23 765 Personen haben letztes Jahr in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht. Ein Teil von ihnen in Basel. Sie werden vorübergehend im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) beim Otterbachzoll einquartiert, wo ihre Asylgesuche bearbeitet werden. Wöchentlich, ja sogar täglich, kommen neue Menschen an. Andere ziehen weiter. Wer bleibt, sind die Mitarbeitenden des Staatssekretariats für Migration (SEM) und das Betreuungs- und Sicherheitspersonal. Und diese haben – seit immer mehr Menschen aus Syrien und anderen Krisengebieten nach Europa kommen – alle Hände voll zu tun: «Der Druck und die Belastung sind natürlich gross», sagt Roger Lang, der Leiter des EVZ Basel. Das Betreuungspersonal ist täglich, das Sicherheitspersonal sogarrund um die Uhr im Einsatz. «Sie sind direkt mit den Sorgen, Nöten und Anliegen der Asylsuchenden konfrontiert», sagt Lang. «Und sie müssen viel auffangen.»

Aber auch die Mitarbeitenden des SEM, welche die Asylgesuche bearbeiten, spüren die Belastung: «Wir hören uns die Geschichten der Menschen an, die sehr nahe gehen können», sagt Lang. Wenn die Mitarbeitenden am Montag zurück zur Arbeit kommen, würden sich die Dossiers von Asylsuchenden, die am Wochenende angekommen sind, bereits auf den Pulten stapeln.

Wenig Personalwechsel

Allerdings gäbe es trotz der hohen Belastung nicht viele Personalwechsel. «Wenn, dann zu Beginn des Anstellungsverhältnisses», sagt Lang. Wer den Job schon lange mache, könne mit der Belastung umgehen. «Natürlich steht, wie bei anderen Tätigkeiten auch, die Work-Life-Balance der Mitarbeitenden immer im Raum», sagt Lang. Das habe einerseits mit der grossen Zahl von Asylsuchenden zu tun, die derzeit in der Schweiz ankommen. Gleichzeitig habe ihre Arbeit für die Asylsuchenden sehr weitreichende Folgen. «Als Vorgesetzter muss ich sicherstellen, dass die Arbeitsorganisation im EVZ optimal ist und meine Mitarbeitenden ihre Erfahrungen in Gesprächen immer wieder reflektieren können», sagt Lang.

Seit einigen Jahren hätten die Mitarbeitenden die Möglichkeit, Supervision in Anspruch zu nehmen. Sie könnten also mit einer aussenstehenden Person über Belastendes sprechen und sich beraten lassen. Das Angebot werde aber kaum genutzt. «Der stetige Austausch untereinander ist für uns nach wie vor am wichtigsten und entlastet», sagt Lang. «Wir setzen uns intensiv mit der Belastung auseinander.» Der Vorteil sei, dass die Arbeitskollegen die Situation aus eigener Erfahrung kennen, und trotzdem ihre Aussensicht einbringen können.

Eine besondere Herausforderung für die Betreuungspersonen sind auch die unbegleiteten Minderjährigen, die im EVZ untergebracht werden. Ihre Asylgesuche werden prioritär behandelt, damit sie so kurz wie möglich im EVZ bleiben.