Routiers Suisses
Skandal: Wenn die Spesen allein das ganze Budget auffressen

Der Berufsverband der Chauffeure, Routiers Suisses, Sektion beider Basel, wird von einem Spesenskandal erschüttert. Am Freitag wurden jene an die Luft gesetzt, die dem Treiben eine Ende setzen wollten. Nun hat der Verein quasi zwei Vorstände.

Lucas Huber
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Da läuft etwas schief: Allein die Spesen verschlingen in etwa die Mitgliederbeiträge.

Da läuft etwas schief: Allein die Spesen verschlingen in etwa die Mitgliederbeiträge.

Ex-Press

Sobald ein Chauffeur in sein Privatauto umsteigt, lässt er sich das ganz offensichtlich mit zünftigen Spesen vergüten. 80 Rappen je Kilometer berechneten einige Vorstandsmitglieder der Routiers Suisses beider Basel, Berufsverband der Chauffeure, für «Dienste für den Verein.» Vorstandsmitglieder überdies, die keine Mitgliederbeiträge zu entrichten haben.

Das allein hätte nicht dermassen empört, wären die Spesenrechnungen für «Leistungen im Auftrag des Vorstandes» erbracht worden, wie Vereinspräsident Josua Studer an der ausserordentlichen Generalversammlung letzten Freitag monierte.

Doch die Spesen seien für «jedes Fährtchen» berechnet worden - an Vorstandssitzungen, Generalversammlungen, Inserenten-Akquisition fürs vierteljährliche Vereinsheft, «ja sogar Parkgebühren von 1.50 Franken.» Sagte Studer, der erst im Februar einstimmig ins Amt gejubelt wurde. Er argumentierte weiter: «Wir haben 420 Mitglieder, von denen jeder 25 Franken Beitrag im Jahr bezahlt. Allein die Spesen verschlingen in etwa die Mitgliederbeiträge. Es kann doch nicht sein, dass hier gewisse ihre Autos vom Verein amortisieren lassen.»

Palastrevolution im Führerstand

Darum hat er, gemeinsam mit dem Kassier, der seit letztem Jahr im Amt war, das Kilometergeld innerhalb des Vorstandes in Frage gestellt. Sie schlugen eine Reduktion auf 30 Rappen je Kilometer vor und wollten ernst machen.

Das Resultat: Ihre beiden alteingesessenen Vorstandsgenossen, die sich mit den Vorwürfen und also Spesendrosselung konfrontiert sahen, demissionierten per Einschreiben - ohne vorherige Diskussion. Studer zitierte sie mit den Worten: «Wenn ich keine 80 Rappen mehr bekomme, mache ich nichts mehr.» Ausserdem haben sie gemäss Studer zu Boykotts von Vereinsanlässen aufgerufen - erfolgreich.

Nun sollte vergangenen Freitag an der Generalversammlung in Basel der auf Präsident und Kassier geschrumpfte Vorstand aufgefüllt werden. Anstatt dass sich aber jemand freiwillig meldete, wurde den beiden nach langem Hin und Her ein fertiger Vorstand präsentiert, siebenköpfig und gewillt, das Zepter zu übernehmen.

Studer und sein Kassier nämlich, die spielen darin keine Rolle mehr. Sie wehrten sich nicht gegen die «Palastrevolution», wie Studer bezeichnenderweise titelte, offiziell zurückgetreten sind sie aber auch nicht. «Wir haben lediglich unsere Bereitschaft kundgetan. Für uns beide ist also klar: Wir sind gewählte Vorstandsmitglieder und als solche handlungsfähig. Ausserdem war die Wahl ‹der Anderen› gemäss Vereinsgesetz nicht rechtens.»

Besteht Studer auf sein Amt, ist er der Präsident. Dieser nahm denn die Aushebelung -zumindest fürs Erste - mit äusserlicher Gelassenheit hin. «Warum», fragte er rhetorisch, «soll ich mir das hier antun?»

Spätes Erwachen?

Rechtlich gesehen ist die Wahl des «neuen» Vorstandes ungültig und der «alte» verbleibt im Amt. Das werden zumindest die Neugewählten anders sehen. Unter ihnen tummeln sich auch jene beiden erst kürzlich Zurückgetretenen, die ihren Verbleib im Vorstand von der Höhe des Kilometergelds abhängig gemacht hatten. Deren Gebaren wurde im Übrigen von niemandem der rund 20 Anwesenden in Frage gestellt.

«Die werden schon sehen, wohin das führt, spätestens wenn das Vereinsvermögen aufgebraucht ist. Vielleicht wacht dann jemand auf», grollte Studer nach der Versammlung.

So lange allerdings wird dies womöglich gar nicht dauern. Kommendes Jahr werden die Routiers Suisses, Sektion beider Basel, 50 Jahre alt. Für den Januar bereits ist die ordentliche Generalversammlung angesetzt. Studer würde es nicht überraschen, wenn dort die Zäsur stattfände, schliesslich müssten doch alle Mitglieder den Anspruch haben, dass ihre Beiträge Sinnvollerem zuflössen als der Amortisation der Vorstandskarossen.

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