Am Schluss gibt es sogar Geschenke. Jeder Gast der Kundenweihnacht verlässt das Kleinbasler Union mit einer Tragtasche mit Süssigkeiten und warmen Socken drin – so will es die Tradition.

Vorher haben die rund 300 Besucher des Weihnachtsfests für Randständige «Stille Nacht» und «O Du fröhliche» gesungen, der Posaunenchor des CVJM Riehen hat bekannte Weihnachtsmelodien gespielt.

Es wurde die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, wie man das an diesem christlichen Feiertag eben tut. Auf den langen Festtischen, wo der traditionelle Weihnachtsschinken mit Kartoffelsalat serviert wird, sind Tannenzweige und Kerzen, im gedämpften Licht ist die Stimmung richtig weihnachtlich.

Ja, es gibt sogar einen geschmückten Tannenbaum an der «Kundi», wie es sich für richtige Weihnachten gehört. Denn an der «Kundi», wie die Weihnachtsfeier des CVJM Riehen seit 125 Jahren genannt wird, sollen Randständige Weihnachten wie alle anderen feiern können.

Doch der alljährlich stattfindende Anlass ist mehr als nur Ersatzweihnachten. «Es ist wie eine Familie hier», sagt eine Frau. Sie trifft hier immer die gleichen Leute, die sie unter dem Jahr kaum je sieht.

«Wir haben alle das gleiche Schicksal.» Und sie erzählt, dass sie fünfmal umziehen musste, weil kein Vermieter sich mit ihr abfinden wollte. «Nur hier an der Kundi werde ich so akzeptiert, wie ich bin.»

Für Handwerksgesellen gedacht

Als die Kundenweihnacht vor 120 Jahren entstand, war sie für Menschen ohne festen Wohnsitz gedacht, etwa die «Kunden», wie man damals die Handwerksgesellen nannte.

«Ich habe erwartet, dass es hier viel wilder zugeht, mit vielen Obdachlosen», sagt eine junge Frau, die zum ersten Mal an der Kundi ist. «Jetzt bin ich überrascht, wie ruhig alles abläuft.» Das habe vielleicht damit zu tun, dass es keinen Alkohol gebe, meint ihr Sitznachbar.

Zur friedlichen Stimmung beitragen dürften die 30 Freiwilligen, die ohne Hektik das Essen servieren. Die Gäste dürfen sich bedienen lassen, für viele eine einzigartige Erfahrung. «Einfach wie ein König» fühlt sich ein älterer Herr mit grauem Bart und vertilgt die dritte Portion Schinken.

Von einem König spricht auch Thawm Mang. Der Diakon der evangelisch-reformierten Kirche hält die Weihnachtspredigt. Seine Botschaft: «Wir dürfen Kinder eines Königs, nämlich von Gott, sein.» Deshalb sei eigentlich jeder Mensch ein König, lautet seine Schlussfolgerung.

Mit Leuten am Rande der Gesellschaft, die mit dem christlichen Glauben wenig zu tun haben, kennt er sich aus. Denn er leitet seit einigen Jahren das «Sonntagszimmer» in der Matthäuskirche.

Darum bleibt er an der Kundi nicht zu theologisch, sondern sagt ganz Konkretes: «Das schönste Weihnachtsgeschenk für Sie ist die schöne Stimmung, die Sie heute geniessen dürfen.»

Während der Predigt ist es mucksmäuschenstill – aber was bleibt bei den Zuhörern von der Weihnachtsbotschaft hängen? «Wichtig ist doch vor allem die Stimmung hier», sagt ein älterer Herr.

«Es ist alles so friedlich, die Kerzen die Weihnachtsmusik ... und das Beste ist: Wir werden bedient, einfach so! Das passiert doch einem wie mir sonst nie.» Zum fünften Mal ist er an der Kundi, immer mit seiner Frau, dieses Mal auch mit ihrem Sohn. Weihnachten hat die Familie sonst nirgends gefeiert.

«Auch zusammen kann man sich manchmal einsam fühlen», sagt der Vater, seine Frau lächelt verlegen. Mitgenommen haben die beiden auch eine jüngere Frau. «Ich habe früher mit den Kindern Weihnachten gefeiert», sagt sie. «Heute nicht mehr.»

Sie hat ihre Mutter mitgenommen, die seit dem Tod ihres Mannes ganz in Schwarz gekleidet ist. Deutsch spricht sie nicht – aber die Weihnachtsstimmung zeichnet ein Lächeln auf ihr Gesicht.