Stadtreinigung
Sie sind «klobig und plump»: Neue Abfallkübel werden in Basel zum Politikum

Grossrat Stefan Wittlin (SP) stellt der Regierung kritische Fragen.

Patrick Marcolli
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Die neuen Solarmistkübel stehen schon am Kleinbasler Rheinufer. Sie pressen den Abfall automatisch und melden selbständig, wenn sie voll sind.

Die neuen Solarmistkübel stehen schon am Kleinbasler Rheinufer. Sie pressen den Abfall automatisch und melden selbständig, wenn sie voll sind.

Nicole Nars-Zimmer

Sie zieren bereits das Kleinbasler Rheinufer - oder sollte man sagen: verunstalten? Die neuen Pressabfallkübel des Kantons Basel-Stadt werden in den kommenden Jahren sämtliche existierenden zylinderförmigen Abfallkübel ersetzen. Anfang dieses Monats hat das Bau- und Verkehrsdepartement bekannt gegeben, dass 1'000 Stück des Typs in den kommenden fünf Jahren auf dem ganzen Stadtgebiet aufgestellt werden. Kostenpunkt: Sechs Millionen Franken, also 6'000 Franken pro Stück.

Stadtreinigung will 1,5 Millionen jährlich sparen

Die ersten Exemplare wurden inzwischen bereits platziert, nämlich hauptsächlich am Kleinbasler Rheinufer. Andere folgen bei den beiden grossen Bahnhöfen, SBB und Badischer Bahnhof. Der solarstrombetriebene Kübel kann – je nach Modell – das reguläre Fassungsvermögen von 120 und 240 Litern auf 500 beziehungsweise 1'000 Liter Abfall «verdichten», ist mit einem Aschenbecher und Robidogsack-Spendern ausgestattet und übermittelt, als wichtigstes Feature, elektronisch seine Füllstände an die Stadtreinigung. Diese hofft dadurch auf 1,5 Millionen Franken an jährlichen Einsparungen.

Doch nun regt sich Widerstand aus der Politik. SP-Grossrat und Architekt Stefan Wittlin hat vor wenigen Tagen eine Interpellation mit kritischen Fragen zur Neuanschaffung eingereicht. Ihn interessiert unter anderem die ästhetische Komponente. «Das ausgewählte Modell wird unserem Anspruch an die Gestaltung des öffentlichen Raums nicht gerecht», moniert er im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie wirkten in der Formgebung «klobig und plump».

Es gäbe eine Alternative

Er will deshalb wissen, wie die gestalterische Qualität und die Einfügung in die Umgebung bei der Anschaffung beurteilt worden sind. Laut Auskunft des Bau- und Verkehrsdepartements wurde beim Auswahlverfahren die ästhetische Komponente zumindest formal korrekt mitberücksichtigt: Die kürzlich von der Politik entmachtete Stadtbildkommission hat ihren Segen dazu gegeben.

Das ausgewählte Modell wird unserem Anspruch an die Gestaltung des öffentlichen Raums nicht gerecht.

(Quelle: Stefan Wittlin, Architekt und Grossrat)

Tatsächlich gäbe es auf dem Markt der modernen Abfallbehälter eine Alternative: Sie heisst Solar-Presshai und ist, wie die bestehenden Modelle, zylinderförmig. Die Veränderung im Stadtbild wäre deshalb bei weitem nicht so eklatant. Das Auswahlverfahren des Tiefbauamts hat der Presshai aber nicht bestanden – offenbar ist bei diesem Modell der Leerungsvorgang aufwändiger.

Stellen sollen keine abgebaut werden

Grossrat Wittlin stört sich jedoch nicht nur an der Ästhetik der neuen Abfallbehälter. Er kritisiert auch deren etwas kompliziertere Handhabung. Das Modell hat keine «konstante Öffnung», wie er schreibt, sondern eine Klappe, die von Hand oder mit dem Fuss betätigt werden muss. Seine Befürchtung: Für Passantinnen und Passanten ist dies ein Zusatzaufwand - und es komme zu mehr Littering.

Wittlin befürchtete zudem, dass die prognostizierten 1,5 Millionen Franken an Einsparungen bei der Stadtreinigung zu Entlassungen führen könnten. Ihm sei jedoch glaubhaft versichert worden, dass dies nicht der Fall sein werde, sagt er zur bz.

Wittlin möchte Änderungsantrag einbringen

Um seiner Kritik mehr politischen Druck zu verleihen, möchte Wittlin diese Woche einen Änderungsantrag in die Budgetdebatte des Grossen Rats einbringen. Er will die knappe halbe Million Franken, die im kommenden Jahr für die nächste Tranche Abfallkübel vorgesehen ist, streichen und so erreichen, dass die «schlichten, bewährten» Modelle im Einsatz bleiben. Ein diesem Antrag folgendes Budgetpostulat wiederum soll 688'000 Franken «zur Aufrechterhaltung des bestehenden Personalbestands» bei der Stadtreinigung sichern. Die Unterstützung seiner Fraktion hat Wittlin auf sicher.