«Ignorance Unlimited»

Sie wollten gegen Blutgold protestieren – jetzt stehen sie vor Gericht

Basel World 2019. Eröffnungstag. Veränderungen, Eindrücke und Stimmungsbilder. Halle mit den Edelsteinen und Perlen

Baselworld 2019

Basel World 2019. Eröffnungstag. Veränderungen, Eindrücke und Stimmungsbilder. Halle mit den Edelsteinen und Perlen

Drei Aktivisten wollten 2018 an der Baselworld auf Blutgold aufmerksam machen. Doch die Polizei verhinderte die Aktion frühzeitig. Die geplante zerplatzte wortwörtlich.

«Basel Kills World.» Dieser Slogan sollte im März 2018 auf einem Transparent stehen, das von Ballonen an die Decke der Messe in Basel getragen werden sollte. Doch es kam anders: Die Polizei bekam Wind vom Vorhaben dreier Aktivisten und stoppte sie, bevor sie die Ballone steigen lassen konnten. Sie beschlagnahmten das acht Quadratmeter grosse Transparent, zerstachen die Ballone und kontrollierten die Aktivisten.

Am kommenden Mittwoch müssen sich die drei vor dem Basler Strafgericht verantworten. Ihnen wird «grober Unfug» vorgeworfen. Dabei handelt es sich um eine Übertretung, die mit Haft oder Busse geahndet werden kann. Zur Gerichtsverhandlung kommt es, da die Aktivisten Einsprache gegen den Strafbefehl mit einer Busse erhoben hatten.

Aktenvermerk im Einbürgerungsverfahren

Gegenüber der bz berichten die Beschuldigten nun über die Hintergründe der Aktion vom 22. März 2018. Die Aktivisten wollten darauf aufmerksam machen, dass an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld Gold gehandelt wird, das in Zusammenhang mit Umweltschäden und Menschenrechtsmissbrauch steht. «Wenn der Kanton Basel-Stadt als Hauptaktionär der Messe Basel die Verbindung dazu akzeptiert und gar feiert, dann will ich nicht nur zuschauen», sagt Nicole Gisler, eine der Beschuldigten. Die 27-jährige Studentin sieht sich als Person aus der Zivilgesellschaft. Und als solche will sie morgen auch vor Gericht erscheinen. Sie sagt: «Die Staatsanwaltschaft macht sich mit dem Vorwurf des groben Unfugs lächerlich.» Für sie sei damals schnell klar gewesen, dass weder der Kanton noch die Polizei sich für die Kritik an der Baselworld interessierten. «Das war in der Öffentlichkeit nicht erwünscht.»

Auch Roberto Lopez ist des «groben Unfugs» beschuldigt. Er sagt: «Es ist eine enttäuschende Entwicklung. Wir sollen bestraft werden dafür, dass wir unsere Meinungsfreiheit ausübten.» Der Vorwurf der Störung der Öffentlichkeit versteht Lopez nicht. «Sie hat gar nicht stattgefunden. Unsere Aktion wurde ja komplett verhindert.» Er meint, die Staatsanwaltschaft würde eine Möglichkeit zur Sanktion suchen. «Dabei hätte die Polizei uns damals schützen müssen, unsere Meinung frei zu äussern», so der 52-Jährige. Er befindet sich mitten im Einbürgerungsverfahren: «Es ist zwar nur eine Übertretung, aber dennoch wird die Verurteilung in meinen Akten vermerkt. Das ist gerade für mich als Ausländer unangenehm.»

Beschuldigte kämpfen ohne Anwalt gegen Verurteilung

Die drei Beschuldigten werden am Mittwoch gemeinsam vor Gericht erscheinen – ohne Anwalt. Aufgrund der hohen Kosten hätten sie sich dazu entschieden, sich selber zu vertreten, sagt Gisler. «Wir sind sattelfest in unserer Argumentation.» Vor Gericht wollen sie «für ihre Ideale hinstehen». Gisler: «Mit den Konsequenzen muss ich leben.»

Die Aktivisten handelten an der Baselworld unter dem Namen «Ignorance Unlimited». So nennt sich die «aktivistische Kulturplattform», die in der Vergangenheit mehrmals mit Aktionen – vor allem in Basel – auffiel. Im Herbst 2017 brachten Aktivisten etwa mehrere Plakate an, die aussahen wie offizielle Werbeplakate von Basel Tourismus. Darauf stand «Unsere Konzerne morden am besten» oder «Wir schauen am besten weg».

Zuletzt trat «Ignorance Unlimited» mit einer schweizweiten Kampagne auf. Auf rund 400 Plakaten verkündet die UBS angeblich: «Merci vielmal. Ihr habt uns gerettet. Jetzt retten wir euer Klima.» Die Aktivisten wollten die Grossbank mit dieser «Kunst im öffentlichen Raum» auffordern, aus dem Geschäft mit fossilen Brennstoffen auszusteigen.

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