Der Druck war immens. Einstimmig haben die nationalen Instanzen der Parti Socialiste Jean-Pierre Masseret, den sozialistischen Listenersten der neuen Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen, zum Rückzug seiner Liste im zweiten Wahlgang aufgefordert. Ziel: Den Wahlsieg des rechtsextremistischen Front National (FN) doch noch verhindern.

Ihr Spitzenkandidat Fabian Philippot war beim ersten Wahlgang vom letzten Sonntag mit 36,1 Prozent über 10 Prozent vor dem bürgerlichen Kandidaten Philippe Richert gelandet. Masseret kam auf enttäuschende 16,1 Prozent. Dennoch tritt er am Sonntag wieder an und könnte so dem FN zum Sieg verhelfen.

Masseret argumentierte, dass die linken Stimmbürger im neuen Parlament vertreten sein müssten. Er hätte sich nur zurückgezogen, wenn eine Mehrheit seiner Kandidaten dies gefordert hätten. Diese aber kam nicht zustande.

Dem FN reicht relative Mehrheit

Da nützte es auch nichts, dass der amtierende linke Maire von Strassburg Roland Ries wie auch die sozialistische Exministerin und Elsässerin Catherine Trautmann oder die Listenerste der Grünen, Sandrine Bélier, dazu aufriefen, den FN durch eine republikanische Front zu verhindern und Verzicht zu üben. Bei einem Sieg der Rechtspopulisten wird Masseret einen grossen Teil der Verantwortung dafür tragen. Am morgigen zweiten Wahlgang treten nun die drei Kandidaten Masseret, Richert und Philippot gegeneinander an. Zur Eroberung der neuen Grossregion reicht dem FN deshalb die relative Mehrheit.

Trotz eines Vorsprungs von 182 000 Stimmen könnte er auf der Zielgeraden noch knapp von Richert, dem amtierenden Präsidenten der Region Elsass, abgefangen werden. Laut einer Umfrage würden die Bürgerlichen am Sonntag 43 Prozent, der FN 41 Prozent und die Linke 16 Prozent erzielen. Allerdings waren schon die Umfragen vor dem ersten Wahlgang extrem ungenau und unterschätzten die Ergebnisse des FN massiv.

Entscheidend wird sein, ob die Rechtspopulisten bereits das Maximum der Stimmen von mittlerweile überzeugten Parteigängern erreicht haben. Zusätzliche Stimmen könnten von den Autonomisten oder den Gaullisten kommen – beide haben keine Wahlempfehlung abgegeben.

Hoffnung auf Linke und Grüne

Auch Richert kann auf Stimmen dieser Wählergruppen hoffen, zumal die Regionalisten ursprünglich aus einer zentristischen Bewegung entstanden sind und wenig Interesse daran haben dürften, einer nationalistischen Partei wie dem FN an die Macht zu verhelfen. Ausserdem könnte ein Gutteil der Grün- und Linkswähler sich dazu durchringen, mit der Stimme für Richert den FN zu verhindern.

An Unterstützung mangelt es Richert nicht. 29 Maires der grössten Städte der Grossregion haben dazu aufgerufen, für ihn zu stimmen und auch die Universitätspräsidenten haben ihre Sorgen vor einem FN-Sieg kundgetan.