Strafgericht
«Sie haben eine Show abgezogen» - Drei Jahre teilbedingt für Guru

Die Spenden- und Gebetsmasche eines 33-jährigen Inders stufte das Basler Strafgericht als gewerbsmässigen Betrug ein.

Patrick Rudin
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Das Basler Strafgericht

Das Basler Strafgericht

Keystone

«Man kann nur einen Schluss ziehen: Das Ganze war ein berechnender, grosser Schwindel», sagte Gerichtspräsident Dominik Kiener zur Urteilseröffnung. Die drei Richter verdonnerten den 33-jährigen Inder (bz vom Donnerstag) zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen gewerbsmässigen Betruges. Der Mann hatte von mindestens sechs, teilweise gesundheitlich angeschlagenen Geschädigten insgesamt 360 000 Franken an Spendengeldern gesammelt. Meist versprach er als Gegenleistung die Gebete von Waisenkindern in Indien: Je mehr Geld gespendet wird, desto mehr Kinder würden länger für die Spender beten.

Das Schweizer Strafrecht stellt immer auch die Frage nach der Opfermitverantwortung. «Niemand ist davor gefeit, Opfer zu werden. Sie haben sechs gebildeten Personen das Geld abgenommen, das ist letztendlich der beste Beweis, dass ihre Methode funktionierte», meinte Kiener dazu. Der Verteidiger des Inders hatte betont, auch der hiesigen Landeskirche könne man vorwerfen, dass sie unverhältnismässig hohe Summen in Gebete investiere. «Wenn man sich auf Gebetskräfte beruft, kann man nicht von Betrug sprechen. Hier geht es um Religionsfreiheit», so der Verteidiger in seinem Plädoyer.

«Wenn sie willkürlich Leute auf der Strasse ansprechen und beispielsweise das Zeichen Shivas sehen, hat das nichts mit Religion zu tun. Da verletze ich die Religionsfreiheit nicht, wenn ich sage, dass das einfach nur Humbug ist», sagte Kiener am Freitag in der Urteilsbegründung dazu. «Sie haben eine Show abgezogen. Sie haben Leute manipuliert, teilweise unter Druck gesetzt, teilweise auch verängstigt», so Kiener.

Fallstrick Nachforderung

Als er 50 000 Franken von einer Spenderin nachforderte, nachdem sie 100 000 Franken gespendet hatte, führte dies zur Strafanzeige. «Dieser grobe Fehler hat sie entlarvt: Nicht als Wohltäter, sondern als Geldeintreiber», sagte Dominik Kiener. In der Verhandlung sorgte der Angeklagte auch für Heiterkeit bei den drei Richtern. Auf die Frage, weshalb er seine Spender beim Geldabheben nie in die Bank begleitet habe, meinte er etwa, er habe damals Kopfschmerzen gehabt. Bis heute ist unklar, wo der Mann in der Schweiz gewohnt hatte und wo sein Hab und Gut geblieben ist. Nach der Festnahme behauptete er, sein Gepäck sei ihm am Vortag gestohlen worden. Alle Mobiltelefone des Mannes waren auf nicht existierende Personen registriert, Hintermänner konnten noch nicht ermittelt werden.

Staatsanwältin Eva Eichenberger hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten gefordert. Das Appellationsgericht hatte aber bereits die lange Verfahrensdauer gerügt. Das Gericht reduzierte das Strafmass deshalb auf 36 Monate teilbedingt: 18 Monate muss der Mann absitzen, 18 Monate gibt es auf Bewährung. Da der Mann seit Mai 2015 wegen Fluchtgefahr im Gefängnis sitzt, wird er in sieben Monaten entlassen und nach Indien zurückgeschickt.

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