Es schien beinahe schon ein Naturgesetz zu sein. Jahr für Jahr stiegen in Basel-Stadt die Sozialhilfekosten. 2017 lagen sie bereits bei über 145 Millionen Franken, was nochmals einem Anstieg von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Sozialhilfequote in Basel-Stadt hat die 7-Prozent-Grenze geknackt. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich beträgt die Quote rund fünf Prozent.

Parallel dazu stieg die Zahl jener, die Prämienverbilligungen in Anspruch nehmen. 51'887 Personen waren es Ende 2017 – ungefähr ein Viertel der Kantonsbevölkerung. Kostenpunkt: 206 Millionen. Beim zuständigen SP-Regierungsrat Christoph Brutschin schien sich teilweise eine gewisse Ratlosigkeit breitzumachen: Die steigende Sozialhilfequote ist ein Problem, das nicht nur wir haben, sondern auch andere Städte», erklärte er bei der Präsentation der letzten Zahlen. «Ich habe noch niemanden gehört, der ein Rezept hat.»

«Bisher noch kein Grund zur Panik»

Doch nun ist plötzlich alles anders. Die Zahlen sinken wieder. Das zeigte sich bei der Präsentation der Jahresrechnung 2018 von Finanzdirektorin Eva Herzog am Donnerstag. Das Budget der Sozialhilfe ist im vergangenen Jahr gleich um satte 12,2 Millionen Franken unterschritten worden. Die Fallzahlen waren tiefer als erwartet. Waren es 2017 noch 5733 durchschnittlich unterstützte Fälle, wurden im vergangenen Jahr noch 5629 registriert – 104 weniger. Das verbessert letztlich auch die Rechnung des Kantons.

«Ich hoffe, Finanzdirektorin Eva Herzog hat dieses Mal mehr Freude an mir als auch schon», scherzt Sozialdirektor Brutschin. Allerdings: «Es gab bisher keinen Grund zur Panik. Und es gibt nun auch keinen Grund zur Euphorie.» So können die Behörden einerseits nicht erklären, wie es zu den sinkenden Zahlen gekommen ist, dafür gebe es viel zu viele Faktoren. Andererseits sei es noch viel zu früh, von einer Trendumkehr zu sprechen.

Das sieht Jacqueline Lätsch genauso. In einem solch komplexen System konkrete Aussagen zu einer Zu- oder Abnahme der Fallzahlen zu machen oder gar Prognosen abzugeben, sei kaum möglich, meint die stellvertretende Leiterin der kantonalen Sozialhilfe. Auch sie will von keiner Trendumkehr sprechen. Im Februar ist bereits wieder eine Zunahme der Fälle verzeichnet worden. Das könne zwar auch saisonal bedingt sein, müsse aber nicht, sagt Lätsch. «Wir müssen deshalb die nächsten Monate abwarten, um eine Prognose für dieses Jahr abgeben zu können.»

Bei der Sozialhilfe rechnen die Basler Behörden für das laufende Jahr bereits wieder mit höheren Ausgaben. Grund dafür sind etwa die steigenden Gesundheitskosten und die damit steigenden Prämien. Gleichzeitig werden der Grundbedarf der Sozialhilfe und der Mietzins-Grenzwert erhöht. Die Ausgaben steigen also auch bei gleichbleibend hohen Fallzahlen, stellt Lätsch klar. Diese Entwicklung zu beeinflussen, sei kaum möglich.