Sicherheit
Sicherheitsdirektor Baschi Dürr: Kriminaltouristen sind für Basel ein Problem

Einbrüche und Raubüberfälle haben so zugenommmen, dass der neue baselstädtische Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr von einer "Herausforderung" spricht. Nach rund hundert Tagen im Amt sieht er auch Bedarf, neue Kommunikationsmittel "an der Front" einzusetzen.

Merken
Drucken
Teilen
Sicherheitsdirektor Baschi Dürr informiert über seine ersten 100 Tage im Amt.

Sicherheitsdirektor Baschi Dürr informiert über seine ersten 100 Tage im Amt.

Martin Töngi

Am selben Donnerstagmorgen, als er der letzten all seiner Dienststellen einen Antrittsbesuch abgestattet hatte, empfing Dürr die Medien zu einer ersten Tour d'Horizon. Zuvor hatte er sich drei Monate lang gegenüber der Öffentlichkeit zurückgehalten. Er habe "gut angefangen" und fühle sich auch "sehr wohl im Amt", sagte er.

Zum Thema Sicherheit betonte er, persönlich fühle er sich in Basel nach wie vor sicher - ausser vielleicht kurz nach dem Einbruch zu Hause. Seit geraumer Zeit seien Hooligans und Raser kaum mehr ein Thema, dafür gebe es mehr Einbrüche und Raubüberfälle. Einheimische Aspekte habe man also in Griff, nicht aber den Kriminaltourismus.

Krimnaltouristen überfüllen Haftzellen

Die Statistik zeige, dass Einbrecher und Räuber zunehmend Ausländer seien. Einen immer grösseren Anteil machten Asylbewerber in allen Verfahrensstadien aus; im ersten Quartal 2013 seien gut 62 Prozent der Täter solcher Delikte auf jene entfallen. Die Polizei setze die Kapazitäten entsprechend ein und bekämpfe diese Kriminellen auch.

Den Einsatz belegte Dürr mit der steigenden Zahl Verhaftungen: 47 Haftfälle pro Woche im laufenden Jahr seien ein Rekord und über das Doppelte von 2010. Dies habe indes zur Folge, dass keine Haftplätze mehr frei seien. Manche Täter würden in Polizeiwachen und anderen Zellen versorgt; einer sei bei einem solchen Transfer entkommen.

Weil das Untersuchungsgefängnis derzeit zu 120 Prozent belegt sei, würden kurzfristig drei Militärarrestzellen umgenutzt und bis 2014 eine zusätzliche Station mit 9 Plätzen eingerichtet. Über 23 weitere Plätze werde noch 2013 entschieden. Schon abgesegnet sind 52 Haftplätze im Bässlergut; die seien aber erst ab 2018 bereit.

Mehr Personal und mehr Effizienz

Unterwegs seien auch neue Polizistinnen und Polizisten. So nehme eine Einsatztruppe mit 14 Leuten im Mai etwas früher als geplant den Dienst auf. Dazu kommen gegen 15 Assistenzsstellen für die Parkraumbewirtschaftung. Auch deren Präsenz auf der Strasse vertreibe Kriminelle, hielt Dürr fest.

Für mehr Effizienz will er überdies die Schreibarbeit auf den Posten halbieren, um Zeit für Kernaufgaben zu gewinnen. Zudem soll EDV die Kommunikation verbessern, insbesondere mit moderne Geräten für Beamtinnen und Beamten "an der Front" - hier hat Dürr, der aus der Kommunikationsbranche kam, Nachholbedarf geortet.

Einen "Innovationssprung" versprach Dürr bis 2016; dann feiert die Basler Polizei ihr 200-Jahre-Jubiläum. Bereits nach drei Monaten Amtszeit werden im Departement Retuschen erkennbar. Projekte liefen jedoch weiter, wobei er durchblicken liess, noch nicht restlos von der Blaulicht-Fusion unter das Label Rettung überzeugt zu sein.

Grün-liberale bikantonale Amtsfusions-Ideen

Mit dem Baselbieter Amtskollegen Issac Reber habe er einen guten Draht, sagte Dürr weiter. Zu den Diskussionsthemen gehörten etwa die Fusion der beiden Kreiskommandos oder Handelsregisterämter. Ferner strebt er mehr Information für die Bevölkerung an, via Medien oder mit offenen Symposien.

In eigener Sache stellte Dürr im Übrigen zum Thema Sicherheit und Gesellschaft einen Nachwuchskünstler-Wettbewerb in Aussicht - er habe in der Staatssammlung nichts passendes für sein Büro gefunden. Die etwa 10'000 Franken Preisgeld werde er selber bezahlen; die Jury werde fachkompetent besetzt.