Die zahllosen Politiker, die sich in die Debatte zur Fusion des Universitätsspitals Basel (USB) mit dem Kantonsspital Baselland (KSBL) zu Wort melden: Sie wollen ja nur das Beste. Für die Patienten, für die Steuerzahler, für die Prämienzahler. Kaum durchleuchtet wurde bisher, dass hinter dem Engagement auch handfeste Eigeninteressen stehen. Gleich mehrere Wortführer sitzen in Verwaltungsräten von öffentlich-rechtlichen oder privaten Spitälern.

Der frühere Basler Stadtpräsident Guy Morin (Grüne) setzt sich vehement für die Spitalfusion ein, der Grossrat Patrick Hafner (SVP) ist dagegen. Morin sitzt beim (öffentlich-rechtlichen) Felix Platter-Spital im Verwaltungsrat. Sein Engagement sorgt kaum für Irritationen, da die Meinung seiner Partei derjenigen seines Arbeitgebers nicht widerspricht. Hafner sitzt im Verwaltungsrat der Rehab Basel und lehnt die Spitalfusion entgegen der Mehrheit seiner eigenen Partei ab. Dies sei kein Problem, wie Parteipräsident Lorenz Nägelin betont. «Alle sollen sich zum Thema äussern können – die Privatspitäler sagen eben klar Nein zu dieser Fusion.»

Auch Ex-Fussballer Beni Huggel äussert sich auf Twitter zur Spitalfusion. Der frühere FCB-Profi hält der bz vor, sie habe mit dem Leitartikel für die Spitalfusion die falsche Parole gefasst.

Was die wenigsten wissen: Huggel sitzt bei der Muttenzer Rennbahnklinik im Verwaltungsrat und vertritt damit auch die Haltung seines Arbeitgebers.

Schenkers Bewerbung

Kritik ist aber vor allem Silvia Schenker ausgesetzt. Die Basler SP-Nationalrätin sitzt für das Unispital im Verwaltungsrat. Das Dilemma: Das USB ist für die Fusion – ihre Partei klar dagegen. Statt in Deckung zu gehen, hat sie sich für die volle Offensive entschieden. Sie hält dabei ihrem Arbeitgeber die Stange, wirbt für eine Fusion der beiden Spitäler – und bekämpft damit die Genossinnen und Genossen. Parteipräsident Pascal Pfister sagt, was er davon hält: «Dass sich Silvia Schenker so vehement ins Zeug legt, ist zumindest unüblich. Ich bin enttäuscht», sagt er. Auch wenn sie als Verwaltungsrätin des Unispitals eine Doppelfunktion habe: «Die Meinung der SP Basel-Stadt zur Spitalfusion ist sehr eindeutig.»

Was bisher nicht bekannt war: Schenker erhofft sich, auch im zukünftigen «Universitätsspital Nordwest» eine gewichtige Rolle zu spielen. Die Anfrage, ob sie sich für den Verwaltungsrat beworben habe, bringt sie in Verlegenheit. Sie bittet um Bedenkzeit, ehe sie zurückruft und bestätigt. Sie begründet ihre Bewerbung so: «Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und es ist auch ein Zeichen, dass ich hinter dem Projekt stehe. Ich habe es schliesslich auch im Verwaltungsrat mitgetragen.»

Offiziell will niemand Kritik an Schenkers Ambitionen anbringen. Auch Schenkers grosser Widersacher bei der Spitaldebatte, SP-Grossrat Kaspar Sutter, sagt: «Ich möchte mich dazu nicht äussern.» Andere direkt involvierte Politiker halten sich zurück, etwa Schenkers Parteikollegin Beatriz Greuter. Die SP-Grossrätin ist Direktorin der privaten Hirslanden Klinik Birshof in Münchenstein. Als Spitalfusionsgegnerin ist sie nicht in Erscheinung getreten.

Greuter sagt: «Die SP hat schon genügend gute Gesundheitspolitiker. Wenn ich mich engagieren würde, dann gäbe es einen komischen Fokus.» Sie will aber diejenigen nicht kritisieren, die sich bei der Spitaldebatte in einer Doppelrolle befinden. «Das soll jeder für sich selbst entscheiden.»