Reden wir es nicht schön. Der Anfang der Basler Herbstmesse war kalt, verschifft, gruusig. Und dennoch: Die Schlange derer, die kurz vor 12 Uhr vor dem Riesenrad auf die erste Fahrt warteten, reichte um den halben Messeplatz. Kalt die Hände, kalt die Füsse, nass der Nasenspitz.

«Aber wir wollen ja eine Herbstmesse und keine Sommermesse!», sagt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann wenige hundert Meter von der Schlange entfernt auf dem Martinskirchplatz, wo am Mittag die 548. Basler Herbstmesse offiziell eingeläutet wird. Die Rede hält sie kurz. Sie verweist auf die Gründungszeit in den Jahren zwischen den späten 1440er-Jahren und 1471, als die Herbstmesse erstmals steigen konnte, um dem Gewerbe Aufschwung und dem Volk Freude zu verleihen.

Als das Riesenrad neu und spannend war

Hier ein Hinweis auf Traditionen, die sich ändern, dort eine kurze Schilderung von damals, als das Riesenrad noch neu und aufregend gewesen war. Dann das Glockengeläute: Kraftvoll, als ob Messeglöckner Franz Baur den Menschen Mut machen will, dem Regen zu trotzen, der zwischen Hunderten in die Luft steigenden, gelben Ballonen zu Boden, auf Schirme, Kapuzen und Haarschöpfe klöppelte.

Ackermanns knappe Rede ist mitunter etwas vom Gesprächigsten an diesem Samstag. Zwar nehmen die Standbetreiber das Hudelwetter gelassen hin, sie müssen ja als Freiluftgewerbler mit meteorologischen Konsequenzen rechnen, aber ja. Wer ein Dach über Bahn oder Gondel bietet oder wie das Kettenkarussell Kultstatus besitzt, wird von unbeirrbaren Kindern mit ihren Erwachsenen trotzdem bestürmt.

Klagen? Dabei regnet es endlich einmal

Nicht so das Trampolin auf dem Petersplatz, das als Ersatz fürs von Tierschützern vertriebene Pony-Reiten aufgeboten wurde (die bz berichtete). Die Installation steht unbenutzt herum. Es wäre auch kein Spass, in den tiefen Wasserlachen dem grauen Himmel entgegen zu hüpfen. Wirklich gut läufts am Nachmittag am Chäsbängel-Stand (für alle Mundart-Päpste: sic!). Aber auch hier urteilen die Betreiber: Diese Herbschtmäss hat noch viel, sehr viel Potenzial.

Verlassen wir aber das Grossbasel und überschreiten den Rhein zur Kaserne hin, dann schreien sie auf den Bahnen, auf denen einem fast übel wird, wenn sie durch die regennasse Luft fetzen, den Kunstnebel durchschneiden und aus der Höhe wieder zu Boden fallen. Obwohl die Neuheiten am Samstag und Sonntag noch viele freie Plätze boten, sind der «City Skyliner» und der «Alpenblitz» bei der Kaserne, das «Chaos-Pendel» und die Laser-Schiessanlage den Besuch wert. Wenn selbst hier das Wetter einen Abbruch tut, dann gibt es immer noch die Messehalle: Der Indoor-Bereich hält trocken. Und wird seinem Motto mit den 1980er-Jahren sehr gerecht.

Aber klagen wir nicht, wir sonnenverwöhnten Baslerinnen und Basler. Was warteten wir doch seit Wochen auf den Herbst und seit Monaten sogar auf Regen. Eingepackt also, in dicke Socken und die schönste Schlechtwetterjacke, und dann raus aus der Stube: Denn
z’ Basel isch Mäss, und s’ isch e schaurig heerligi, herbschtligi Herbschtmäss.