Alarmsirene, Rauch nimmt die Sicht, alle wollen sich in Sicherheit bringen. Eine solche Situation ist in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung besonders gefährlich: Rollstuhlfahrer können sich nicht selbst über Treppen retten, dürfen aber wegen des Brandes den Lift nicht benutzen. Menschen mit einer geistigen Behinderung benötigen besondere Betreuung. Nicht zuletzt sind wegen der Ausrichtung auf manuelle Tätigkeiten viele Menschen auf wenig Raum beschäftigt. Dies kann bei einem Unfall – wie am Montag in Titisee-Neustadt – zu einer hohen Zahl von Opfern führen. Wie sind hiesige Institutionen auf einen solchen Fall vorbereitet?

Unterteilung in Brandabschnitte

«Da unsere Werkstatt im Parterre liegt und mehrere Ausgänge hat, haben wir verschiedene Fluchtwege», erklärt Frank Gick, Werkstattleiter des Blindenheims Basel. Da sich bis zu 300 Personen im Heim aufhalten, führe man drei Mal jährlich Übungen für verschiedene Dienste durch. Jetzt vor Weihnachten sei diese auf zehn Tage verteilt, «bis auch der Letzte daran teilgenommen und dies per Unterschrift bestätigt hat».

«Evakuationskonzepte müssen allen klar sein und funktionieren», betont Christian Häfelfinger, Bereichsleiter Prävention bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung. Grundsätzlich gelte, dass man in Spitälern, Kinder- und Altersheimen und Behinderten-Einrichtungen die Gebäude in verschiedene Brandabschnitte unterteilt hat. «So kann man Menschen, die man nicht sofort ins Freie bringen kann, zuerst innerhalb des Hauses in sichere Bereiche evakuieren, um auf Rettung zu warten.»

Zudem lege man sehr viel Gewicht auf Prävention. Die Vorschriften seien bei Neubauten Teil der Baubewilligung. Bei älteren Gebäuden würden sie jeweils bei Umbauten durchgesetzt. «Im Baselbiet haben wir da mittlerweile bei den Brandschutzvorschriften einen sehr guten Stand.»

Selbst entwickelte Rettungsmatratze

«Ein Unfall wie im Schwarzwald ist bei uns nicht zu befürchten, da wir Büros und keine Werkstatt betreiben», erklärt Kurt Schmocker, Leiter Sicherheit im Reinacher Wohn- und Bürozentrum für Körperbehinderte (WBZ). Trotzdem arbeite man mit Weiterbildung laufend an der Sicherheit für die 300 Personen, die im WBZ wohnen und arbeiten. «Das Sicherheitsbedürfnis von Menschen mit Behinderung ist besonders gross», berichtet Stephan Zahn, Direktor des WBZ. Prinzipiell würden Rollstuhlfahrer horizontal in andere Gebäudeteile gebracht, wo jeweils ein Lift mit besonderer Brandfallsteuerung die Evakuierung ermögliche. Für den Fall, dass man geh-unfähige Personen über Treppen in Sicherheit bringen muss, habe das WBZ eine eigene Rettungsmatratze entwickelt.

Evakuation wird geübt

Auch die Eingliederungsstätte Baselland (EBZ) investiert in Prävention und übt die Evakuation. «Wir hatten dieses Jahr eine Gesamtübung und benötigten für die Evakuation 8 Minuten», berichtet Andreas Maier, Leiter der Werkstätten Reinach und Sicherheitsbeauftragter für alle zwölf EBZ-Standorte. Dafür arbeite man neben der Feuerwehr auch mit einem externen Sicherheitsberater, Fire-Protection aus Ziefen, zusammen. Fire-Protection ist, wie Inhaber Domenico Mozzillo erklärt, neben Prävention auf «ganzheitliche Evakuationskonzepte» spezialisiert. Er betreibe dies im Nebenerwerb als Fortsetzung seines früheren Engagements in der Feuerwehr. Er stellt fest: «Im Baselbiet hat ein Wandel hin zu einer höheren Sicherheitskultur stattgefunden.»

Alle Befragten betonen aber, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht gebe. In der Tat: Gestern meldete die «Badische Zeitung» online: «Die Behindertenwerkstatt im Schwarzwald war laut Deutschem Feuerwehrverband gut auf den Ernstfall vorbereitet. Die Mitarbeiter hätten alles richtig gemacht. Dennoch starben 14 Menschen.»