Traditionen

Sie dürfen ja schon: Basler Zünfte werden nicht gezwungen, Frauen aufzunehmen

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Basler Zünfte und Ehrengesellschaften sollen auch Frauen aufnehmen, lautete die Forderung.

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Zünfte können nach eigenem Ermessen Frauen aufnehmen, sie müssen aber nicht. Die Bürgergemeindeversammlung schrieb eine entsprechende Vorlage der SP ab.

Alles beim Alten: Der Bürgergemeinderat will die umstrittene Formulierung in der Zunftordnung nicht anpassen, wonach an erster Stelle «männliche und wohlbeleumdete Bürger der Stadt Basel» in Zünften aufgenommen werden können. Ein Paragraf weiter unten steht nämlich: «Eine Zunft kann durch Beschluss der Zunftversammlung Frauen den Männern gleichstellen.»

Das reicht für den Bürgergemeinderat schon: Mit 21 zu 12 Stimmen haben sich die Bürgerlichen gegen die Forderung der SP gestellt, die Gleichstellung zwischen Frau und Mann zu schaffen. Die Sozialdemokraten hatten im September 2018 verlangt, dass der Bürgerrat die Zunftordnung genderneutral formuliert. Sie vertraten die Haltung, dass die bisherigen Formulierungen nicht genügten. «Mit diesen wird bekräftigt, dass Frauen in Zünften ein Sonderfall bleiben sollen», sagt Mahir Kabakci (SP). In der Debatte am Dienstagnachmittag bekräftigte die SP noch einmal ihre Position: Die Zunftordnung richte sich primär an Männer. Dass alle Zünfte und Korporationen in ihren Reglementen Frauen zulassen, ändere nichts daran. Für die SP-Fraktion sind diese Gesetzesartikel Reliquien einer voraufklärerischen Zeit, als Frauen nicht per se gleichgestellt waren.

Bürgerrat sieht keinen Handlungsbedarf

Für die Verfechter auf der bürgerlichen Seite besteht gar kein Handlungsbedarf. «Ich fühlte mich als Frau in meiner Zunft willkommen», erklärt Beatrice Isler (CVP). Eine knappe Mehrheit der Aufsichtskommission der Bürgergemeinde sowie der Bürgerrat betrachten es ähnlich: Zünfte seien keine Träger staatlicher Aufgaben und demzufolge nicht verpflichtet, Frauen aufzunehmen. Den Zunftbrüdern sei ja überlassen, ob sie Schwestern aufnehmen wollen. Das sei Gleichstellung genug, da die Zünfte ja ohnehin nicht von weiblichen Bewerbungen überhäuft werden.

Jan Goepfert (SP) erklärt dies damit, dass Frauen nicht willkommen seien, was die Bürgerlichen abstreiten. «Wo bleiben bei den Linken denn die Rednerinnen?», fragt Joël Thüring von der SVP. Für ihn bestehen die gesetzlichen Grundlagen für die Aufnahme von Frauen in Zünften sowohl in der Zunftordnung als auch in den Reglementen der einzelnen Zünfte bereits.

Es geht rein um den Grundsatz

Für die LDP-Bürgergemeinderätin Christine Wirz wäre eine Änderung der Reglemente eine unnötige Einschränkung der Selbstbestimmung der Zünfte. Auch Beatrice Isler bekräftigt: «Ich bin gegen einen Zwang.»

Dabei argumentieren die Linken erfolglos, dass Zünfte mit einer genderneutralen Formulierung im Gesetz nicht gezwungen wären, Frauen aufzunehmen. «Es geht rein um den Grundsatz: Welches Signal soll die Bürgergemeinde senden?», sagt Claudius Gelzer vom Grünen Bündnis. «Mit der aktuellen Formulierung bekräftigt der Bürgerrat, dass Frauen eine Ausnahme bleiben sollen. Dahinter kann ich nicht stehen.»

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