Verkehr

Skandal um Basler BVB erreicht Höhepunkt: Nun soll Direktor Lagler ausgewechselt werden

Erich Lagler im freien Fall: Der Direktor der Basler Verkehrs-Betriebe soll den Posten räumen, fordert die Basler Geschäftsprüfungskommission.

Erich Lagler im freien Fall: Der Direktor der Basler Verkehrs-Betriebe soll den Posten räumen, fordert die Basler Geschäftsprüfungskommission.

Parlamentarische Geschäftsprüfungskommission glaubt nicht, dass unter Erich Lagler Ruhe einkehren wird. In einem ausführlichen Bericht filettiert die GPK die Basler Verkehrs-Betriebe, deren Führung und die Missstände. Das Urteil fällt vernichtend aus.

Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) stecken in der Krise. Die Mitarbeiter sind unzufrieden, die Gleise kaputt – und der Führungsebene wird ein katastrophales Zeugnis ausgestellt. Der am Donnerstag publizierte Bericht der grossrätlichen Geschäftsprüfungskommission (GPK) zeigt auf, wo es bei den BVB brennt. Nämlich so ziemlich überall. Da ist die Infrastruktur, immer wieder notfallmässige Interventionen zur Folge hat. Hier offenbart sich die fehlende Professionalität, die sich derzeit durch alle Ebenen der BVB zieht.

Eine von der GPK eingesetzte Subkommission versuchte, die Hintergründe der im vergangenen August plötzlich aufgetretenen Schäden auf dem gesamten Schienennetz der BVB zu ergründen – vergeblich. «Im Laufe der Untersuchung änderte sich die Begründung der BVB für die ausserordentlichen Schäden immer wieder», heisst es im Bericht. Zunächst habe man die neuen Combinos für die Gleisschäden verantwortlich gemacht, dann aber sei man von dieser Theorie abgekommen.

Schäden unklar, Folgen verheerend

Denn von der eingesetzten Subkommission sei aufgezeigt worden, dass die Schäden auch dort aufgetreten seien, wo gar keine Combinos verkehrten, wie etwa auf dem Dreispitz. Auch dass die Räder Ursache für die Gleisschäden seien, sei nicht plausibel. Denn sonst seien die Schäden nicht hauptsächlich bei den Weichen aufgetreten, sondern auch in engen Kurven.

Kurzum: Bis heute ist ungeklärt, warum bei den BVB die Gleise so schnell kaputtgehen. Die Subkommission wirft der BVB vor, die Gleisschäden nur ungenügend analysiert zu haben. Mit ein Grund dürfte sein, dass in den vergangenen Jahren viel Know-how verschwunden ist. Damit macht die GPK mit ihrem Bericht auch klar, was sie vom BVB-Direktor Erich Lagler hält, der 2014 mit dem Auftrag gekommen war, Ruhe ins Chaos-Unternehmen zu bringen.

Betriebsklima miserabel

Direktor Lagler habe es nicht geschafft, das Betriebsklima zu verbessern. Die Umfragen belegten, wie schlecht es um die Zufriedenheit bei den BVB-Mitarbeitern stehe und das Vertrauen in die Geschäftsleitung geschwunden sei in den letzten Jahren. «Beunruhigend», findet die GPK. Ins Bild passt, dass von der Finanzkontrolle eine schwere Submissionsverletzung «auf höchster Führungsebene» aufgedeckt worden ist.

So sei im Oktober ein Führungsseminar freihändig an einen deutschen Anbieter vergeben worden – ein Auftrag über 66 000 Franken. Gemäss GPK gibt es keine Hinweise darauf, dass die andere Offerten eingeholt worden sind. Genauso für weitere freihändige Vergaben, die im Anschluss getätigt wurden. Es sei nicht ersichtlich, warum nicht ausgeschrieben worden sei, so die GPK.

Die klare Forderung: «Wechsel an der Spitze!»

Es ist der dritte vernichtende Bericht der GPK über die BVB in den vergangenen fünf Jahren – und es stellt sich allmählich die Frage, wie lange sich das Führungsgremium im Amt halten kann. Von der Subkommission kommt jedenfalls eine klare Empfehlung. Sie will, dass dem zuständigen Departement der Auftrag zu erteilen ist, «einen Wechsel in der BVB-Direktion herbeizuführen».

Der Departementsvorsteher Hans-Peter Wessels (SP) hingegen stellt sich gemäss GPK-Bericht weiterhin den Standpunkt, «dass der Verwaltungsrat gut beraten sei, nicht schon wieder den Direktor zu entlassen». Wessels‘ Haltung zur Situation der BVB wird von der GPK als distanziert angeschaut. Zum einen relativiere er die miesen Umfrageergebnisse bei den Mitarbeitern, zum anderen suche er den Fehler oft bei den anderen. Gegenüber der GPK liess der Departementsvorsteher verlauten, dass er beim Parlament, bei der GP, bei den Medien oder gar bei den Mitarbeitenden der BVB eine Mitschuld orte.

Meistgesehen

Artboard 1