AKW Fessenheim
Sicherheitsrayon wird erweitert - aber nur um 10 Kilometer

Die französische Umweltministerin Ségolène Royal erhöht den Gefahrenradius für AKW von 10 auf 20 Kilometer. Basler Politiker und atomkritische Verbände halten diesen Sicherheitsrayon für viel zu klein.

Peter Schenk
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Während Jodtabletten in Frankreich in einem Umkreis von 20 Kilometern um ein AKW verteilt werden sollen, liegt dieser in der Schweiz bei 50 Kilometern. (Archiv)

Während Jodtabletten in Frankreich in einem Umkreis von 20 Kilometern um ein AKW verteilt werden sollen, liegt dieser in der Schweiz bei 50 Kilometern. (Archiv)

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Die französische Umweltministerin Ségolène Royal hat angekündigt, dass der Sicherheitsrayon um französische AKW, der sogenannte plan particuliers d’intervention (PPI), von bisher 10 Kilometern neu auf 20 Kilometer erweitert werden soll. Wann die neue Bestimmung vom Verteidigungsministerium umgesetzt werden soll, ist noch nicht bekannt, berichtete die Zeitung «L’Alsace». Davon ist auch das AKW Fessenheim betroffen.

Die Entscheidung fiel, nachdem die nationale Organisation der Überwachungskommissionen zu französischen AKW vor kurzem forderte, den Sicherheitsrayon auf 80 Kilometer zu erweitern. Dies hätte auch Auswirkungen auf die Nordwestschweiz gehabt.

Diskussionen um Entschädigung laufen bereits

Der Betreiber des Atomkraftwerks Fessenheim, Electricité de France (EDF), hat mit dem französischen Staat die Verhandlungen über eine etwaige Entschädigung beim frühzeitigen Abschalten des AKW begonnen. Dies bestätigte CEO Jean-Bernard Lévy diese Woche gegenüber den «Dernières Nouvelles d’Alsace». Demnach hätte Umweltministerin Ségolène Royal einen Verhandlungsführer dafür ernannt. Thema sei auch die Entschädigung des deutschen Energiekonzerns EnBW, der sich für Bezugsrechte mit 17,5 Prozent an den Baukosten beteiligt hatte und der Schweizer Konzerne Alpiq, Axpo und BKW.

Sie sind je mit einem Anteil von 33,3 Prozent an der gemeinsamen Beteiligungsgesellschaft KBG beteiligt, die ein Bezugsrecht von je fünfzehn Prozent für jeden Block von Fessenheim hat. An den Rückbaukosten des AKWs muss sich weder EnBW noch KBG beteiligen. Eine politisch motivierte Stilllegung des Werks legitimiere aber die Zahlung von Entschädigungen, da KBG in die Anlage investiert hätte, so Alpiq-Mediensprecher Andreas Meier.
Immer noch unklar ist, wann der Erlass zum Abschalten von Fessenheim ergeht. Royal nannte stets Juni 2016. Laut Lévy und Präsident François Hollande könnte dies aber nun Ende Jahr werden. (psc)

Präfektur entscheidet

Der PPI wird von der jeweiligen Präfektur ausgerufen und umfasst ein Alarmsystem, die Organisation der Hilfskräfte, die Anordnung, Jodpastillen einzunehmen und sich in Sicherheit zu begeben sowie die eventuelle Evakuierung. Während die Jodtabletten in Frankreich nun in einem Umkreis von 20 Kilometern um ein AKW verteilt werden sollen, liegt dieser in der Schweiz bei 50 Kilometern.

Bei einem Sicherheitsrayon von 20 Kilometern ist die Schweiz nicht betroffen, allerdings deutsche Städte wie Breisach, Neuenburg und Müllheim.

100 Kilometer statt nur 20

André Hatz, Sprecher des elsässischen atomkritischen Verbands «Stop Fessenheim», betrachtete die Ausweitung des Sicherheitsrayon auf 20 Kilometer «als vollkommen ungenügend». Es müssten wenigstens 100 Kilometer sein. «Ausserdem sind wir dafür, dass es um das AKW Fessenheim eine reale Evakuierungsübung gibt. Man wird dann mit Sicherheit feststellen, was das für ein Durcheinander gibt», war er überzeugt.

Auch Helmut Hersberger, Basler Grossrat (FDP) und Präsident des Oberrheinrats, bezeichnete 20 Kilometer als zu wenig. «Irgendwo zwischen 50 und 80 Kilometern müsste der Rayon schon sein», sagte er gegenüber der bz. Er hat sich den Katastrophenschutz als eines der Hauptthemen für seine einjährige Präsidentschaft des Oberrheinrats auf die Agenda gesetzt.

Dieser ist ein parlamentarisches Konsultativorgan auf der Ebene des Oberrheins, der von der Nordwestschweiz über das Elsass und Südbaden bis zur Südpfalz reicht. Fessenheim soll auf der nächsten Vorstandssitzung Thema sein. Auf der Plenarversammlung am 6. Juni plant Hersberger eine Resolution zum Thema. Dabei betont er, dass die Konsequenzen bei einem schweren Zwischenfall in Gösgen oder Beznau ähnlich wie in Fessenheim seien.