Hat der Löwe keinen Appetit? Humpelt der Wolf? Ist das Bein des Okapis geschwollen? Wenn die Pfleger im Zolli so etwas beobachten, rufen sie den Tierarzt an und transportieren den Patienten in die Zolli eigene Praxis. Zuerst aber muss das Tier einfangen werden. Das ist ein Fall für Tierarztgehilfin Tina Hoby.

Vor ein paar Tagen entdeckte ein Tierpfleger einen Graumull mit geschwollener Pfote. Normalerweise benutzt Hoby fürs Einfangen ein Netz. Aber bei diesem Nagetier mit den zurückgebildeten Augen und Ohren zog sie Gartenhandschuhe an: «Mit seinen scharfen Schneidezähnen kann der Graumull durch alles beissen.» Hat sie das verletzte Tier erwischt, wird es in den OP gebracht. Dabei muss Hoby auf einiges achten: Der Graumull muss schnell mit Gas narkotisiert werden. «Bei kleinen Tieren ist es schwierig, die richtige Dosis zu finden.» Zudem darf das Tier nicht unterkühlt sein. Noch bevor es auf dem Operationstisch liegt, muss die Tierarztgehilfin die Medikamente und Operationsbestecke bereitlegen, damit der operative Eingriff nicht zu lange dauert.

Schlafen die Löwen wirklich?

Das Betriebsgebäude, in dem die Operationen durchgeführt werden, gibt es in seiner Grösse und Ausstattung erst seit Anfang 2013. Es ist aufgeteilt in einen Behandlungsraum, einen Operationssaal, einen Röntgen- sowie Sektionsraum, ein Tierzimmer, in dem Tiere separiert werden können, sowie in ein Lager. Vor 2013 mussten die Tierärzte und deren Assistenten zum Röntgen zuerst nach draussen und dann in einen anderen Raum gehen. Hinzu kam ein altes Röntgengerät, das für die Bilder mehrere Minuten brauchte. Man musste damals darauf achten, dass die gefährlichen Tiere wie die Löwen in ihrer Narkose genug tief schliefen, weil die Entwicklung des Films im selben Raum stattgefunden hat und dieser abgedunkelt werden musste, erinnert sich Tina Hoby.

Ihr ganzer Stolz ist die Blutbank

Die Zolli-Tierärzte behandeln im OP nur Tiere bis zu einer Maximal-Grösse eines Bären. Die Grösseren werden in ihrem Käfig untersucht, erzählt Tina Hoby. Um die grossen Tiere wie Löwen oder Elefanten in Narkose zu versetzen, benutzen die Tierärzte ein Rohr, aus dem sie eine Spritze blasen. Bis zu zehn Meter Entfernung können sie mit dieser das Hinterteil der Tiere treffen. «Die Haut der Tiere ist nicht immer gleich. Wildschweine beispielsweise kommen zwar nahe ans Gehege, ihre Haut allerdings ist sehr dick. Deshalb wird hier das stärkere Narkosegewehr verwendet.»

Auf eine Sache ist die 33-Jährige besonders stolz: Sie hat in den letzten sieben Jahren eine Blutbank aufgebaut. In dieser wird das Blut aller Tiere, die seither im Zolli untersucht worden sind und Proben, die von früheren Jahren vorhanden waren, in einem Röhrchen im Kühlschrank bei einer Temperatur von minus 20 Grad aufbewahrt.

Ein Teil des Blutes werde untersucht, der andere eingefroren. Mittlerweile verwaltet Hoby gegen 6000 Blutproben von rund 2000 Individuen. «Anhand des Blutes können wir zum Beispiel noch ungenügend erforschte Krankheiten untersuchen oder die Tierhaltung verbessern», ist sie überzeugt. Im Computer schaut sie nach, von welchem Zolli-Tier die erste Probe stammt. Sie ist vom Malaienbär Rasa aus dem Jahr 1981. Seine Daten wurden damals noch von Hand erfasst.

Neben dem Assistieren während Operationen, dem Unterhalt der Tierarztstation und dem Bewirtschaften der Blutbank untersucht Tina Hoby den Kot aller Zolli-Tiere, um festzustellen, ob eines an Würmern oder anderen Parasiten leidet. Langweilig wird es ihr in ihrem Job nie. «Es gibt bei mir keine Routine. Jeder Tag verläuft anders als der Vorherige.» Immer wieder würden Leute im Zoo verletzte Tiere abgeben, die sie irgendwo gefunden haben. Zudem macht sich Tina Hoby auf die Suche nach Gegenständen ausserhalb des OPs, um die Behandlungen von Tieren zu verbessern. «Wir haben ein Schulhaus angefragt, ob sie alte Matratzen für uns haben. Wir haben dann welche bekommen, auf die wir den Elefantenbullen bei der Stosszahnoperation legen konnten.»

Wölfe bedeuten ihr viel

Mit Tieren in freier Natur zu arbeiten war schon als Kind Tina Hobys Traum. Ein Lieblingstier hat sie nicht, aber: «Ich habe früher mit Schlittenhunden zusammengearbeitet. Deswegen stehen mir die Wölfe sehr nahe.» Mit der Tatsache, dass immer wieder Tiere Krankheiten nicht überleben, kann sie mehr oder weniger gut umgehen. «Die Menschenaffen sind uns Menschen natürlich sehr ähnlichen. Deswegen ist es mir nahe gegangen, als der Silberrücken Kisoro gestorben ist.»