Platzmangel

Sie stehen kreuz und quer: Das Velochaos am Bahnhof weitet sich aus

Die offiziellen Veloparkplätze in Basel sind völlig überfüllt. Das beschlossene Velo-Parkplatzkonzept liegt seit 2012 auf Eis. Während sich VCS und Pro Velo über die Verschleppung ärgern, schieben sich der Kanton und die SBB gegenseitig den Ball zu.

Wer rund um den Basler Bahnhof SBB einen Parkplatz für sein Velo braucht, sucht lange oder vergebens. Ob Göppel, E-Bike oder Fixie: Die insgesamt rund 3000 offiziellen Parkplätze sind hoffnungslos zugestellt. Das Veloparking unter dem Centralbahnplatz platzt aus allen Nähten und auf der Gundeli-Seite unter der Passerelle verkeilen sich weit mehr Räder, als der für 730 Velos dimensionierte Platz fassen mag. Der Ständer vor der BIZ ist auch voll.

Und weil mit den Frühlingstemperaturen wieder mehr Leute vom Drämmli aufs Velo umgestiegen sind, hat es auch unter den unzähligen «Velo anstellen verboten»-Schildern keinen Platz mehr. Sie stehen vor dem Coop, an der Bushaltestelle und vor dem Erlentor sind sogar Velos an Bauabschrankungen, Bäume und Ampelpfosten gekettet.

Das Konzept ist ein Papier

Die Misere ist längst erkannt. 2012 haben die SBB gemeinsam mit der Abteilung Mobilität des Bau- und Verkehrsdepartementes (BVD) das «Konzept für Veloabstellplätze am Bahnhof Basel SBB» vorgestellt. Doch ausser Papier ist davon bisher nichts sichtbar. Als rasch umsetzbare Entlastungsmassnahme sollten gemäss Konzept an der Centralbahnstrasse 200 Abstellplätze entstehen. Gestern stand auf dem breiten Trottoir zwischen dem Eingang zu den Gleisen 1 bis 4 und dem Zugang zur Post nur eines: ein Lieferwagen. Dass die SBB bis heute die versprochenen Veloparkplätze nicht markiert hat, ärgert Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel. «Wir verlangen, dass das BVD und die SBB endlich vorwärts machen.»

Fuchs akzeptiert nicht, dass es bei einem «Lippenbekenntnis» bleibt. «Meiner Meinung nach wäre es eine Kleinigkeit, vor dem Dienstgebäude Ost einen Abstellplatz zu schaffen: den Randstein absenken, markieren, Vorderradständer platzieren, fertig.» Sie sehe kein Argument, warum das noch nicht gemacht sei: «Das BVD hat das versprochen und terminiert.» Sie gibt zu bedenken, dass die Veloparkplatz-Knappheit nicht nur für die Bahnkunden mühsam sei, da der Bahnhof immer mehr zum Dienstleistungszentrum werde. «Die Leute gehen einkaufen, zum Zahnarzt und in die Physio.» Unzufrieden ist auch Roland Chrétien, der Geschäftsführer von Pro Velo: «Man könnte zumindest erwarten, dass ein Termin für den Spatenstich bekannt ist.»

Wer macht den nächsten Schritt?

Laut Konzept ist ebenfalls geplant, den Parkplatz auf der Gundeldinger-Seite unter der Passerelle mit einem zweiten, nicht überdachten Parkplatz links der Passerelle zu ergänzen. Doch auch von diesen 500 zusätzlichen Parkplätzen ist noch nichts zu sehen. Anfang Jahr haben die SBB lediglich ein Gesuch gestellt, um die Glaskuppen zwischen dem Ausgang Gundeli und dem Südpark abzureissen. Sie ist den Fussgängern zwischen Passerelle und Eingang zum Coop im Weg.

Jörg Vitelli, SP-Grossrat, Mitglied von Pro Velo und Velohändler, sagt es klipp und klar: «Es besteht Handlungsbedarf.» Er habe selbst schon oft die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, beim Bahnhofeingang Gundeli einen Veloparkplatz zu finden. Problematisch sei, dass immer mehr Töfffahrer unter der Passerelle parkieren. «Einmal habe ich dort über hundert parkierte Töffs gezählt.» Vitelli versteht nicht, weshalb bereits asphaltierte Plätze wie beispielsweise derjenige zwischen der Güter- und der Meret Oppenheimstrasse nicht für Veloabstellplätze genutzt werden. Insgesamt fordert Pro Velo eine bessere Bewirtschaftung der Parkplätze. «Es wird dort viel zu selten kontrolliert», moniert Geschäftsführer Roland Chrétien, viele Plätze seien durch Veloleichen belegt. «Und nur schon 100 zusätzliche Plätze würden die Situation entspannen.»

Allerdings schieben sich der Kanton und die SBB bei der Umsetzung von Entspannungsmassnahmen gegenseitig den Ball zu. Martin Sandtner, Leiter des Planungsamts im BVD, sagt: «Die politischen Richtlinien für die Umsetzung des Konzepts für Veloabstellplätze sind gesetzt. Der Ball liegt jetzt bei den SBB.»

Zurückhaltung bei den SBB

Diese äussern sich äusserst zurückhaltend bezüglich zukünftiger Veloabstellplätze. Vorgesehen sei die Erstellung von 200 Abstellplätzen bei der Centralbahnstrasse, heisst es auf Anfrage. Zusätzlich würden gemäss der Auflage des Parlaments im genehmigten Bebauungsplan für den Westflügel des Bahnhofs 700 Veloabstellplätze geschaffen. «Wo diese genau zu stehen kommen werden, ist zum heutigen Zeitpunkt noch in Diskussion», so die Mediensprecherin der SBB, Franziska Frey.

Und wie es längerfristig weitergehen wird, wenn der Veloparkplatz unter der Passerelle einer Gleiserweiterung weichen muss, ist ebenfalls noch nicht ganz klar. Dann plant die SBB einen grossen Veloschwerpunkt-Süd zu errichten mit bis zu 2400 unter- und oberirdischen Abstellplätzen. Bis es so weit ist und das Projekt ein Gesicht annimmt, dürfte es aber noch ein paar Jahre dauern.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1