Vor einem Jahr stand sie plötzlich wieder im Rampenlicht: 50 Jahre Frauen im Basler Grossen Rat galt es zu feiern. Louise Stebler war eine der 14 Politikerinnen, die 1968 das Kantonsparlament aufmischten. Aber das Mitglied der kommunistischen Partei der Arbeit (PDA) wollte ihre Person nicht in den Vordergrund stellen. «Meinetwegen bin ich eine historische Figur», sagte die damals quicklebendige Frau bei einem Besuch in ihrer Eigentumswohnung beim Schützenmattpark. Viel lieber sprach sie über politische Inhalte, über die Friedensbewegung und die damalige Frauensolidarität im Grossen Rat.

Stebler kam am 3. Juli 1924 in Zürich zur Welt. Als sie fünf Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Basel. Politisiert wurde sie in ihrem Elternhaus, mit 17 Jahren trat sie der damals verbotenen kommunistischen «Freien Jugend» bei. Nach der Matur am Basler Mädchengymnasium übernahm sie das Optikergeschäft ihres Vaters. 1968 wurde sie in den Grossen Rat gewählt – zusammen unter anderem mit der Märlitante Trudi Gerster (LdU) und der Gymnasiallehrerin Gertrud Spiess (CVP), die später als erste Grossratspräsidentin und baselstädtische Nationalrätin in die Geschichte einging.

Gerne erinnerte sich Stebler an die parteiübergreifende Solidarität unter den neuen Grossrätinnen, die von Steblers PDA ganz links bis zur bürgerlichen LDP reichte. «Wenn Themen auf der Traktandenliste standen, die für uns Frauen wichtig waren, trafen wir uns eine halbe Stunde vor der Sitzung und sprachen uns ab», sagte sie. Sehr oft mit erfolgreichem Ausgang.

Im Rat fühlte sich die Linksaussen-Politikerin nie ausgeschlossen, im Alltag bekam sie aber Ressentiments zu spüren. Einmal sei das Schaufenster ihres Optikergeschäfts eingeschlagen worden, erinnerte sie sich. Und auch der etwas befremdliche Umstand, dass sie als Kommunistin seit den 1950er-Jahren in einer gediegenen Eigentumswohnung lebte, hat paradoxerweise mit ihrem politischen Engagement zu tun: «Als Kommunisten hatten wir auf dem Mietwohnungsmarkt keine Chance.»

Am 12. Februar ist die engagierte, aber auch charmante politische Kämpferin mit 94 Jahren gestorben. Es sei ein «sanfter Alterstod» gewesen, schreibt ihre Familie in der Todesanzeige.