Dem grünen Kandidaten Josha Frey ist es im Wahlkreis Lörrach mit 31,7 Prozent eindrücklich gelungen, seinem bürgerlichen Gegenkandidaten Ulrich Lusche (CDU) das Direktmandat abzujagen. Dieser lag mit 25,2 Prozent deutlich hinter ihm. Da er knapp zwei Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt der CDU lag, muss er sein Landtagsmandat in Stuttgart abgeben und dürfte wieder intensiver in seinem Beruf als Anwalt arbeiten. Für die CDU stellt diese Niederlage eine Zäsur dar.

Mehr Glück hat der SPD-Justizminister Rainer Stickelberger gehabt. Mit 16,7 Prozent lag er 4,6 Prozent über dem Landesdurchschnitt seiner Partei und konnte sich dank dieses Resultats über das Zweitmandat in den Landtag retten. Stickelberger sitzt seit 2001 für die SPD im Stuttgarter Landesparlament, war aber mit dem Ergebnis seiner Partei alles andere als glücklich.

Frey arbeitete lange in Basel

«Er tut mir ein bisschen leid», kommentierte Wahlsieger Frey gegenüber der bz. «Als Minister konnte er im Wahlkreis nicht so präsent sein wie ich.» Frey sitzt seit 2011 im Landtag und hat für sein politisches Mandat seine Tätigkeit als Sozialpädagoge aufgegeben. Er arbeitete seit 1987 in Basel, zuletzt als Leiter der Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit für das Basler Präsidialdepartement. «Weil die Politik für mich ein Fulltime-Job ist, konnte ich entsprechend im Wahlkreis präsent sein. Ich freue mich sehr. In den letzten zwei Wochen hat sich der Wahlsieg abgezeichnet.»

Während der Wahlkreis Lörrach vorher mit Lusche, Frey und Stickelberger mit drei Abgeordneten in Stuttgart präsent war, hat er jetzt nur noch zwei Vertreter im Landtag.

AfD stark in Weil am Rhein

Die AfD erreichte in Weil am Rhein mit 16,3 Prozent das zweitbeste Ergebnis im Wahlkreis, wobei dies nur knapp über dem Landesschnitt von 15,1 Prozent lag. «Viele Leute wissen gar nicht, was sie da gewählt haben. In Weil gibt es ein Problem. Wir müssen die Augen drauf haben, informieren, aber auch Grenzen setzen», analysierte Josha Frey.

Aufgrund des schlechten Abschneidens der SPD gibt es in Baden-Württemberg keine rot-grüne Mehrheit mehr. Derzeit ist noch unklar, wie die Regierung aussehen wird. Frey setzt darauf, dass der Grüne Winfried Kretschmann Ministerpräsident bleibt. «Zweidrittel der Wähler wollen Kretschmann, das kann man nicht einfach ignorieren.»

Im Verlauf des Aprils muss ein Koalitionsvertrag ausgehandelt werden, denn am 11. Mai tritt erstmals der neue Landtag und am 12. Mai die neue Regierung zusammen. Die Grünen haben am 7. Mai ihren Landesparteitag. Sollten sich die Parteien nicht einigen können, müssten innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen stattfinden.