Jedes Jahr muss das Notfallzentrum des Universitätsspital Basel (USB) ein Projekt lancieren, um die steigenden Patientenzahlen abzufangen. Denn die Infrastruktur bleibe, auch wenn über 2000 Personen mehr wie im Vorjahr den Notfall aufsuchen.

Das sagte dessen Chefarzt Roland Bingisser an der gestrigen Jahresmedienkonferenz. Bislang ging es vor allem darum, die Abläufe rascher abzuwickeln und die Patienten schneller den zuständigen Fachärzten zuzuweisen. Nun geht das USB einen Schritt weiter: Pflegefachpersonal des Notfallzentrums bringen ab diesem Juli Patienten nach Hause.

Bingisser rechnet mit drei Personen pro Tag, die dadurch die Nacht statt im Spital zu Hause verbringen. «Das Projekt richtet sich tendenziell an ältere Menschen, die gewisse Unterstützung brauchen. Sie konnten wir bislang auch bei leichteren Erkrankungen nicht einfach nach Hause schicken.»

Als Beispiel nennt er eine 75-jährige alleinstehende Person, die eine leichte Lungenentzündung hat. Nachdem die Untersuchungen im Notfallzentrum abgeschlossen sind und die Diagnose feststeht, begleitet eine Pflegefachperson die Patientin oder den Patienten nach Hause und installiert dort ein Notrufgerät.

Zugleich werde die Grundversorgung überprüft: Sind alle notwendigen Medikamente zu Hause? Ist der Kühlschrank gefüllt? Daneben organisiere das Notfall-Team die Spitex für den nächsten Tag und informiere den Hausarzt, sagt Bingisser.

Patienten und Gewinn steigen an

Für die Versorgung in den eigenen vier Wänden rechnet der Chefarzt mit einem zeitlichen Aufwand von etwa einer Stunde pro Person. Bingisser sagt, das Modell der «notfallbasierten Übergangspflege» gäbe es erst in England und Skandinavien. An der Medienkonferenz wurde der Anstieg der Patienten im stationären (+ 4,6 Prozent) und im ambulanten Bereich (+ 10 Prozent der verrechenbaren Tarmed-Taxpunkte) aber auch als ein Grund für das «erfolgreiche Geschäftsjahr» angeführt.

Weiter hätten ein «striktes Kostenmanagement» und höhere Tarife dazu geführt, dass das Unispital 2016 seinen Gewinn um 6,1 Millionen auf 13 Millionen fast verdoppelt hat. Auch der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 41 Millionen auf 1,074 Milliarden Franken.