Nur kurz nachdem Basel als Ausbildungsort für Goldschmiede auf der Kippe stand, widmet sich eine neue Sonderausstellung des Historischen Museums diesem Handwerk. Die noch unter der geschassten Museumsdirektorin Marie-Paule Jungblut geplante Ausstellung ist das Resultat eines jahrelangen Projekts: Seit 2009 machten sich Forscher unter der Leitung des Historischen Museums daran, die Basler Goldschmiedetradition nachzuzeichnen. Daraus entstanden zwei Bände. Allein der zweite Band, der «Katalog der Werke» stellt 630 Werke aus acht Jahrhunderten vor und zählt über 400 Seiten. «Es ist wichtig zu zeigen, welche Bedeutung die Goldschmiedekunst für die Stadt Basel hat», sagt Museumsdirektorin Gudrun Piller.

Die Ausstellung sei nun die Krönung dieses Forschungsprojekts, wirbt das Museum. Die über 300 Exponate hat das Pariser Studio Adeline Rispal im Haus zum Kirschgarten vor allem in den ersten beiden Ausstellungssälen wirkungsvoll inszeniert.

So geht Saal 1 der Faszination des Glanzes nach und präsentiert den von Ulrich  II. Sauter (1854-1933) geschmiedeten Meeresgott Neptun, der das ein Liter Wein fassende Trinkschiff der Safran-Zunft auf seinen Schultern trägt. Das Trinkgeschirr wird – hinter Glas – vor einem riesigen Wandbild eines Strandstücks präsentiert, auf dem sich das Weissgold der Sonne glitzernd in den Wellen reflektiert. Gold, Sonne, Glanz, Wasser: Der Bezug zur göttlichen Vollkommenheit liegt nicht weit. Und so widmet sich Saal 2 dem sakralen Kult und der Spiritualität. Gerade die Kirche, respektive das Basler Münster, verhalf der Basler Goldschmiedekunst zu vielen Aufträgen: Der Münsterschatz wurde laufend vergrössert. Und während des Basler Konzils von 1431 bis 1448 wirkten bis zu 26 Goldschmiede gleichzeitig in der Stadt.

Eptinger-Kelch: Rund 800 Jahre alt

Mit der Reformation gingen viele alte Werke verloren; sie wurden eingeschmolzen. Vom Schatz des Basler Münsters blieb aber einiges übrig: Zum Beispiel der vergoldete Eptinger-Kelch aus Silber, dem ältesten erhaltenen Messkelch aus dem Münsterschatz. Er entstand in der Zeit zwischen 1200 und 1225 und wurde 1467 in einen Reliquienbehälter umgearbeitet.

Neben den 29 Exponaten aus dem christlichen Kult werden acht Goldschmiedeobjekte aus dem jüdischen Kult gezeigt. Das älteste ist ein von Johann Jakob I. Biermann im Jahr 1650 geschmiedeter Kiddusch-Becher. Die religiösen Ausstellungsobjekte schimmern im schummrigen Licht von über 50 elektronischen Kerzen.

Weitaus heller und profaner ist hingegen der letzte Ausstellungsraum, wo Tee-, Kaffee- und Schokoladekannen auf ein Regal gereiht sind. Die edlen Kannen stammen vornehmlich aus dem 18. Jahrhundert.

Die Ausstellung bietet auch einen Einblick in die Methoden der Goldschmiede, inklusive der von Ulrich I. Sauter gemalten Original-Skizze des Neptun-Trinkgeschirrs. Objekte aus Zunftbestand zeigt das Museum viele: zum Beispiel auch die grosse Gelte der Weinleuten-Zunft aus dem Jahr 1613. oder eine Zunftmeister-Kette von 2003.

Neben den Zünften förderten ab dem 19. Jahrhundert auch Vereine die Goldschmiedekunst. Dem Vereinswesen ist der Saal 5 gewidmet. Darin ist unter anderem der Pokal des eidgenössischen Schützenfests 1844 in Basel ausgestellt. Gerade bei der Herstellung von Vereinspokalen erhielten die Goldschmiede viel Konkurrenz von der industriellen Produktion. Dennoch haben sie sich bis heute gehalten. Ihr Werk ist nun fürs breite Publikum zugänglich.

Ausstellung Silber & Gold, Haus zum Kirschgarten, Elisabethenstrasse, von 27. November 2015 bis 3. April 2016. Offen Dienstag-Samstag 10-19 Uhr, Sonntag 10-17 Uhr. Eintrittspreis: 18 CHF, ermässigt: 5 CHF.