Wer auf Google nach Bildern von Basel sucht, findet vorwiegend Fotos von der Mittleren Brücke, vom Münster und vom Rhein. Von den berühmtesten Ecken der Stadt also.

Doch Basel hat mehr spannende Orte zu bieten, als diese Touristen-Hotspots. «Wir wollen zeigen was es in Basel alles gibt und auch das, man sonst einfach übersehen würde», sagt Silvio Suter. Der 26-Jährige hat zusammen mit seinem guten Freund Reto Bürgin die Website stadtgeschichten.ch ins Leben gerufen. Bürgin und Suter kennen sich von der Universität. Beide haben sie neben anderen Fächern Geografie studiert und dort ihre Faszination für die Stadt als urbanen Raum entdeckt. Gepaart mit der bei beiden vorhandenen Liebe zum Fotografieren entstand daraus die Idee, eine Homepage zu kreieren, auf der Hobbyfotografen wie sie ihre Bilder zeigen können.

Es soll eine Seite sein, auf der verschiedene Facetten von Basel gezeigt werden – nicht nur die schönen Fleckchen. «Das, was eben gerade nicht schön ist , ist doch das, was wirklich interessiert», so Bürgin. So findet man auf ihrer Homepage Bilder vom Hochwasser in Basel oder von krakeligen an Wände gesprühten Botschaften wie «Zieh nid sone Frässi!» Was am Ende auf der Seite landet, hat vor allem mit den persönlichen Vorlieben der beiden zu tun. «Wir mixen alles zusammen, was uns interessiert.»

Vom Bergdorf ins Dorf am Bach

Doch wie finden die beiden die Motive, die sie knipsen wollen, aber die nie zu normal sein dürfen? «Ich habe das Glück, dass ich den Blick von aussen habe», sagt Suter, der in einem Bergdorf aufgewachsen ist. «Wenn man aus einem Ort wie dem meinen kommt, dann ist es schon nur spannend, in einer grösseren Stadt wie Basel zu sein», sagt er und lacht. Ausserdem profitiere er davon, dass ihm eben viele Dinge auffallen, die für Basler längst Alltag und daher unspektakulär geworden sind. Auch Bürgin kommt zwar nicht aus der Stadt, kennt Basel aber gut, weil er im Baselbiet aufgewachsen ist. «Das ist eben das Schöne. Es sind verschiedene Perspektiven, die sich im Grunde genommen ergänzen.» Perspektiven und Blickwinkel, es sind zwei der Dinge, die die beiden Geografen und Hobbyfotografen begeistern. Denn die Änderung des eigenen Blickwinkels helfe dabei, dass auch eine Stadt, die für Bürgin mehr schon «eine Art Dorf» ist, nie langweilig wird.

Denn auch wenn Basel im Vergleich mit anderen Städten auf der Weltkarte klein erscheint, werde die Stadt nie langweilig. «Basel ist sehr lebendig», so Suter. Ihm sei sehr schnell aufgefallen, wie dynamisch Basel ist und wie viel die Stadt zu bieten habe. «Sind es nun die verzierten Abfallkübel am Rhein, die sozialen Brennpunkte oder Visionen wie Rheinhattan, es ist immer spannend hier.»

Kamera als steter Begleiter

Um nichts zu verpassen, haben die beiden ihre Kamera immer dabei. «Wenn man mit dem Velo oder zu Fuss unterwegs ist, findet man immer wieder Orte, an denen man noch nie war und die spannend sind», sagt Bürgin. Ihn, der seit zwei Jahren am Seminar für Soziologie arbeitet, interessieren nicht nur die Architektur und der städtische Raum, sondern auch das, was darin alles aufeinander trifft: «Eine Stadt ist ein Ort der Differenz, der verschiedenen Personen, Vorstellungen und unterschiedlichsten Ideologien.» Es sei diese Vielfältigkeit, die ihn am Konstrukt der Stadt interessiere. «Diese Heterogenität ist – auch wenn viele es sagen – auch seit der Globalisierung nicht einer Homogenität gewichen.»

Die beiden Hobbyfotografen haben sich keineswegs zum Ziel gesetzt, die komplette Stadt irgendwann fotografisch auf ihrer Homepage dokumentiert zu haben. «Es ist aus einem Jux entstanden und soll auch ein Hobby bleiben», so Bürgin. So komme es auch vor, dass mal eine Woche lang gar nichts auf der Homepage passiert – abhängig davon eben, wie viel Zeit die beiden gerade aufwenden können. Und schliesslich komme es auch vor, dass «wir ab und an mal keine Lust zum fotografieren haben. Dann gehen wir einfach ein Bier trinken», sagt Suter und lacht.