Ronny Franz Buth sperrt regelmässig andere Menschen in einen Raum ein und schaut dann dabei zu, wie sie versuchen auszubrechen. Manager, Schüler, Freunde, Junggesellen oder Pärchen: Menschen aller Art sind seine freiwilligen Opfer. Doch Buth ist weder ein Sadist noch bei Big Brother. Der 37-Jährige ist Gamemaster bei Room Escape. In diesem Spiel haben die Teilnehmer genau 60 Minuten Zeit, zahlreiche Rätsel zu lösen und sich aus dem Zimmer zu befreien. Manchmal muss Buth – obwohl er alleine vor dem Computer sitzt – lachen, ab dem, was sich auf seinem Bildschirm abspielt. «Die Menschen kommen manchmal schon auf sehr eigenwillige Lösungsansätze», sagt er.

Auch heute hat sich eine fünfköpfige Gruppe in den Räumlichkeiten am Voltaplatz angekündigt, die das Rätsel «Der Fluch des Yama» lösen will. «Wer auf die Toilette muss, soll das bitte jetzt noch erledigen. Während dem Spiel ist das nicht möglich» sagt Buth. Bevor er dann seine Kunden einschliesst, weisst der Gamemaster noch darauf hin, dass nicht Muskeln, sondern der Verstand genutzt werden möge. «Ihr dürft zwar alles anfassen, aber denkt an die Gesetze der Physik. An Steckdosen und Glühbirnen muss nicht rumgefummelt werden, um die Rätsel zu lösen.»

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen ist, zieht sich Buth in seine Zentrale zurück und setzt den Kopfhörer auf. Jetzt hat er nicht nur Augen, sondern auch Ohren im verschlossenen Raum. «Um bei Bedarf jederzeit die richtigen Tipps geben zu können, will ich immer bei der Gruppe sein», sagt er. Eigentlich läuft das ausgeklügelt programmierte Spiel jetzt von alleine. Der Gamemaster könnte vom Computer aus zwar manuell Schlösser öffnen, doch davon macht Buth nie Gebrauch. Er tritt erst dann wieder in Erscheinung, wenn sein Walkie-Talkie klingelt und die Teilnehmer seine Hilfe erbitten.

Lieblingsopfer Pärchen

Während die Gruppe den ersten Teil des Rätsels löst, hat Buth Zeit zu plaudern: «Für uns Spielleiter ist es immer wieder spannend, zu sehen, wie sich das Verhalten einzelner Personen unter Zeitdruck verändert und damit die ganze Gruppendynamik gelenkt wird», sagt er und geht zu einigen Anekdoten über. Buth erzählt von einer sichtlich bekifften Gruppe, die kaum etwas zustande brachte. Von Schülergruppen, die ständig nur nach Tipps verlangen, statt selber über des Rätsels Lösung zu grübeln. Und von Pärchen, deren Beziehung während dieser Stunde auf eine härtere Probe gestellt wird. «Da schaue ich besonders gerne zu. Das Verhalten während Room Escape ist ein Spiegel für die Beziehung», sagt Buth und schmunzelt.

Nach furiosem Start harzt es im Escape Room. Buth erkennt das: «Wenn sie es rechtzeitig schaffen wollen, brauchen sie Hilfe.» Per Mausklick schaltet er immer wieder eine Lampe im Raum an und aus, um die Besucher in diese Richtung zu locken. Doch die Fünfergruppe ist zu sehr in Diskussionen verstrickt und achtet nicht auf den Hint.

Schliesslich klingelt das Walkie-Talkie. Erst durch einen mündlichen Tipp kommt die Gruppe wieder auf die richtige Spur. Später muss der Gamemaster noch zweimal zum Walkie-Talkie greifen. Mehr als fünf solcher Hinweise gibt Buth aber nie. «Das Spiel soll ein Erlebnis bleiben.» Die Uhr zeigt 58 Minuten und 11 Sekunden als sich die letzte Tür öffnet und die Gruppe erleichtert und glücklich aus dem Raum tritt. «Glückwunsch!», sagt Buth zum Abschied. Nur 49 Prozent schaffen es rechtzeitig.

Nachdem sich die Gruppe verabschiedet hat, beginnt für Gamemaster der Stress. Er muss alles wieder so herrichten, dass die Nächsten rechtzeitig starten können. Da kommt es schon mal vor, dass ein Objekt beispielsweise nicht am richtigen Ort platziert ist. «Aber einen guten Gamemaster zeichnet es aus, dass diese seltenen Fehler keinen Einfluss auf das Gesamterlebnis haben», sagt Buth.