Kyle Giersdorf ist zwar noch nicht volljährig, aber seit zwei Wochen mehrfacher Millionär. Er wurde Weltmeister im Computerspiel «Fortnite» vor 20'000 Zuschauern im Tennisstadion von Flushing Meadows in New York, wo jeweils die Finalspiele der US-Open ausgetragen werden. 2,3 Millionen verfolgten das Spiel gemäss Organisator via Livestream. Computergames faszinieren also und sorgen für Milliardenumsätze. Einem Grossteil der Bevölkerung sind sie allerdings komplett fremd.

Daran möchten Fernando Studer und seine Mitstreiter etwas ändern. Sie verstehen sich als Brückenbauer zwischen der Gamer-Community und der restlichen Gesellschaft, wobei sie den Spielebegriff sehr weit fassen. «Auch Brettspiele, Rollenspiele, ja selbst Jassen gehören zur Spielkultur», sagt der 30-Jährige. All diese Spielformen sollen ab September im Gundeli ein Zuhause erhalten. Dann eröffnet nach mehrjähriger Planung die «Manabar», benannt nach einer Art spiritueller Energie, wie sie in Fantasyromanen und -spielen vorkommt.

Nicht-Gamer sollen nicht abgeschreckt werden

Studer sagt: «Die Bar soll Treffpunkt für die Gamer-Community sein, aber auch Anlaufstelle für Interessierte, die mehr erfahren möchten über diese Kulturform.» Entsprechend neutral und einladend sei der Eingangsbereich gestaltet. «Wir wollen Nicht-Gamer nicht abschrecken mit irgendwelchen Figuren aus Baller-Games», sagt er. Deshalb ist im Parterre der Brettspiel-Bereich untergebracht. Im 1. Stock finden die Anhänger komplizierterer Tischspiele Platz und im Untergeschoss der ehemaligen Brockenstube an der Güterstrasse findet sich der E-Sports-Bereich mit Computern, Konsolen und Leinwand. «Die Bar ist dabei nur Mittel zum Zweck, unser Ziel ist es, Spielkulturen zu vereinen.»

Denn Elemente der Game- und Fantasykultur seien längst im Alltag aller angekommen. «Ich war kürzlich an einem Podium im Gundeli zum Thema Computerspiele. Da haben wir einen kurzen Ausschnitt aus dem Game ‹Fortnite› gezeigt, worauf eine Lehrerin sagte, dass sie erst jetzt die seltsamen Tänze ihrer Schülerinnen auf dem Pausenplatz verstehe – diese seien dem Computerspiel abgeschaut», sagt Studer. Selbst Fussballstars wie Paul Pogba ahmen bei ihrem Torjubel immer wieder die Freudentänze der «Fortnite»-Helden nach.

Christoph Merian Stiftung ist mit von der Partie

Dass die «Manabar» nun Realität wird, damit hat auch das Engagement der Christoph Merian Stiftung (CMS) zu tun. Mit 145'000 Franken unterstützt die Stiftung den Trägerverein. Sprecherin Elisabeth Pestalozzi sagt: «Die CMS geht von einem breiten Kulturbegriff aus. Sie unterstützt die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen, das professionelle künstlerische Schaffen und den Austausch zwischen Kulturschaffenden und Gesellschaft.» Die Entwicklung von Computerspielen sei ein kreativer, künstlerischer Prozess, wobei die Spieler das Publikum seien.

«Die CMS sieht die Game-Kultur als neue Kunstform und eine weitverbreitete Ausdrucksform der Alltagskultur.» Die «Manabar» ermögliche einer breiten Bevölkerung den Einblick in die Welt der Spielkultur und zeige damit, wie vielfältig und zukunftsträchtig das Thema Gaming sei. «Aus diesen Gründen hat sich die CMS entschieden, dieses Projekt zu fördern», sagt Pestalozzi. Dass der Traum einer Gamer-Bar wahr werden konnte, dafür haben auch 123 Unterstützer gesorgt, die auf der Crowdfunding-Plattform «kickstarter» insgesamt 17 483 Franken zusammengetragen haben.

Nun gilt es, die guten Startbedingungen in ein erfolgreiches Geschäftsmodell umzumünzen, denn nach drei Jahren läuft die Finanzierung durch die CMS aus. Studer und seine Mitstreiter sind vorbereitet; «Wir haben Workshops des Vereins ‹Startup Academy› besucht.» Diese Ausbildung sei eine Auflage der CMS gewesen, damit das Projekt finanziert werde. «Wir haben sehr profitieren können und sind nun guter Dinge, dass das ‹Manabar›-Abenteuer finanziell aufgehen wird.»