Claraspital

Singende Spitalangestellte produzieren Video-Clip

80 Mitarbeitende des Claraspitals im eigenen Musik-Clip

80 Mitarbeitende des Claraspitals im eigenen Musik-Clip

Selbstbeweihräucherung als Imagekampagne oder schlicht eine innovative Idee? Seit wenigen Wochen poppt beim Suchwort «Claraspital» im Internet ein kecker Videoclip auf. Emotionsgeladen fröhlich besingen rund

Selbstbeweihräucherung als Imagekampagne oder schlicht eine innovative Idee? Seit wenigen Wochen poppt beim Suchwort «Claraspital» im Internet ein kecker Videoclip auf. Emotionsgeladen fröhlich besingen rund 70 Beschäftigte aus den verschiedensten Abteilungen des Privatspitals unumwunden die Qualitäten der Belegschaft: «Alli mitenand, schaffe Hand in Hand ...»

Das professionell gestaltete, knapp dreiminütige Video setzt ebenso einzelne Akteure der verschiedenen Abteilungen in Szene, zuweilen vielleicht auch ein wenig spontan unbeholfen scheinend. Unumgänglich machte ebenso jeder Anrufer Bekanntschaft mit der vokal gepriesenen Teamarbeit, wurde doch der «Clarasong» für kurze Zeit auch als musikalische Untermalung der Warteschleife eingesetzt. Im Gegensatz jedoch zum süsssauer kommerziellen Geträller anderer Firmen unterhielt diese Version um einiges besser und verleitet den aufmerksamen Zuhörer vielleicht sogar zu einem kleinen Schmunzeln.

Dennoch steht die Frage im Raum, ob eine Institution, welcher viele ihr Leben anvertrauen, unbedingt auf der medialen Welle verschiedenster Castingshows mitreiten muss. Oder soll die neuste Produktion des Claraspitals nach der Heilsarmee eine kommende Kandidatur für den Eurovision Song Contest ankünden?

Singen hat Tradition

Weder noch, bekräftigt der Direktor des Claraspitals, Peter Eichenberger: «Die Produktion des Clarasongs war ein gemeinsames Erlebnis und in erster Linie für unsere Mitarbeiter selbst gedacht.» Unter Einbezug der gesamten Belegschaft seien Kriterien gesucht worden, welche den Spirit des Spitals ausmachten: gemeinsam, kompetent und verantwortungsbewusst. Mit diesem Hintergrund sei sodann der Clarasong entstanden.

«Unser alljährliches Personalfest ist jeweils ein richtiges Fest für alle Mitarbeiter, da entstand der Film, welcher nun auf Youtube steht», erklärt Eichenberger. Vorwürfe, dass hinter dem gesamten Projekt nur clevere Propaganda sei oder gar öffentliche Auftritte des Clara-Chors geplant seien, lässt der Direktor nicht gelten. «Den Song haben wir für uns selbst produziert, die Teilnahme etwa an einem Contest wäre der falsche Weg», erklärt er. «Wir müssen uns aber nicht schämen. Ausserdem hat Singen in unserem Haus Tradition.»

Prominent hat so auch die Physiotherapieabteilung einen Auftritt im Video. Angelehnt an James Bond ist der Leiter, Patrick Frich, von schelmischen Physiotherapeutinnen umgeben. «Hinter der Aussage des Liedes kann ich stehen», meint Frich, «wir haben das Bestreben, den Patienten das Gefühl zu geben, in den besten Händen zu sein.» Ausserdem sei es wichtig, auch im Team zusammen Spass zu haben. Für Frich selbst ist die Publikation im Internet zeitgemäss, selbst wenn diese Meinung nicht alle teilen würden, wie er anführt.

Das Feedback der Patienten ist jedoch ausschliesslich positiv. «Sie legen auch im Spital eine Fröhlichkeit an den Tag. Man merkt, dass sie es gut untereinander haben», spürt Jürg Schüpbach den Team-Spirit während seines Aufenthalts. «Die haben gut gesungen», meint Klara Degen, nachdem sie das Video gesehen hat, «sie haben es hier schon streng, aber man fühlt sich wirklich in besten Händen.» Dieses Lob wird sicherlich auch Physiotherapeutin Mirjam Häge freuen, zur Videoproduktion meint sie: «Auf der einen Seite war es ein Aufwand, es gibt aber Zusammenhalt und man schafft etwas gemeinsam.»

Leere Floskeln sei der von der Geschäftsleitung gepriesene Teamspirit definitiv nicht, bestätigt ebenso die Physiotherapeutin Sibylle Freudiger: «Wir haben eine super Stimmung und Zusammenhalt im Team, während der Arbeit aber sind wir immer konzentriert und kompetent.» Auch wenn nun kein weiterer Auftritt des Clara-Chores geplant sei, vielleicht begegnet doch mal ein Patient einer leise summenden Pflegekraft auf dem Gang, denn Ohrwurmqualität hat der Clarasong definitiv.

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