viel Polizei, oder sie finden, es gäbe zu wenige Polizisten in den Strassen. Es kann aber auch um Kleinigkeiten gehen. Oder die Leute fragen, ob wir nichts Besseres zu tun haben, als Bussen zu verteilen.

Bei der Geschichte um Velos am Aeschenplatz kann man sich das wirklich fragen. Da verteilte die Polizei Zettel, die Velos seien widerrechtlich parkiert, obwohl das nicht stimmte.

Ja, das war ein Fehler. Das geht so natürlich nicht. Das haben wir intern bereits besprochen.

Meinen die Leute, Sie hätten persönlich angeordnet, solche Zettel an die Velos zu hängen?

Vielleicht, aber ich habe erst danach davon erfahren; so, wie ich von den meisten der 25 000 anderen Einsätze der Polizei gar nicht oder erst im Nachhinein erfahre. Aber ich stehe in der Verantwortung, egal, ob es um eine kleine oder grosse Sache geht.

Sie gelten als besonnen, sollten Sie nicht einmal so richtig auf den Tisch hauen?

Ich kann intern deutlich werden und mich klar ausdrücken. Aber grundlos jemanden zusammenzustauchen, ist nicht meine Art, ein Departement zu führen.

Auch nicht, wenn die Medien genau das von Ihnen verlangen?

Dann erst recht nicht.