Auch beim Fussball: Sie profitieren, wo sie nur können

Steuern zahlen sie auf dem Land. Party machen, Theater besuchen und Fussball schauen die Landeier aber in der Stadt.

Sogar bei seinen passivsportlichen Aktivitäten ist der gemeine Baselbieter eine parasitäre Lebensform. Anstatt dem FC Grellingen, Lietsch-City oder der Seniorenmannschaft des FC Aesch zuzujubeln, hüpft der auf seinen bäuerlichen Heimatkanton stolze Rampass im städtischen Stadion auf und ab und skandiert; «Wär nit gumpt, dä isch kai Basler!» Nun, dann müsste aber das halbe Stadion sitzen bleiben. Denn Basler ist, wer in Basel Steuern bezahlt.

Noch absurder wird es nur beim Absingen der Verse «Ihr seid Bauern, asoziale Bauern, ihr schlaft unter Brücken...» Wer in Bättwil wohnt, hier mitsingt und dabei keinen spontanen Hirnkatarrh entwickelt, der sollte dringend nochmals über sein Leben und die Widersprüche darin nachdenken.

Doch abgesehen von der lokalrassistischen Debatte darüber, wer nun FCB-Fan sein darf, ist auch völlig klar, wer es besser kann. Ja, der Landbewohner ist vielleicht in der Lage, lauter zu brüllen. Seine Stimme ist kraftvoll, weil er im Oberbaselbiet den Mähdrescher, in der Agglomeration den getunten Audi des Nachbarn übertönen muss. Kevin-Marvin und Melvin-Justin vom Kifferbänggli am Bahnhöfli an den Esstisch im würfelförmigen Einfamilienbunker zu rufen, das bedarf eines geschulten Organs. Der städtische Fan ist sich das Schreien zwar nur vom fasnächtlichen Bestellen eines Rugeli im Cliquenkeller oder von einem auf einem Wagen vorbeigondelnden Waggis mit Orange gewohnt. Dafür kann er sich auch längere Worte und Texte merken. Wie eben jenen mit den Bauern und den Brücken.

Nun mag man mir entgegenhalten, der Landkanton habe sportliche Grössen wie einen Marco Streller und einen Alex Frei hervorgebracht. Intellektuelle Rasenpoeten wie die Degen-Zwillinge. Ja, das ist wahr. Aber darum geht es hier nicht. Mitspielen darf beim FCB jeder, der willig ist, für einen bescheidenen Sold seinen Leib zum Ruhm der Stadt Basel in den Kampf zu werfen und seine Knochen für die gute Sache hinzuhalten. Das ist Solddienst in guter Schweizer Tradition. Dieser erworbene Ruhm, die Ehre und der daraus resultierende Stolz aber gehören nur uns, uns wen’gen, uns beglücktem Häuflein Bebbi.

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Vom Lande her, da stammt die Leidenschaft, die Intelligenz

Von Natur aus hat es der Baselbieter Fan immer viel besser gekonnt, die wahre Bedeutung des FCB zu verstehen.

Warum sind Baselbieterinnen und Baselbieter die besseren FCB-Fans? Weil wir wissen, was Leiden bedeutet! Weil wir wissen, wie das ist, nach einer legendär erfolgreichen Vergangenheit in ein tiefes Loch zu fallen und sich daraus aus eigener Kraft zu befreien. Nicht so wie die verwöhnten Stadtneurotiker, die gar nicht mehr wissen, was sie am FCB haben. Die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren werden und diesen trotz dritter Zähne immer drin behalten wollen.

So wie Berni Heusler mit Umsicht und Verstand Rot-Blau zur erfolgreichsten Ära der Vereinsgeschichte geführt hat, so wird auch König Toni das Baselbiet in bisher nie da gewesene Sphären führen. Diese Parallelentwicklung schafft unvergleichliche Identität. Wenn der Land-Fan auf dem Barfi den Gewinn des Meistertitels feiert, so feiert er im Geist den positiven Jahresabschluss der Kantonsfinanzen gleich mit. Den FCB-Mitgliederbeitrag und das Jahresabo bezahlt er genauso gerne und fristgerecht wie seine Steuerrechnung. Denn sie und er wissen, dass aus beidem Grosses entsteht.

Dort, wo der Stadt-Fan blosse Ablenkung aus einer übersättigten Alltagsmonotonie findet und in seiner beschränkten Sichtweise in Schiedsrichterbeleidigungen und Taktikgenörgel seine einzige Erfüllung sucht, delektiert sich die Baselbieter Anhängerschaft an Effizienzgewinnen in der Kaderzusammenstellung und dem Wachsen nachhaltiger Strukturen. Genau darum stellt der Land-Fan niemals den eigenen Trainer infrage, weil er täglich aufs Neue erfährt, dass eine Direktion auch ohne den dazugehörenden Regierungsrat bestens funktionieren kann.

Womit wir beim «Brain-Factor» angekommen sind, dem wichtigsten Punkt überhaupt. Richtig, Frei, Huggel und die Degens waren Helden auf dem Fussballplatz und waschechte Baselbieter. Darauf sind wir noch immer stolz. Woher stammten und stammen aber die glänzenden Köpfe an der Vereinsspitze, welche die Fäden gezogen haben? Genau, aus dem Baselbiet und seinem fast unerschöpflichen Brain-Pool. Heusler, ein Leimentaler! Gege Heitz, ein Leimentaler! Marco Streller, der Birstaler! Und so wird es immer weitergehen. Schliesslich wohnt der jetzige FCB-Boss Bernhard Burgener in Zeiningen.